, ,

Wehrle im Interview: „Wir müssen im Winter keine Spieler verkaufen“


Alexander Wehrle ist beim 1. FC Köln einerseits als alleiniger Geschäftsführer der mächtigste Mann im operativen Geschäft. Andererseits ist der Finanz-Fachmann unter Druck, muss den Klub sanieren und sich seinen Kritikern stellen. Der GEISSBLOG traf Wehrle zum Interview und sprach mit ihm im ersten Teil über die Schuldenlast, die Möglichkeiten der Kaderplanung und Lizenz.

Das Interview führte Marc L. Merten

GEISSBLOG: „Herr Wehrle, der FC kann schon im Derby wieder 50.000 Zuschauer ins Stadion lassen. Kann der Klub damit auch finanziell wieder durchatmen?“

ALEXANDER WEHRLE: „Wir sind sehr zufrieden, dass wir vom Gesundheitsamt Köln die Genehmigung erhalten haben und mit 2G gegen Leverkusen wieder 50.000 Zuschauer begrüßen dürfen. Wir haben in unserer Basisplanung für die Hinrunde 16.500 Zuschauer vorgesehen und ab der Rückrunde wieder ein ausverkauftes Stadion. Dass wir jetzt schon deutlich früher mehr Zuschauer haben können, verbessert unsere Situation natürlich.“

Hat der FC dadurch jetzt wieder mehr Geld?

Ich würde eher sagen: Wir verlieren weniger Geld. Denn unter normalen Umständen wären wir ja praktisch immer ausverkauft.

Trotzdem fußt das Fundament, also die Basisplanung, auf anderen Zahlen – dem niedrigeren Umsatz stehen ja auch Einsparungen gegenüber. Also übertrifft man doch die, wenn auch niedrigeren, Erwartungen.

Zumindest im Ticketing. Wir sind jetzt in der dritten Corona-Saison, und wir sehen Licht am Ende des Tunnels.

Ich hoffe, dass wir deutlich unter 80 Mio. Euro liegen werden

Gibt es in diesem Zuge auch einen Baumgart-Effekt?

Gar keine Frage, der sportliche Erfolg wirkt sich positiv aus. Wir sind aktuell der einzige Verein, der all seine Tageskarten für jedes Spiel in nur wenigen Minuten absetzt. Die Karten gehen nicht mal in den freien Verkauf, sondern bleiben im Mitgliederbereich. Das ist sicher außergewöhnlich und hängt mit der Euphorie aufgrund des guten Starts und den leidenschaftlichen Spielen unserer Mannschaft zusammen.

Was heißt die bisherige Saison denn in Zahlen konkret? Zwischen März 2020 und Juni 2021 musste der FC insgesamt 66 Millionen Euro an Umsatzverlusten hinnehmen.

Die genauen Zahlen für diese Saison möchte ich ungern öffentlich machen, aber zu den 66 Mio. Euro ist in unserer Planung für 2021/22 noch einmal ein signifikanter Umsatzverlust in Millionenhöhe dazugekommen. Inwieweit sich dieser Betrag durch die Entwicklungen im Ticketing reduzieren lässt, wird der weitere Saisonverlauf zeigen.

Unterm Strich könnte Corona den FC aber rund 80 Mio. Euro gekostet haben.

Je nach dem, wie es in den kommenden Monaten weitergeht. Die Pandemie bringt – nach wie vor – unzählige Unwägbarkeiten mit sich. Aber ich hoffe, dass wir deutlich unter 80 Mio. Euro liegen werden, weil wir in den Zuschauerzahlen über unseren Planungen liegen. Das Wichtige ist, dass wir sehr konservativ gerechnet haben, die Liquidität gesichert ist und wir zum Ende der Saison immer noch über ein positives Eigenkapital verfügen. Das waren die übergeordneten Zielsetzungen.

Ich habe nie gesagt, dass wir Skhiri verkaufen müssen

Wie lange wird Corona den FC denn mittelfristig belasten?

Die Umsatz- und Ergebnisverluste werden uns noch die nächsten zwei Jahre beschäftigen. Die Folgen werden zeitlich verzögert zu spüren sein. Jeder Euro mehr, der in die Kasse kommt, hilft uns. Wir werden aber nicht so schnell wieder da stehen, wo wir vor Corona standen. Das wirkt sich natürlich auf die Kaderplanung aus.

Ein wichtiges Element in der Finanz- und Kaderplanung ist Ellyes Skhiri. Eigentlich sollte der Tunesier verkauft werden. Jetzt ist er noch hier. Wie hat der FC die fehlenden Einnahmen aufgefangen?

