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Der Sechs-Tore-Wahnsinn beim 1:1 gegen RB Leipzig


Die Partie zwischen dem 1. FC Köln und RB Leipzig versprach am Samstagabend ein Topspiel zu werden – und es enttäuschte nicht. Die beiden Mannschaften lieferten sich einen packenden Fight und sorgten für eine elektrisierende Stimmung auf den Rängen. Einzig der VAR ließ die Momente zwischen Freude und Ärger häufig in eine gefühlte Ewigkeit erstarren. 

Aus Müngersdorf berichtet Sonja Eich 

Geschichte des Spiels: Was für eine Achterbahnfahrt der Emotionen: Insgesamt drei Mal ertönte am Samstagabend in Müngersdorf das „Trömmelche“. Auch drei Mal durften die rund 100 mitgereisten Leipziger Fans feiern. Wem man nun allerdings erzählt, dass das Spiel zwischen dem 1. FC Köln und RB Leipzig mit einem 1:1 endete, dürfte sich zurecht irritiert zeigen. Denn insgesamt vier Tore wurden beim Topspiel des 5. Spieltages aufgrund einer Abseitsstellung wieder einkassiert – mal vom VAR, und mal von Dr. Felix Brych und seinem Gespann selbst. Einmal entschied Robert Hartmann im Kölner Keller immerhin zu Gunsten des FC: Der Treffer von Anthony Modeste wurde nach Hinweis des VAR letztlich doch noch für gültig erklärt. Doch auch wenn nur zwei Tore am Ende zählen sollten: Die 25.000 Fans sowie alle Zuschauer an den Fernsehern dürften sich über dieses spektakuläre Spiel gefreut haben.

Szene des Spiels: Es lief die 80. Minute beim Stand von 1:1 in Müngersdorf. Emil Forsberg hatte Christopher Nkunku, den Dreifach-Torschützen aus der Champions League, mit einem schönen Pass in die Tiefe steil geschickt. Kingsley Ehizibue, wenige Minuten zuvor als Linksverteidiger eingewechselt, startete knapp anderthalb Meter hinter dem Franzosen. Doch der Kölner nahm seine Beine in die Hand, legte einen wahnsinnigen Sprint hin und grätschte Nkunku das Leder im eigenen Strafraum noch sauber vom Fuß. Nach der Aktion feierte sich der Niederländer zu recht selbst für diese Aktion – und die Fans ihn gleich mit.

Pfiff des Spiels: Trotz vier nicht gegebener Tore war der Pfiff des Spiels am Samstagabend ein anderer: Fast zwei Minuten dauerte es, ehe Felix Brych nach dem vermeintlichen Treffer von Anthony Modeste und der anschließenden Sicht der TV-Bilder auf den Mittelpunkt zeigte. Der Unparteiische nahm seine vorherige Entscheidung, im Vorfeld ein Foulspiel von Mark Uth gesehen zu haben, wieder zurück. In der Folge brach es nicht nur aus 25.000 Fans heraus, sondern auch aus Anthony Modeste, der bei seinem Torjubel einen Gruß an seinen verstorbenen Vater sendete.

Zitat des Tages: „Ich hätte mich sehr glücklich gefühlt, heute Abend auf der Couch zu sitzen und so ein Fußballspiel als Neutraler zu sehen.“ (Steffen Baumgart)

Auswechslung des Spiels: Noch in der ersten Halbzeit ausgewechselt zu werden, gilt eigentlich als Höchststrafe im Fußball. Doch Steffen Baumgart hätte Rafael Czichos wohl nicht bereits nach einer guten halben Stunde vom Feld genommen, wenn der Innenverteidiger nicht an der Grenze zu einem Platzverweis gestanden hätte. Der 31-jährige hatte sich bereits nach 16 Minuten die Gelbe Karte abgeholt. Nach zwei weiteren Foulspielen gab Dr. Felix Brych Czichos selbst einen Hinweis, er möge doch ab sofort etwas besser aufpassen, wenn der FC das Spiel zu elft beenden wolle. In der Folge sprach der Vizekapitän mit Steffen Baumgart und wurde nur wenige Augenblicke ausgewechselt.

Erkenntnis des Spiels: Der 1. FC Köln muss sich in dieser Saison scheinbar vor keiner Mannschaft verstecken. Mit dem FC Bayern, gegen den ebenfalls Zählbares drin gewesen wäre, sowie RB Leipzig, haben die Kölner nun schon die Partien gegen die beiden stärksten Mannschaften des Vorjahres einmal absolviert und noch immer stehen die Geißböcke mit acht Punkten aus fünf Spielen hervorragend dar. So hat der FC zwar bislang in jedem Spiel mindestens auch ein Gegentor kassiert, kann sich bisweilen aber auch sicher sein, immer selbst zu treffen. Anders als noch in der Vorsaison werden die Kölner im weiteren Verlauf wohl nur noch allzu selten als klarer Außenseiter in die Spiele gehen. Und selbst, wenn die Kölner irgendwann wieder einmal als Verlierer den Platz verlassen sollten, dürfte sich an einer Sache in dieser Saison nichts ändern: Der 1. FC Köln macht endlich wieder Spaß.

