1. FC Köln 1. Fussball Bundesliga Saison 2020 2021 Geißbockheim Köln Deutschland 11.09.2020 Alexander Wehrle (1. FC Köln) im Interview Copyright Eduard Bopp Sportfotografie mail@fotobopp.de

Wehrle im Interview: „Wir müssen im Winter keine Spieler verkaufen“

Alexander Wehrle ist beim 1. FC Köln einerseits als alleiniger Geschäftsführer der mächtigste Mann im operativen Geschäft. Andererseits ist der Finanz-Fachmann unter Druck, muss den Klub sanieren und sich seinen Kritikern stellen. Der GEISSBLOG traf Wehrle zum Interview und sprach mit ihm im ersten Teil über die Schuldenlast, die Möglichkeiten der Kaderplanung und Lizenz.

Das Interview führte Marc L. Merten

GEISSBLOG: „Herr Wehrle, der FC kann schon im Derby wieder 50.000 Zuschauer ins Stadion lassen. Kann der Klub damit auch finanziell wieder durchatmen?“

ALEXANDER WEHRLE: „Wir sind sehr zufrieden, dass wir vom Gesundheitsamt Köln die Genehmigung erhalten haben und mit 2G gegen Leverkusen wieder 50.000 Zuschauer begrüßen dürfen. Wir haben in unserer Basisplanung für die Hinrunde 16.500 Zuschauer vorgesehen und ab der Rückrunde wieder ein ausverkauftes Stadion. Dass wir jetzt schon deutlich früher mehr Zuschauer haben können, verbessert unsere Situation natürlich.“

Hat der FC dadurch jetzt wieder mehr Geld?

Ich würde eher sagen: Wir verlieren weniger Geld. Denn unter normalen Umständen wären wir ja praktisch immer ausverkauft.

Trotzdem fußt das Fundament, also die Basisplanung, auf anderen Zahlen – dem niedrigeren Umsatz stehen ja auch Einsparungen gegenüber. Also übertrifft man doch die, wenn auch niedrigeren, Erwartungen.

Zumindest im Ticketing. Wir sind jetzt in der dritten Corona-Saison, und wir sehen Licht am Ende des Tunnels.

Ich hoffe, dass wir deutlich unter 80 Mio. Euro liegen werden

Gibt es in diesem Zuge auch einen Baumgart-Effekt?

Gar keine Frage, der sportliche Erfolg wirkt sich positiv aus. Wir sind aktuell der einzige Verein, der all seine Tageskarten für jedes Spiel in nur wenigen Minuten absetzt. Die Karten gehen nicht mal in den freien Verkauf, sondern bleiben im Mitgliederbereich. Das ist sicher außergewöhnlich und hängt mit der Euphorie aufgrund des guten Starts und den leidenschaftlichen Spielen unserer Mannschaft zusammen.

Was heißt die bisherige Saison denn in Zahlen konkret? Zwischen März 2020 und Juni 2021 musste der FC insgesamt 66 Millionen Euro an Umsatzverlusten hinnehmen.

Die genauen Zahlen für diese Saison möchte ich ungern öffentlich machen, aber zu den 66 Mio. Euro ist in unserer Planung für 2021/22 noch einmal ein signifikanter Umsatzverlust in Millionenhöhe dazugekommen. Inwieweit sich dieser Betrag durch die Entwicklungen im Ticketing reduzieren lässt, wird der weitere Saisonverlauf zeigen.

Unterm Strich könnte Corona den FC aber rund 80 Mio. Euro gekostet haben.

Je nach dem, wie es in den kommenden Monaten weitergeht. Die Pandemie bringt – nach wie vor – unzählige Unwägbarkeiten mit sich. Aber ich hoffe, dass wir deutlich unter 80 Mio. Euro liegen werden, weil wir in den Zuschauerzahlen über unseren Planungen liegen. Das Wichtige ist, dass wir sehr konservativ gerechnet haben, die Liquidität gesichert ist und wir zum Ende der Saison immer noch über ein positives Eigenkapital verfügen. Das waren die übergeordneten Zielsetzungen.

Ich habe nie gesagt, dass wir Skhiri verkaufen müssen

Wie lange wird Corona den FC denn mittelfristig belasten?