Ich habe immer gesagt, dass wir Transfereinnahmen benötigen. Fakt ist, dass wir Ismail Jakobs und Sebastiaan Bornauw transferiert haben. Und ich freue mich sehr, dass Ellyes Skhiri noch immer Bestandteil unserer Mannschaf ist. Jeder sieht, wie gut er uns tut. Ich habe nie gesagt, dass wir ihn verkaufen müssen, sondern dass wir insgesamt Transfereinnahmen benötigen, und die haben wir erzielt. Daher bin ich zuversichtlich, dass wir unser Ziel, bis zum 30. Juni 2022 ein positives Eigenkapital zu haben, erreichen werden.

Sie sagen, dass der FC das positive Eigenkapital bis 2022 erreichen muss. Gibt es Schritte, die der Klub bis dahin DFL-seitig noch erfüllen muss? Es wurde über Punktabzüge und Nachlizenzierungen diskutiert.

Bei der Lizenz geht es immer um Liquidität. Wir haben im März dieses Jahres unsere Lizenz ohne Auflagen oder Bedingungen erhalten. Die Nachlizenzierung erfolgt immer für alle Klubs Ende Oktober, aber unsere Saison ist durchfinanziert, daher müssen wir zum Beispiel im Winter keine Spieler verkaufen.

Die Auswirkungen der Pandemie werden uns auf Jahre beeinflussen

Für das Eigenkapital waren die Genussrechte entscheidend, das Mezzanine-Kapital, das der 1. FC Köln eingesammelt hat. Noch immer fragen sich viele Fans, was das eigentlich genau ist und wie es den FC langfristig belasten wird. Fangen wir mit dem ersten Teil der Frage an. Was ist Mezzanine-Kapital?

Vereinfacht beschrieben: Genussrechte-Inhaber geben uns für einen vereinbarten Zeitraum Geld und akzeptieren dafür ein gewisses Risiko, weil sie keine Sicherheiten bekommen. Dieses Risiko ist der Grund, warum wir das Geld als Eigenkapital verbuchen können. Sonst wäre es ein normaler Kredit, also Fremdkapital. Für ihr Geld erhalten die Inhaber von Genussrechten Zinsen, aber nur, wenn der FC ein positives Jahresergebnis erzielt. Beim Fremdkapital hat der Kreditgeber gewisse Sicherheiten und bekommt jedes Jahr seine Zinsen, egal, ob unser Finanzergebnis positiv oder negativ ausfällt.

Das heißt, nur wenn der FC Gewinn macht, wird der Zins ausgezahlt. Trotzdem muss die gesamte Summe irgendwann zurückgezahlt werden – wie bei einem normalen Kredit auch. Inwiefern belastet gerade diese Rückzahlung den FC auf lange Sicht?

Das habe ich mit den verzögerten Corona-Folgen gemeint. Wir müssen die Kredite aus der Landesbürgschaft in den kommenden Jahren mit Zinsen bedienen und ab dem dritten Jahr tilgen. Die Genussscheine müssen wir in unserer mittelfristigen Planung ebenfalls berücksichtigen, denn unser Ziel ist es ja, bald wieder positive Finanzergebnisse zu erzielen, aus denen sich dann ja auch Zinszahlungen ergeben würden. Das wird uns in den nächsten Jahren beschäftigen.

Schwächt das den FC in den kommenden Jahren?

Nicht in erheblichem Maße, aber wir waren vor Corona nicht in diesem Maße auf Fremdkapital angewiesen, mussten keine Zinsen und Tilgungen für die nächsten Jahre berücksichtigen. Deswegen sage ich, dass die Auswirkungen der Pandemie uns auch in den nächsten Jahren beeinflussen werden.

20 Kommentare
  1. Truebe Tasse sagte:

    Ich werde das Gefühl nicht los, dass der FC den Pakt mit dem Teufel eingegangen ist. Das klingt mir alles schwer nach: „Wir hoffen, dass das gut geht, aber wissen tun wir es nicht.“ Scheiße, in welche Lage wir uns in den Jahren vor Corona gebracht haben, die durch Corona nochmals verstärkt wurde. Es wirkt alles eher wie eine Wette auf die Zukunft, die dann aufgeht, wenn der sportliche Erfolg (=Klassenerhalt) über Jahre erreicht wird. Geht aber einmal etwas schief (=Abstieg) dann gehen die Lichter möglicherweise aus oder flackern nur noch auf Sparflamme. Künftig trinke ich auf jeden Fall pro Spiel 1 Kölsch mehr, wenn jeder Euro hilft…

    Kommentar melden
    • Anti Raute sagte:

      Und ich werde das Gefühl nicht los, dass einige „Fans“ zuerst immer nur das Negative sehen. In diesem Interview gibt es doch viel mehr Positives zu entnehmen, natürlich nur, wenn man Wehrle auch glaubt, was er geantwortet hat. Vielleicht kann uns Marc Merten sagen, wie er das Interview bzw. die Aussagen von Wehrle einordnet, schließlich war er ja dabei und kann die Mimik von Wehrle deuten.

