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„Kann auch böse ausgehen“: Baumgart akzeptiert das Risiko


Der 1. FC Köln reist ohne Wenn und Aber als Außenseiter zum FC Bayern München. Trotzdem ist Trainer Steffen Baumgart keiner, der sich bereits geschlagen gibt, ehe die erste und vor allem die letzte Minute gegen den frisch gebackenen Supercup-Sieger gespielt ist. Auch Bayern-Coach Julian Nagelsmann adelte die FC-Truppe vor der Partie. 

Köln – 1:5 und 0:4 lauteten die letzten beiden Ergebnisse des 1. FC Köln in der Allianz Arena. Damals, unter Achim Beierlorzer und Markus Gisdol, holten sich die Geißböcke herbe Pleiten beim FC Bayern München ab. Und das, obwohl der FC aus einer defensiven Grundordnung heraus agierte und alles probierte, um den Rekordmeister vom eigenen Strafraum fern zu halten.

Immer mit dem Wissen, dass hinten etwas passieren kann

Einen ähnlichen eingeschüchterten Auftritt wird man am Sonntag aller Voraussicht nach vom FC nicht zu sehen bekommen. „Was wir brauchen, ist Mut. Mut, nach vorne zuspielen. Uns eigene Chancen zu erarbeiten. Nicht abwartend agieren und nicht nur hoffen, ein gutes Spiel zu machen. Wir brauchen den Gedanken, gewinnen zu wollen“, forderte Steffen Baumgart im Vorfeld die Überzeugung seiner Spieler, auch gegen die in den vergangenen neun Jahren beste Mannschaft Deutschlands bestehen und sogar siegen zu können.

Natürlich weiß der Trainer, für den Spiele in der Allianz Arena selbst „eine Ehre“ sind, dass der Plan auch nach hinten losgehen kann. „Das Ergebnis kann auch böse ausgehen.“ Doch wie die Vergangenheit gezeigt hat, kann es das auch mit weitaus weniger Mut im eigenen Spiel nach vorne. Und so wird Baumgart seiner Mannschaft am Sonntag in der Kabine nicht plötzlich erzählen, dass alles, was sich die Spieler während der Vorbereitung erarbeitet haben, gegen Bayern hinfällig sein wird. Vielmehr will Baumgart seinem Spiel auch in München treu bleiben. „Wir werden das, was ich vorgegeben habe, nicht verändern. Wir werden nach vorne spielen und versuchen, uns Chancen zu erarbeiten. Und das immer mit dem Wissen, dass hinten etwas passieren kann.“ Der Trainer akzeptiert also das Risiko.

Auch aus Niederlagen kann man lernen

Gleichzeitig weiß Baumgart auch, dass sein Plan, hoch anzulaufen, gerade gegen eine Mannschaft von der Qualität der Bayern „nicht immer funktionieren“ wird. Die Münchener werden gegen das Kölner Spiel Lösungen finden können, davon ist der FC-Coach überzeugt. Dem 49-jährigen geht es aber auch darum, dass seine Spieler lernen und sich weiterentwickeln. Und da gehören Spiele gegen die besten Mannschaften dazu. „Wenn ich jedes Mal meinen Fußball verändere, nur weil es vielleicht David gegen Goliath heißt, verändere ich, was wir wollen. Und wir wollen uns entwickeln.“ Und selbst wenn der Kölner Auftritt in München schief gehen sollte, wird Baumgart es gelassen sehen. „So ist Fußball eben. Selbst dann entwickeln wir uns weiter.“

Mit Paderborn konnte Baumgart seine beiden Spiele gegen die Bayern vor zwei Jahren in der Bundesliga nicht gewinnen. Zwei Mal unterlagen die Ostwestfalen knapp mit 2:3. „Wir haben immer relativ klar und schnell hinten gelegen“, erinnerte sich der heutige FC-Trainer. „Trotzdem waren die Spiele gut. Auch daraus haben wir viel gezogen.“ Und so freut sich Baumgart, sich am Sonntag einmal mehr mit den Bayern messen zu dürfen. Das bedeutet für den gebürtigen Rostocker aber nicht, nur zu hoffen, dass der Gegner einen weniger guten Tag erwischt. „Messen heißt auch, seine eigene Idee durchzusetzen. Die Jungs sollen anfangen, an Sachen zu glauben.“

Nagelsmann lobt FC

Dabei wird Baumgart nicht müde zu betonen, dass es auf die eigenen Stärken ankommen wird, auf das eigene Spiel und die eigene Herangehensweise. Und dann will der FC da sein, wenn die Bayern einen Fehler machen. Sowohl gegen Borussia Mönchengladbach als auch im Supercup gegen den BVB konnte Baumgart solche erkennen. „Sie haben auch in den ein oder anderen Situationen dem Gegner etwas angeboten. Das wollen wir ausnutzen.“

Für einen Überraschungseffekt dürfte die zu erwartende offensive Kölner Ausrichtung bei den Bayern allerdings nicht sorgen. Bereits im Testspiel vor knapp fünf Wochen konnte sich Bayerns Cheftrainer Julian Nagelsmann ein erstes Bild von den Kölner Plänen machen, wenngleich er selbst nur mit einer C-Elf antreten konnte. Aber auch das Auftreten des FC gegen die Hertha hat dem neuen Mann an der Münchener Seitenlinie imponiert. „Ein großes Kompliment an Steffen Baumgart, die Kölner haben es sehr gut gemacht am ersten Spieltag. Sie haben das Spiel gegen Hertha verdient und ansehnlich gewonnen. Es wird kein leichtes Spiel, wir müssen da auf jeden Fall an die Grenzen gehen“, mahnte Nagelsmann, der auf Manuel Neuer und Kingsley Coman wird verzichten müssen, vor dem Spiel.

7 Kommentare
  1. Gerd1948 sagte:

    Nach der letzten Minute werden wir ja sehen, was Baumgart wirklich vorgegeben hatte. Langfristig ist es total richtig, wie er das erklärt. Er will den FC Fußball neu definieren und erschaffen. Er will sehen was sich entwickelt, wo es nicht oder noch nicht funktioniert. Mit dem Sieg im Rücken ganz am Anfang der Saison wäre es vllt sogar töricht nicht zu versuchen die 60 Minuten gegen Hertha fortsetzen zu wollen. Ich hoffe, dass er die Dinge weiter entwickelt. Bin ehrlich, nach Jena hat er mich gewissermaßen geflasht gegen Hertha, deswegen hat er auch was mehr Bonus, als ich ihm eigentlich zu gestatten wollte.

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