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Kader, Kraft, Kopf: Wolfsburg-Pleite deckt Kölns Probleme auf


Das 0:3 (0:0) des 1. FC Köln gegen den VfL Wolfsburg hat gezeigt: Die Geißböcke haben noch viel Arbeit vor sich, nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf dem Transfermarkt. Die Beine der Spieler mochten schwer gewesen sein. Trotzdem war der Auftritt gerade spielerisch schwach. Auch personell muss der FC dringend nachlegen, denn bei aller Freude über die vielversprechenden Talente im Kader fehlen den Kölnern Erfahrung und Durchsetzungskraft. 

Köln – Markus Gisdol hatte bereits am Ende des Trainingslagers in Donaueschingen erklärt, so manches taktische Element noch nicht mit der Mannschaft erarbeitet zu haben, vor allem im Spiel mit dem Ball. Bereits vor einer Woche im Test gegen Union Berlin hatte sich gezeigt, dass den Geißböcken im Ballbesitz noch die Ideen fehlen. Das gute Anlaufen und Gegenpressing hatte gegen die spielerisch ebenfalls schwachen Berliner jedoch gereicht, um einen Sieg davon zu tragen. Gegen Wolfsburg trat das Kölner Defizit jedoch offen zu Tage, und weil sich der VfL spielerisch besser befreien konnte als Union, kam der FC nur zu drei echten Torchancen. Markus Gisdol und Horst Heldt müssen nun in drei Bereichen für Lösungen sorgen.

Die Kraft

Testspiele und ihre Verläufe sind immer relativ. Wie hoch war die Belastung beim FC vor dem Test, wie hoc beim VfL? Gisdol hatte seine Spieler zwar „nicht in den Keller“ trainiert, wie er sagte, jedoch deutlich höher belastet als vor einem Pflichtspiel. Daher waren die Beine der Kölner Spieler sicherlich schwer. Wie sich dies bei den Wölfen vor dem Test dargestellt hatte, ließ sich am Samstag nicht verifizieren. Insofern mag es auch der Kraft geschuldet gewesen sein, dass der FC kein gutes Spiel zeigte. Darüber hinaus fiel jedoch eklatant auf, welch körperliche Unterschiede zwischen den Kölnern und den Wolfsburgern herrschen. Der VfL gilt als eines der körperlichsten Teams der Liga, kaum eine Mannschaft verfügt über derart viele hochgewachsene, bullige Verteidiger wie Wolfsburg, und selbst kleinere Spieler wie Jérôme Roussillon können sich als wahre Muskelpakete gegen fast jeden Gegenspieler behaupten. Dem gegenüber stehen die vielen FC-Profis, die sich weiterhin nur allzu leicht im Zweikampf zur Seite schieben ließen. Von den Youngster wie Jan Thielmann oder Tim Lemperle muss man dies noch erwarten, doch Spieler wie Ellyes Skhiri, Elvis Rexhbecaj oder Kingsley Ehizibue konnten ebenfalls nur schwerlich dagegen halten. Diese fehlende Durchschlagskraft fiel vor allem im Spiel nach vorne auf, wo Jhon Cordoba als einzig wuchtiger FC-Spieler gegen die zahlreichen Abwehrschränke der Wölfe keine Chance hatte. Im Training genauso wie auf dem Transfermarkt gilt es aus Kölner Sicht nun darauf zu achten, dass sich der FC auf dem Rasen künftig besser zur Wehr setzen kann. Gegen die Wölfe waren die Geißböcke jedenfalls körperlich klar unterlegen.

Der Kopf

Neben der körperlichen Unterlegenheit war auch die spielerische Ideenlosigkeit deutlich zu erkennen. Kaum einmal kamen die Geißböcke in Abläufe hinein, die fußballerisch sehenswert waren. Nur zwischenzeitlich, als Wolfsburg seine Hünen aus dem Spiel nahm, konnte sich der FC mal über die Außen durchkombinieren, so wie man es in den Tests gegen die unterklassigen Klubs bereits gesehen hatte. Auffällig war: Cordoba war der einzige Offensivspieler der Geißböcke mit unzweifelhaftem Bundesliga-Format. Dem FC fehlte ein Antreiber, Taktgeber und Organisator in der Offensive. Rexhbecaj, Hector, Skhiri, Özcan, Thielmann oder Jakobs sind zwar harte Arbeiter. Denker und Lenker mit Spielmacher-Potential sind sie aber nicht. Thielmann sagte im GBK-Interview in Donaueschingen: „Mark Uth war offensiv das Herzstück unseres Spiels. Wenn er das Spiel schnell machen wollte, wurde es schnell. Wenn er gesagt hat, dass wir einen Gang zurücknehmen sollten, hat er auch dafür gesorgt. Er war der spielbestimmende Spieler, unser Taktgeber. So konnte er auch immer wieder zum spielentscheidenden Spieler werden.“ Dieser Spieler fehlt nun an allen Ecken und Enden. Das fällt umso mehr auf, da Florian Kainz lange ausfällt, Christian Clemens nach seiner langen Verletzung noch Zeit braucht und Dominick Drexler seine spielerische Brillanz aus der Zweiten Liga bislang nicht in die Bundesliga übertragen konnte. Und so muss Sportchef Horst Heldt dringend auch nach einem Spieler fahnden, der in diese Rolle des Takt- und Ideengebers schlüpfen kann. Im aktuellen Kader gibt es diesen Spielertypen nicht.

Der Kader

Die spielerischen und körperlichen Herausforderungen sind die Aufgabe des Trainerteams. Die Verstärkungen von außen hingegen muss Sportchef Horst Heldt bringen. Der 50-jährige bekannte am Samstag, dass der Mannschaft die Durchsetzungskraft gegen Wolfsburg etwas gefehlt habe und dass es jetzt darum gehe, Spieler mit einer gewissen Wucht und auch Erfahrung zu finden. „Wir haben in der Tat eine junge Mannschaft“, sagte Heldt, wollte aber die potentiellen Neuzugänge nicht anhand ihres Alters nach Erfahrung und Jugend einteilen. „Das Alter ist nicht die alleinige Aussagekraft. Wenn man Sebastiaan Bornauw sieht, müsste er von seiner Art her auch ein paar Jahre älter sein. Ich sage aber klar, dass wir da die Waage halten müssen.“ Die Waage zwischen jugendlichem Elan und Bundesliga-Erfahrung, zwischen Entwicklungspotential und bereits vorhandener Power und Durchsetzungskraft im Erwachsenenfußball – danach fahndet Heldt offenbar. Dabei bleiben die Mittel überschaubar. „Wir müssen uns mit dem auseinandersetzen, was machbar ist.“ Ob als Kauf oder als Leihe, womöglich erst gegen Ende der Transferperiode – Heldt wird bis zum Schluss am 5. Oktober schauen müssen, wie er die Mannschaft verstärkt bekommt. Dass Verstärkungen notwendig sind, hat der Test gegen Wolfsburg spätestens gezeigt. Daher kam die am Ende auch hohe Pleite womöglich zur rechten Zeit. Spätestens am Samstag hat jeder gesehen, wo Kölns Probleme liegen.

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