      Ich weiß wirklich nicht, warum man von diesem Interview darauf kommt, dass beim FC „Land unter“ wäre. Ganz im Gegenteil, Wehrle sagt, dass man Skhiri nicht verkaufen muss aus wirtschaftlichen Gründen, das ist doch positiv und nicht wenige Fans hatten vor der Saison andere Befürchtungen (wie auch der Geissblock). Ebenso spricht Wehrle von einem positiven EK am Ende dieser Saison zum 30.06.22 Das ist auch positiv zu sehen und mehr, als ich es erwartet hätte.

      Wenn dazu noch der sportliche Erfolg käme, was macht bitte schön einem Fan Angst, dass der FC „ein Pakt mit dem Teufel“ eingegangen wäre. Diese Maßnahmen waren coronabedingt notwendig, wie bei vielen anderen Vereinen auch. Dass man jetzt früher als geplant vor vollem Haus spielen kann, verbessert unsere finanzielle Situation nochmals.

      Es werden in Köln keine Lichter ausgehen, Trübe Tasse, ganz im Gegenteil, der Verein wird sich erholen. Es deutet nichts darauf hin, dass ihr Horror Szenario auch nur im Bereich des Möglichen sein könnte, aber klar, es gibt sie, die Schmarzmaler, beim Effzeh Forum sogar in großen Mengen. Leider sind das meist alles Menschen, die kaum eine Ahnung haben und irgendwie mit schwimmen, denn man braucht dann keine eigene Meinung zu haben und bekommt auch viel Zuspruch oder Likes von Gleichgesinnten…

      Ich habe bereits im Sommer gesagt, dass der FC Skhiri nicht verkaufen muss, weil wir mit Jakobs und Bornauw 2 Spieler gegen Ablöse verkaufen konnten. Dass Wehrle dies gerade heute bestätigt hat, liegt daran, dass der FC das Stadion jetzt wieder voll machen kann. Es geht in die richtige Richtung, sportlich und finanziell.

      Und ja, mir ist bewusst, dass der FC finanziell weiterhin haushalten muss und vielleicht auch den ein oder anderen Transfererlös erzielen muss, aber das gehört zum Geschäft dazu, jedenfalls wenn man nicht Bayern München, BVB oder irgendein Werksverein oder Konstrukt heißt.

      Kommentar melden
      • Truebe Tasse sagte:

        Lieber Herr Raute, bitte wenn dann auch genau lesen: er spricht im Zusammenhang mit dieser Genuss-Anleihe von positivem EK, erwähnt aber auch, dass man diese Einnahmen als EK VERBUCHEN kann. Verbuchen heißt nicht haben! So leid es mir tut: der FC hat unterm Strich dieses Geld nicht als EK sondern es sind rückzuzahlende Gelder. Und für mich Ottonormalverbraucher sind zurückzuzahlende Gelder Schulden, egal wie ich sie verbuchte. Finanzrechtlich mag es da gewisse Differenzen geben, aber unterm Strich arbeitet der FC mit Geld, das ihm nicht gehört. Ende. Aus. Mickey Maus.

        Kommentar melden
        • Gerd1948 sagte:

          ….und er spricht davon, dass wir im Winter keine Spieler verkaufen müssen. Dies war ja mitten im Szenario schon auch eine Befürchtung. Truebe Tasse sieht zwar heute zumindest ein wenig schwarz respektive ist pessimistisch, ist meines Wissens aber nicht für Schwarzmalerei oder derlei hier bekannt. Von daher einfach mal auch ne ängstliche Meinung eines Fans akzeptieren.

          Kommentar melden
          • Gerd1948 sagte:

            Sorry, kleiner Nachtrag. Uns wurde immer vor Augen gehalten, dass das Eigenkapital eben als Sicherheit erhöht bzw erwirtschaftet werden müsste im Geschäftsjahr. Von dem Standpunkt her ging nicht nur der GBK davon aus, dass das mit den Erlösen von Bornauw und Jakobs nicht gänzlich reicht.

          • Truebe Tasse sagte:

            So siehts aus. Eigentlich bin ich wahrlich nicht als Schwarzmaler bekannt und der kleine Bruder von Paul Paul bin ich auch nicht. Ich nehme nur nicht jedes gesprochene Wort voller Euphorie einfach so hin. 32 Jahre FC-Fandasein haben leider geprägt. Es wurde immer wieder was erzählt und am Ende kam es doch anders.