Die Umsatz- und Ergebnisverluste werden uns noch die nächsten zwei Jahre beschäftigen. Die Folgen werden zeitlich verzögert zu spüren sein. Jeder Euro mehr, der in die Kasse kommt, hilft uns. Wir werden aber nicht so schnell wieder da stehen, wo wir vor Corona standen. Das wirkt sich natürlich auf die Kaderplanung aus.

Ein wichtiges Element in der Finanz- und Kaderplanung ist Ellyes Skhiri. Eigentlich sollte der Tunesier verkauft werden. Jetzt ist er noch hier. Wie hat der FC die fehlenden Einnahmen aufgefangen?

Ich habe immer gesagt, dass wir Transfereinnahmen benötigen. Fakt ist, dass wir Ismail Jakobs und Sebastiaan Bornauw transferiert haben. Und ich freue mich sehr, dass Ellyes Skhiri noch immer Bestandteil unserer Mannschaf ist. Jeder sieht, wie gut er uns tut. Ich habe nie gesagt, dass wir ihn verkaufen müssen, sondern dass wir insgesamt Transfereinnahmen benötigen, und die haben wir erzielt. Daher bin ich zuversichtlich, dass wir unser Ziel, bis zum 30. Juni 2022 ein positives Eigenkapital zu haben, erreichen werden.

Sie sagen, dass der FC das positive Eigenkapital bis 2022 erreichen muss. Gibt es Schritte, die der Klub bis dahin DFL-seitig noch erfüllen muss? Es wurde über Punktabzüge und Nachlizenzierungen diskutiert.

Bei der Lizenz geht es immer um Liquidität. Wir haben im März dieses Jahres unsere Lizenz ohne Auflagen oder Bedingungen erhalten. Die Nachlizenzierung erfolgt immer für alle Klubs Ende Oktober, aber unsere Saison ist durchfinanziert, daher müssen wir zum Beispiel im Winter keine Spieler verkaufen.

Die Auswirkungen der Pandemie werden uns auf Jahre beeinflussen

Für das Eigenkapital waren die Genussrechte entscheidend, das Mezzanine-Kapital, das der 1. FC Köln eingesammelt hat. Noch immer fragen sich viele Fans, was das eigentlich genau ist und wie es den FC langfristig belasten wird. Fangen wir mit dem ersten Teil der Frage an. Was ist Mezzanine-Kapital?

Vereinfacht beschrieben: Genussrechte-Inhaber geben uns für einen vereinbarten Zeitraum Geld und akzeptieren dafür ein gewisses Risiko, weil sie keine Sicherheiten bekommen. Dieses Risiko ist der Grund, warum wir das Geld als Eigenkapital verbuchen können. Sonst wäre es ein normaler Kredit, also Fremdkapital. Für ihr Geld erhalten die Inhaber von Genussrechten Zinsen, aber nur, wenn der FC ein positives Jahresergebnis erzielt. Beim Fremdkapital hat der Kreditgeber gewisse Sicherheiten und bekommt jedes Jahr seine Zinsen, egal, ob unser Finanzergebnis positiv oder negativ ausfällt.

Das heißt, nur wenn der FC Gewinn macht, wird der Zins ausgezahlt. Trotzdem muss die gesamte Summe irgendwann zurückgezahlt werden – wie bei einem normalen Kredit auch. Inwiefern belastet gerade diese Rückzahlung den FC auf lange Sicht?

Das habe ich mit den verzögerten Corona-Folgen gemeint. Wir müssen die Kredite aus der Landesbürgschaft in den kommenden Jahren mit Zinsen bedienen und ab dem dritten Jahr tilgen. Die Genussscheine müssen wir in unserer mittelfristigen Planung ebenfalls berücksichtigen, denn unser Ziel ist es ja, bald wieder positive Finanzergebnisse zu erzielen, aus denen sich dann ja auch Zinszahlungen ergeben würden. Das wird uns in den nächsten Jahren beschäftigen.

Schwächt das den FC in den kommenden Jahren?

Nicht in erheblichem Maße, aber wir waren vor Corona nicht in diesem Maße auf Fremdkapital angewiesen, mussten keine Zinsen und Tilgungen für die nächsten Jahre berücksichtigen. Deswegen sage ich, dass die Auswirkungen der Pandemie uns auch in den nächsten Jahren beeinflussen werden.

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