25 Kommentare
  1. Martin Duda sagte:

    Mit der Vereinsbrille vor den Augen war es natürlich toll daß der Treffer gegeben wurde.
    Vom Grundsatz her war es mal wieder eine VAR Schweinerei. Der Kontakt am Fuß war, wenn auch nur minimal da und hat somit den RB Verteidiger genug gestört um ihn an einem sauberen Schuss zu hindern. Deshalb war auch die erste Entscheidung keine krasse Fehlentscheidung, und hätte somit bestehen bleiben müssen. Diese VAR-Kacke wird immer mal so mal so ausgelegt, und letztendlich macht es die Sache dann doch nicht wirklich besser. Ok, ab und zu klappts auch mal, aber es macht mehr kaputt als es hilft.
    Ich finde VAR zum KOTZEN!!!!

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  2. Gerd1948 sagte:

    Richtig ist bei sowas in der Tat, dass derjenige Foul spielt, der bei der Ausholbewegung den anderen trifft. Oder der Spieler der versucht den Ball weg zu spielen kommt an den Fuß des Angreifers, dann wäre es auch kein Foul. Allerdings hat Martin völlig Recht. Dies als krasse Fehlentscheidung zu ahnden im Keller war mal wieder krass falsch. Allerdings hilft der VAR bei Abseits fast zu 100% und bei Handspielen auch. Bei Rot statt Gelb wie gestern auch. Insgesamt macht er den Fußball gerechter aber nicht unbedingt schöner.

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    • Martin Duda sagte:

      Da hau ich doch gleich mal einen zusätzlich raus. Bei minimalst knappen Abseitsentscheidungen im einstelligen Zentimeterbereich, bei dem selbst der VAR noch 1 Minute hin und her überprüfen muß ist doch völliger Quatsch.
      Der Zeitpunkt an dem der Ball abgespielt wird ist ja entscheidend. Und den können die doch gar nicht auf die Hundertstelsekunde bestimmen.
      Wenn z.B zwei Spieler in entgegengesetzte Richtungen laufen, macht alleine der vom VAR bestimmte Zeitpunkt der Ballabgabe so einige cm aus, die dann darüber entscheiden ob Abseits oder nicht.

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      • Gerd1948 sagte:

        Ist nun mal so die Regel mit dem Körperteil, das ein Tor erzielen darf. Durch den VAR sind die aller wenigsten Entscheidungen noch falsch. Bei entgegengesetzen Laufrichtungen ist es schwer, aber es kommt ziemlich selten vor. Die Abwehrreihe rückt in 9 von 10 Fällen geschlossen vor um dich abseits zu stellen. Danach behaupte ich dass es in 9 von 10 Fällen zu spät ist, wenn der Abwehrspieler merkt, dass er noch 1 Schritt raus sollte. Mittlerweile sind auch die Assistenten ziemlich gut geschult auf Höhe zu sein. Ich bleib dabei, alles wird gerechter, weil wenig durch rutscht. Wenn er das Tor nicht gibt von Modeste dann ists so, auch wenn er das Tor von Forsberg gibt, dann ists so. Nur bei Modeste wäre es schlecht gewesen, wenn der Schiri das Abseits vllt 1 mal einfach nicht sieht.

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  3. Jose Mourinho sagte:

    Für mich ein klares Tor. Daher war auch richtig, dass der VAR eingreift, denn ein Tor nicht zu geben obwohl kein Foul vorlag ist eine krasse Fehlentscheidung. Uth läuft einfach nur Richtung Ball und die aktive Bewegung kommt vom Leipziger, der ausholt und Uth gegen das Knie tritt. Da ich es mit Streich halte und meine, es kommt nicht drauf an, ob es ein Kontakt gab sondern ob es ein Foul gab, war es für mich überhaupt nicht abzupfeifen. Wenn man es aber pfeifen möchte, dann als Foul von Leipzig, denn deren Spieler tritt gegen Uth und nicht andersrum.

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  4. Norbert Neuheisel sagte:

    Dank des VAR gibt es weniger Fehlentscheidungen durch die Deutungshoheit des Schiedsrichters. Beim 1:0 für den FC hat der Schiedsrichter nach Sichtung des VAR richtig entschieden, da Simakan beim Abwehrversuch eine Ausholbewegung nach hinten machte und dabei den hinter ihm stehenden Uth traf. Was die Millimeter-Entscheidungen beim „Abseits“ betrifft, müsste ein Toleranzspielraum gelten, der in die Messungen mit eingerechnet wird.

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  5. Kurti sagte:

    Das Problem liegt schon an der bewußt schwammig gewählten Worthülse „krasse Fehlentscheidung“.
    Der Gegenpart ist die Wahrnehmung auf dem Platz.
    Seit dem Mainz Spiel vor ein paar Jahren, als es 11 gegen den FC gab, obwohl überhaupt es keine Berührung an de Blasis gab, ist klar, das der VAR keinerlei Gerechtigkeit bringt.

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      • Gerd1948 sagte:

        Ich verstehe schon was du meinst Kurti. Dir geht es generell bei Schiedsrichtern sicher um eine einheitliche Linie. Das wäre natürlich wünschenswert. Gestern bei DAZN kam das Thema ja auf. Ein Schiedsrichter, von dem man eben vorher weiß, dass er viel laufen lässt, wenig gelb zeigt. Ich finde z.B. dass ein Schiri wenn der VAR interveniert IMMER selbst gucken sollte ob er was falsch gesehen hat oder ob er bei seiner Empfindung bleibt. Da ist das Beispiel mit der neuen Handregelung was Stephan ansprach schon mal gut. Das wird nahezu einheitlich gepfiffen jetzt oder eben eher nicht mehr.

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