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Nach Lehrjahr: Katterbach will mehr als ein Talent sein


Beim 1. FC Köln erlebt man in einem einzigen Jahr oft, was man bei einem anderen Klub in zehn Jahren nicht erlebt. Diese Erfahrung musste auch Noah Katterbach in 2020 machen. Ein rasanter Aufstieg, an dem er großen Anteil hatte. Ein ebenso eindrucksvoller Absturz, der Katterbach seinen Stammplatz kostete. Dazu zwei Verletzung sowie natürlich eine Pandemie, die den FC härter zu treffen schien als viele andere Klubs. Zum Jahresende meldete sich der 19-jährige zurück und will im nächsten Jahr den nächsten Schritt machen.

Köln – Die Umstellung war notwendig und brachte den langersehnten Erfolg. Doch Noah Katterbach kostete sie den gerade erst zurückerkämpften Stammplatz. Als Markus Gisdol gegen Borussia Dortmund auf Dreier- respektive Fünferkette umstellte, fand sich der Linksverteidiger wieder auf der Bank wieder. Keine einfache Situation für den 19-jährigen, der in dieser Phase lernen musste die Entscheidungen des Trainers hinzunehmen, obwohl er sich als Spieler nichts hatte zu schulden kommen lassen. Katterbach war das taktische Opfer, das Gisdol in Kauf nehmen musste, um gegen den BVB zu siegen.

Das weiß Katterbach heute auch. Doch als das Eigengewächs des 1. FC Köln am Dienstag in einem virtuellen Mediengespräch darauf angesprochen wurde, merkte man ihm an, dass er mit dieser Entscheidung gehadert hatte. „Die Umstellung auf die Fünferkette hat mich rausrotiert“, sagte Katterbach. „Ich habe dann mit dem Trainer gesprochen, der meinte, es seien taktische Gründe gewesen. Ich hatte vorher meine Leistung gebracht, das war also Pech. Mein Ansporn ist es, egal in welcher Formation in der Startelf zu stehen.“ In den folgenden vier Spielen wurde der Linksverteidiger nur einmal in der Schlussphase gegen Bayer Leverkusen eingewechselt, während Konkurrent Jannes Horn auf aufgrund seiner körperlichen Vorteile gegenüber Katterbach auch in der Dreierkette zum Einsatz kam.

Erst gegen Leipzig, als Markus Gisdol auch aufgrund der Verletzungen (Czichos und Cestic) wieder zur Viererkette zurückkehrte, fand sich Katterbach wieder in der Startformation. „Das war eine wichtige Bestätigung für mich, dass ich zurückgekehrt bin, als wir auf Viererkette zurückgestellt haben. Das war ein gutes Gefühl“, sagte der Youngster, der gegen Leipzig und Osnabrück zwar nicht fehlerfrei blieb, aber als Teil zweier geschlossener Mannschaftsleistungen jeweils ohne Gegentor. „Gerade Spiele wie in Leipzig sind geil, um sich mit solchen Spielern zu messen. Und gegen Osnabrück konnte ich auch ein bisschen mehr selbst Fußball spielen und mich vorne einschalten.“ Der Linksverteidiger hatte für das Spiel nach vorne in der Sommerpause an seinen Flanken gearbeitet und hätte bei RB mit einer solchen beinahe ein Tor vorbereitet, doch Dominick Drexler konnte seine zielgenaue Hereingabe nicht verwerten.

Ich will den Mund aufmachen und meine Mitspieler verbal und durch meine Spielweise mitreißen

Katterbach muss noch in seine Rolle beim FC hineinwachsen. Kein Wunder, schließlich ist das Eigengewächs erst seit etwas mehr als einem Jahr fester Bestandteil der Profis. Das Jahr 2020 wurde daher auch zum Lehrjahr für den Junioren-Nationalspieler. Die erfolgreichen Wochen im Januar und Februar brachten ihm viel Spielzeit. Dann folgte eine Sprunggelenksverletzung, die ihn bis in die Pandemie hinein aus dem Verkehr zog. Danach konnte er seinen Stammplatz nicht mehr dauerhaft verteidigen und ging auch mental angeschlagen in die Sommerpause, wie er später einmal gestand. Aus diesem Tief musste er sich erst einmal herauskämpfen, eine kleinere Muskelverletzung in der Vorbereitung warf ihn dabei noch einmal zurück. So musste er zu Beginn der neuen Saison zusehen, ehe er sich wieder mehr Spielzeit erkämpfte. Nun hängt es an der Formation, ob Katterbach spielt oder nicht.

„Mein Ziel für das neue Jahr ist dasselbe wie im letzten Jahr. Ich will weiter in meine Rolle im Team hineinwachsen, um konstanter zu werden. Ich will ein Führungsspieler werden. Ich will den Mund aufmachen und meine Mitspieler verbal und durch meine Spielweise mitreißen.“ Selbstbewusst auftreten, auch in Zweikämpfen mit und gegen den Ball, das hat sich Katterbach vorgenommen. Er weiß, dass sein Konkurrent Horn über mehr Erfahrung verfügt, manche Situation unter Druck besser löst als der dann noch etwas unruhige Katterbach. Doch die Trainer bescheinigen dem Linksfuß eine deutlich verbesserte Zweikampfhärte, wenngleich „ich noch an meinem Stellungsspiel und Bewegen im Raum arbeiten muss, um Situationen besser zu erkennen“, wie er sagt.

Stabilität in der Liga für eine bessere Entwicklung der Talente

Die letzten zwölf Monate waren für Katterbach nicht immer einfach, die Umstände beim FC dabei nicht immer eine Hilfe, aber eine Lehre. Dass dem 19-jährigen bei den Geißböcken die Zukunft gehört, davon sind alle Verantwortlichen überzeugt. Dass der Youngster noch nicht sofort auf höchstem Niveau konstant funktionieren kann, versteht sich dabei von selbst. Seinen Vertrag hat Katterbach bis 2024 verlängert. Das neue Jahr soll möglichst weniger Probleme bringen, dafür ein ruhigeres Umfeld für eine konstante Entwicklung. Katterbach weiß bereits aus Erfahrung, wie viel Sicherheit gute Ergebnisse für die persönliche Entwicklung geben können. Und so hofft man am Geißbockheim, dass nicht nur Katterbach, sondern auch die anderen Talente von stabileren FC-Monaten im Frühjahr profitieren können.

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