    • Truebe Tasse sagte:

      Am schönsten fände ich ja tatsächlich Platz 8: gibt paar Milliönchen TV-Gelder und an spielt nicht in der bekackten Conference League und verbraucht Körner für die Liga. Wenn es mit Platz 8 nicht hin haut, würde ich auch einen unter den ersten 4 nehmen. Dann wären die Finanzsorgen relativ flott fott.

      Kommentar melden
        • Anti Raute sagte:

          Wenn wir die Conference League erreichen würden, dann hilft dies dem FC sehr, denn auch die Marktwerte der Spieler erhöhen sich entsprechend, wenn die Spieler internationale Spiele nachweisen können bei einem Transfer.

          Natürlich muss man anders als 2017, die Mannschaft auf Europa so vorbereiten und ausstatten, dass es keine (oder kaum) Auswirkungen auf den Ligabetrieb hat. Aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich am Meisten.

          Kommentar melden
          • Truebe Tasse sagte:

            Genau, nach dem damaligen Einzug in die Euro League sind die Marktwert der FC-Spieler ja auch förmlich explodiert. Wollte nicht Barcelona 66 Mio für Jojic, Ajax Amsterdam 21 Mio für Zoller und Besiktas Istanbul 3 Milliarden für Lehmann zahlen???

        • Truebe Tasse sagte:

          Ganz einfach: du fliegst tausende von Kilometern in Osteuropa rum, kommst erst freitags wieder zurück und darfst vermutlich sonntags wieder ran. Und dreifache Belastung mit Reisestrapazen schlauchen. Die Gefahr eines Niedergangs wächst und mit diesem fällt die Euphorie. Das KANN alles passieren, muss natürlich nicht. Aber spätestens seit dem letzten Abstieg bin ich der Meinung: International vertreten zu sein ist gut, aber niemals sollte das auf Kosten eines Abstieg gehen, denn der ist teurer als das internationale Geschäft an Mehreinnahmen bringt.

          Kommentar melden
    • Truebe Tasse sagte:

      PS: Ob die Mehreinnahmen laut TV-Tabelle hoch ausfallen liegt auch an der Kalkulation/am Haushaltsplan. Wenn Wehrle Platz 15 in der Endabrechnung kalkuliert hat und es am Ende doch für einen Top 12-Platz reicht, haste Recht. Wenn von vornherein schon mit Platz 9 kalkuliert wurde, sieht auch das mies aus. So einfach ist die Rechnung mit „Bessere Platzierung = höherer Gewinn“ allerdings auch nicht. Du weißt nicht, welche Punkteprämien verhandelt wurden. Je besser die Platzierung, desto wahrscheinlicher ist eine hohe Punktzahl. Ich hoffe auf Wehrles Worte und dass auch da „konservativ geplant“ wurde.

      Kommentar melden
      • Anti Raute sagte:

        Wir haben mit Platz 15 kalkuliert, das sollte jeder FC Fan mitbekommen haben und das gilt auch für die kommende Saison. Dazu gibt es klare Aussagen von Sauren.

        TV Tabelle: Sollte der FC ein paar Plätze gut machen, wird der Mehrwert dieses Erfolges jede Prämie (deutlich) übersteigen. Ich schätze, dass der Mehrwert minus Prämien immer noch ein PLUS von 90% ausmachen würden.

        Liebe Trübe Tasse, du bist hier beim falschen Verein, dein Nick passt eher zum HSV oder zu Schalke als zum FC. Beim FC ist derzeit überhaupt nicht trüb, sondern eher glänzend. Wäre schön, wenn du das in deinen Kommentaren berücksichtigen könntest. dann würden sich auch mehr darüber freuen hier. Deine Schwarzmalerei ist völlig deplatziert.

        Kommentar melden
    • Anti Raute sagte:

      Je besser platziert um so besser, aber die TV Tabelle ist nicht das Entscheidende für die Entwicklung vom FC, das ist NUR ein kleiner Teil davon. Wichtiger ist die Ausrichtung, wo möchte man hin, wie möchte man dies erreichen und mit welchen Mitteln. Denkt bitte langfristiger, alles Andere macht wenig Sinn.

      Kommentar melden
  2. wiwakoe sagte:

    Wir haben noch einige Pluspunkte auf unserer Seite.
    Wir haben einen guten Kader und brauchen keine Millionen in Transfers zu stecken, wir haben noch einige Talente die immer mehr an die erste Mannschaft heran geführt werden und die dafür brennen. Und wir haben einen Trainer der es versteht den jungs etwas bei zu bringen und mit ihnen umzugehen versteht. Und das sind auch ein paar Euros Wert, die nicht in der Bilanz stehen aber vorhanden sind.
    Meine Meinung

    Kommentar melden

Hinterlasse einen Kommentar

Willst du an der Diskussion teilnehmen?
Mache mit!

Schreibe einen Kommentar