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Mit Mitglieder-Bonus: Baumgarts Duell gegen die alte Liebe


In den letzten Jahren waren Spiele gegen Union Berlin eine leidvolle Erfahrung für den 1. FC Köln. Seit die Eisernen 2019 in die Bundesliga aufgestiegen sind, gewann das Team aus dem Osten Berlins jedes Aufeinandertreffen mit dem FC. Nicht nur für die Mannschaft, sondern besonders für FC-Trainer Steffen Baumgart ist das Heimspiel am Sonntag daher ein Besonderes.

Köln – Es war ein Montagabend in Müngersdorf im Oktober 2002, als der 1. FC Köln als Zweitligist den fünfthöchsten Heimsieg seiner Bundesliga- respektive Zweitliga-Geschichte einfahren konnte. 7:0 wurden die Köpenicker von Union Berlin besiegt. Für den heutigen FC-Trainer Steffen Baumgart eine der schmerzvollsten Niederlagen seiner aktiven Karriere, stand er doch damals als Spieler des heutigen Gegners auf dem Platz.

Baumgarts besondere Beziehung zu Union

Zwischen 2002 und 2004 lief Baumgart 68-Mal für Union auf und konnte dabei 22 Tore erzielen. Doch auch, wenn drei Jahre Vereinszugehörigkeit in einer Spielerkarriere auf den ersten Blick kaum besonders erscheint und Baumgart seine emotionale Nähe zu Union unter der Woche nicht zu hoch hängen wollte: Geschichten aus Baumgarts Zeit bei Union zeichnen ein gutes Bild, welch besondere Partie am Sonntag für den Kölner Trainer ansteht.

Baumgart ist nicht nur Union-Mitglied mit der Mitgliedsnummer 72, welche bekanntlich für sein Geburtsjahr steht und zu seinem Markenzeichen geworden ist. Er sorgte ebenfalls dafür, dass an der Alten Försterei in Berlin ein Stein mit der Aufschrift „Steffen Baumgart- Wir sehen uns!“ hängt. Bis heute ist Berlin-Köpenick der Hauptwohnsitz der Familie Baumgart. Seine Frau Katja leitete sogar einige Jahre den Fanshop der Unioner.

Auf der Spieltags-PK am Freitag betonte Baumgart zumindest, warum der Kult-Klub aus Köpenick ihm viel bedeute: „Es ist kein Geheimnis, wie ich zu Union stehe. Der Klub stellt sich auch mal gegen die Masse, hat eine eigene Meinung. Das macht den Verein aus.“ Weiter erläuterte er das besondere Flair seiner alten Heimat: „Union ist für viele Menschen Familie. Heimat.“ Auch für ihn selbst. Bis heute.

Da, wo ich Trainer bin, geht es immer nur um die drei Punkte

Trotz aller Zuneigung will Baumgart seinen alten Klub am Sonntag ärgern. Wie schwer das wird, zeigt ein Blick auf die Bilanz der letzten Jahre. In vier Erstliga-Partien verlor der FC jede gegen die Eisernen, auch im gemeinsamen Aufstiegsjahr in der 2. Bundesliga holte der FC lediglich einen Punkt zu Hause. Der letzte Sieg datiert vom 11. April 2014, damals gewann der FC unter Peter Stöger mit 2:1 durch einen Doppelpack von Patrick Helmes an der Alten Försterei.

Ein Hoffnungsschimmer für den FC ist dagegen die persönliche Bilanz des Trainers Baumgart gegen Union. Mit dem SC Paderborn konnte er in fünf Spielen zwei Mal gewinnen, verlor nur ein Mal. Umso zuversichtlicher blickte der Trainer auf das Spiel seines Teams gegen die Mannschaft von Urs Fischer: „Da, wo ich Trainer bin, geht es immer nur um die drei Punkte.“

Einer der besten Trainer der Liga

Viel Lob hatte Baumgart für seinen Gegenüber Urs Fischer parat: „Union hat es in sehr kurzer Zeit geschafft, eine gute Größe in der Bundesliga zu werden. Urs hat den größten Anteil daran“, sagte Baumgart. „Man wartet immer darauf, dass der Einbruch kommt, aber er kommt nicht. Das ist Urs‘ großer Verdienst.“

In der Tat ist Union auch in dieser Saison, trotz aktueller Dreifachbelastung, ein wahrlich unangenehmer Gegner. So konnten in dieser Saison nur die beiden Top-Teams aus München und Dortmund gegen die Eisernen gewinnen. Mit viel Fleiß und Disziplin, dazu mit den überragenden Offensivkräften Taiwo Awoniyi (sieben Tore) und dem zurzeit verletzten Max Kruse macht es die Mannschaft von Urs Fischer jedem Gegner schwer. Auch deshalb hält Baumgart seinen Kollegen für einen „der besten Trainer der Liga.“

Mit Mut gegen den langjährigen Freund

Am Tag vor dem Duell gegen Union holte sich Baumgart einen Schuss Zuversicht und Selbstvertrauen in der Lanxess Arena. Der FC-Trainer fuhr nach dem Abschlusstraining vom Geißbockheim nach Deutz, um der Mitgliederversammlung einen Kurzbesuch abzustatten. Die Moderatorin des Tages, Jana Wosnitza, führte ein kurzes Gespräch mit dem FC-Trainer, der mit Standing Ovations von den rund 500 Anwesenden begrüßt worden war. Doch Baumgart war ebenso schnell wieder weg, wie er gekommen war. Der Fokus liegt auf Union.

„Wir wollen mit aller Macht gewinnen“, hatte Baumgart am Freitag noch erklärt. „Da gibt es nur eins: nach vorne spielen!“ Ein mutiger Auftritt vor ausverkauftem Haus in Müngersdorf soll mit dem ersten Sieg nach zuletzt drei sieglosen Bundesliga-Partien belohnt werden. Ein Dreier würde seine alte Liebe zwar mitten ins Herz treffen. Für seinen neuen Klub wäre es eine Bestätigung der positiven sportlichen Entwicklung der letzten Wochen und Monate. Es muss ja nicht wieder ein 7:0 sein.

1 Kommentar
  1. Truebe Tasse sagte:

    Ja, das 7:0 seinerzeit… Ich erinnere mich. Hat da nicht Dirk Lottner nen Freistoß aufs Tor in der Nordkurve versenkt und kurz vor Schluss einen Lupfer über den Keeper aufs Tor gesetzt? Er hat den Ball doch aus so großer Entfernung so hoch über den Torwart gehoben, dass dieser vorm Tor so hoch aufgetippt und übers Tor gesprungen ist. Oder war das gegen Wacker Burghausen?

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