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Der erste Sieg: In Schlagdistanz und nicht mehr wehrlos


Der 1. FC Köln kann wieder gewinnen. Das 2:1 beim BVB lässt den FC und seine Anhänger durchatmen. Die Geißböcke sind im Tabellenkeller wieder über den Strich gehüpft und stehen auf Rang 15. Diese Momentaufnahme ist vor allem psychologisch wichtig: Denn die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol dürfte nun wieder konkurrenzfähig werden, wenn sich monatelange Verkrampfungen lösen.

Köln – So mancher FC-Fan dürfte sich gewundert haben, als die Bild am Montag titelte: „Heldt warnt vor Mega-Euphorie!“ Welche Mega-Euphorie? Nach einem Sieg, wenn auch über den BVB? Wohl kaum. Und tatsächlich: Sportchef Horst Heldt hatte lediglich darauf hingewiesen, dass der FC nichts anderes gewonnen habe als ein Bundesliga-Spiel. Schon gar nicht sei der Abstieg bereits vermieden worden. Der Sportchef zeigte lediglich Realismus und dürfte einer der Letzten sein, die die Geißböcke nun in Gefahr sehen, allzu euphorisch zu werden. Und auch die FC-Fans dürften dieser Versuchung nicht erliegen. Niemand eigentlich. Keine Euphorie, schon gar keine „Mega-Euphorie“.

Das Einzige, was der 1. FC Köln am Samstag geschafft hat, war das Ende einer achteinhalb Monate andauernden Sieglos-Serie. Da dürfen alle Beteiligten – von den Spielern über die Trainer und die Verantwortlichen bis hin zu den Mitgliedern und Fans – durchaus große Erleichterung verspüren. Erleichterung ja, Euphorie nein. Dem FC und Köln wird gerne vorgeworfen, zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt zu schweben. Ein Klischee, das so alt wie stumpf, so oberflächlich wie in die Jahre gekommen ist. In Köln tobt rund ums Geißbockheim schon lange keine haltlose Euphorie mehr, dafür haben die Verantwortlichen der letzten Jahrzehnte gesorgt. Wenn Euphorie aufkommt, dann berechtigterweise (wie nach dem Einzug nach Europa oder nach acht Siegen aus zehn Spielen). Wenn das Gefühl der Trostlosigkeit aufkommt, dann allerdings ebenfalls zurecht (wie nach 18 Spielen ohne Sieg).

Der FC ist der große Gewinner des Spieltags

Was aber ist nun wirklich passiert mit diesem 2:1-Sieg gegen Borussia Dortmund? Wie viel sind die drei Punkte über die tabellarische Veränderung hinaus wert? Der bereits jetzt sichtbare Kern dieses Erfolgs zeigt sich in der Gesamtbetrachtung des 9. Spieltags. In der unteren Tabellenhälfte war der 1. FC Köln das einzige Team, das einen Sieg einfahren konnte. Hoffenheim, Hertha, Freiburg und Mainz holten einen Punkt, der Rest verlor. Das machte den FC-Sieg doppelt wertvoll, denn die Geißböcke sprangen nicht nur auf Rang 15, sondern rückten bis auf drei Punkte an Rang zwölf heran.

Bei dieser Rechnerei geht es jedoch keineswegs darum festzuhalten, wie schnell sich die Kölner in den kommenden Wochen in der Tabelle nach oben arbeiten könnten. Es geht einzig darum in direktem Kontakt mit der Konkurrenz zu sein. Schlagdistanz heißt das Zauberwort. Der FC blickt mit den Spielen gegen Wolfsburg, Mainz, Leverkusen und Leipzig auf ein hartes Restprogramm vor Weihnachten. In diesen Wochen wird es darauf ankommen, den jetzt hergestellten Kontakt zu den Konkurrenten im Tabellenkeller nicht wieder zu verlieren. Ein Erfolg gegen einen direkten Konkurrenten wie Mainz würde da gleich doppelt Wirkung zeigen.

Wer Rückstände aufholen muss, hat oft schon verloren

Der 1. FC Köln hat sich darauf eingestellt, in dieser Saison gegen den Abstieg zu spielen. Manche sehen in dieser Betrachtungsweise eine von vorne herein formulierte Schwäche, andere dagegen eine Stärke, weil man sich der Schwere der Aufgabe bewusst ist. Letztlich bleibt es eine Frage der Psychologie. Doch fraglos geht es in einer solchen Saison darum, niemals abreißen zu lassen. Wer große Rückstände aufholen muss, hat oft schon vorher verloren. Wer jedoch jederzeit mit nur einem einzigen Sieg zurückschlagen kann, bleibt mental stark. Zuletzt war der FC zwar auch noch in Schlagdistanz, jedoch schlingerte er bereits monatelang wehrlos durch die Liga. Das hat sich jetzt geändert. Der FC kann wieder gewinnen. Der FC ist nicht mehr wehrlos. Plötzlich kann die Saison endlich so richtig beginnen. Und womöglich löst dieses Gefühl so manche Verkrampfung, die in den letzten Wochen für so viele Blackouts und Rückschläge verantwortlich war. Das wäre dann eine Erleichterung, nicht zu verwechseln mit Euphorie.

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