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Provokateur Bremen: Behält der FC diesmal die Nerven?


Wenn der 1. FC Köln am Sonntag auf den SV Werder Bremen trifft, steht den Geißböcken nicht nur ein Fußballspiel bevor, sondern auch ein Psychospiel. Die Norddeutschen kommen mit dem Ziel nach Köln, ähnlich wie in der Vorwoche gegen Eintracht Frankfurt über mentale Spielchen den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Gegen solche Maßnahmen sah der FC schon einmal in dieser Saison merklich schlecht aus. Können es die Geißböcke diesmal besser machen?

Köln – Als der FC Augsburg am 2. Januar 2021 beim 1. FC Köln mit 1:0 gewann, war dieser Sieg der Gäste auch ein Sieg über die Nerven. Die Geißböcke hatten diese in einem Spiel verloren, in dem die Augsburger ständig provozierten, verbal wie in den Zweikämpfen, aber auch von der Bank aus. FCA-Manager Stefan Reuter ist bekannt für seine provokante Art an der Seitenlinie. Aber auch Heiko Herrlich und die Spieler mischten derart mit, dass sich die Kölner irgendwann nicht mehr auf das Fußballspiel konzentrierten und dieses letztlich verloren.

Bremens „spezielle Form der Gastfreundschaft“

Salih Özcan bekannte hinterher, die Augsburger wären den Kölnern unter die Haut gegangen und hätten dafür gesorgt, dass der FC nicht voll bei der Sache gewesen wäre, sondern sich von den Nebenschauplätzen hätte ablenken lassen. Das darf am Sonntag gegen den SV Werder Bremen nicht noch einmal passieren. Und das ist durchaus eine Herausforderung. Denn vor einer Woche war Bremen dem eigentlichen Favoriten Eintracht Frankfurt ebenfalls derart unter die Haut gegangen, dass sich selbst Adi Hütter nicht mehr hatte beherrschen können. Während des Spiels hatte der SGE-Coach die Gelbe Karte gesehen. Nachher verließ er die Pressekonferenz mit den Worten „Wir wünschen auch nach dieser speziellen Form der Gastfreundschaft ein schönes Wochenende“ und erklärte später: „Es war rundherum viel los. Das hatte mit Niveau wenig zu tun, das hat mir nicht gefallen.“

Wir müssen unsere Linie halten

Florian Kohfeldt und sein Betreuerteam haben sich in der Liga inzwischen einen zweifelhaften Ruf erworben, der durch die Stille von den leeren Zuschauerrängen nur noch verstärkt wird. Auch zwischen Kohfeldt und Markus Gisdol hatte es schon im Hinspiel geknallt, von den ersten Minuten an hatte Kohfeldt die Kölner Aktionen und Spieler kommentiert und angesprochen, bis Gisdol der Kragen geplatzt war. Hinterher hatte es keinen Handschlag gegeben, Gisdols Worte hatten alles gesagt: „Das muss er mit sich selber ausmachen, wie er sich da verhält.“

Fakt ist aber auch: Die verbale Spielführung gehört in der Bundesliga dazu, Provokationen sind so alt wie das Spiel selbst. Die Frage ist lediglich: Können die Geißböcke diesmal besser damit umgehen? „Adi Hütter hat gesagt, sie seien in diese Falle getappt. Das sind Dinge, die natürlich eine Rolle spielen“, warnte Gisdol am Freitag vor dem Spiel. „Wir müssen uns auf uns konzentrieren und dürfen dieses Thema nicht groß werden lassen. Wir müssen unsere Linie halten.“ Der FC wird also nicht nur fußballerisch, sondern mental gefordert sein gegen eine Mannschaft, die die fünftbeste Abwehr der Rückrunde stellt und sich mit einer taktischen Umstellung auf eine Fünferkette stabilisiert hat.

Dennis wohl nur auf der Bank

„Bremen steht viel defensiver und agiert mit längeren Bällen, um auf zweite Bälle zu gehen. Mit diesem etwas einfacheren Spiel haben sie ihre Punkte gemacht, auch gegen Frankfurt“, sagte Gisdol, dem diese Taktik durchaus vertraut sein dürfte, versuchte es der FC doch selbst in dieser Saison immer wieder damit. Der FC hatte Bremen im Hinspiel meist den Ball überlassen, dieses Mal könnte es umgekehrt laufen, denn der SVW weiß, dass die Geißböcke mehr unter Druck stehen als Bremen. Gisdol muss sich daher für die Offensive einiges einfallen lassen. Dabei könnte Emmanuel Dennis nur eine untergeordnete Rolle spielen. Der FC-Coach deutete am Freitag an, dass sich Dennis am Sonntag auf der Bank wiederfinden wird. „Es ist denkbar, dass er eine Pause bekommt“, sagte Gisdol. „Er weiß, dass er nicht gut gespielt hat und dass er einiges hat vermissen lassen.“ Im Training habe sich der Winter-Neuzugang zwar engagiert gezeigt. Aber Gisdol sagte: „Wir lassen das Fragezeichen stehen, welche Aufstellung wir wählen.“

23 Kommentare
  1. MountainKing sagte:

    Keine Ahnung, wie ernst ich sowas nehmen kann.
    Jahrzehntelang gehört das Gepöbel Zehntausender zur Stadion-Folklore, die man während Corona treuherzig vermisst, aber wenn man jetzt den Trainer von der anderen Bank hören kann, wirft das die Spieler aus der Bahn? Wassn das fürn Quatsch?

    Und ganz ehrlich: Wenn einen das dämliche Gelalle von einem Kohfeldt oder Reuter gegen den Strich geht, dann grätscht man halt in der 44. Minuten einen Spieler direkt vor der Bank bis nach Wanne-Eickel, deutet subtil auf seinen Schritt und lässt sich in der Halbzeit auswechseln.
    Einen Spieler, der sich nach der Partie hinstellt, und seine Paßquote von 32,7% damit begründet, daß der gegnerische Trainer gemeine Sachen gesagt hat, soll sich danach aber bitte nie wieder irgendein Trikot anziehen und so tun als wäre er Profi-Fußballer.

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