“Die letzten zwei Wochen waren katastrophal”: Ukrainisches Frauenteam trainiert am Geißbockheim

Die Profis des 1. FC Köln sind heute nicht alleine auf dem Trainingsplatz aufgelaufen. Die Frauenmannschaft des ukrainischen FC Kryvbas hat heute das erste Mal nach ihrer Flucht ebenso am Geißbockheim trainiert. Vorher haben die beiden Mannschaften gemeinsam ein Foto gemacht, auf dem sich die Fußballer und Fußballerinnen mit einem Banner mit der Aufschrift “Stop war – Wir gegen Krieg” aufstellten und eine Botschaft für den Frieden sendeten.

Von Lina Gebhardt

Nachdem die Damenmannschaft des FC Kryvbas in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in Köln angekommen war, trainierten sie am Donnerstagmittag erstmalig am Geißbockheim. Der Bustransfer vom polnisch-ukrainischen Grenzgebiet nach Deutschland war vom 1. FC Köln und der FC-Stiftung mitorganisiert worden.

Enstanden war der Kontakt über Artur Podkopayev, der in der Jugend des FC Kryvbas gespielt hatte, bevor er im Alter von 16 Jahren nach Deutschland gekommen war. Ursprünglich sei es der Plan gewesen, die Herrenmannschaft nach Deutschland zu bringen, erzählt Sportdirektor Yevhenii Arbuzov. Die Fußballer wollten jedoch in der Ukraine und bei ihren Familien bleiben. So entschied man, die Damenmannschaft nach Köln zu holen.

Flucht statt Trainingslager

Diese war gerade auf dem Weg zum Flughafen gewesen, um ins Trainingslager in die Türkei zu fliegen, als sie einen Anruf erhielten, dass sie zurückfahren sollten, weil der Flughafen bombardiert worden sei. “Wir waren dann zwei Wochen in einem Hotel eingesperrt. Bei jeder Sirene sollten wir in den Keller laufen, um uns vor Bomben zu schützen”, berichtet die 22-jährige Kapitänin Anna Ivanova. “Wir haben uns Sorgen gemacht um unser Leben. Die letzten zwei Wochen waren katastrophal für uns. Die Luftangriffe sind nicht zielgerichtet, sie schießen auf alles. Unsere Frauen, Kinder und Soldaten sterben. Es ist nicht zu glauben, dass so etwas im 21. Jahrhundert passieren kann.”

Umso größer sei die Erleichterung gewesen, als sie von der Möglichkeit hörten, nach Köln zu kommen. “Die Entscheidung wurde schnell getroffen. Wir haben dann unsere Sachen gepackt und sind sofort losgefahren”, erzählt Ivanova. Thorsten Friedrich von der FC-Stiftung begleitete die Flucht. Die Gespräche mit den Geflüchteten seien ihm sehr nahe gegangen. “Diese Schicksale bereiten allein schon vom Zuhören schlaflose Nächte.” Besonders, wenn man bedenke, dass diese Menschen vor wenigen Wochen noch ein ganz normales Leben geführt hätten.

“Es wurde nicht nur die Ukraine angegriffen, sondern ganz Europa”

So spielt die Damenmannschaft des FC Kryvbas eigentlich in der ersten ukrainischen Liga, sie stehen dort auf Platz drei. Sie haben große Ziele und wollten im nächsten Jahr Champions League spielen. Doch dann griff Russland die Ukraine an. “Deswegen haben wir entschieden, das ganze Team nach Deutschland zu holen”, berichtet Podkopayev, der von der Unterstützung, die sie erhalten hatten, begeistert war. “Der FC und die Stiftung haben mir sehr geholfen. Ich, die Frauen, das Team, die Ukraine, wir alle sind sehr dankbar für die Hilfe. Ich konnte nicht glauben, wie gut das alles geklappt hat.” Auch die ukrainischen Spielerinnen und Sportdirektor Arbuzov betonen immer wieder ihren Dank. Friedrich stellt derweil die gesellschaftliche Verantwortung des 1. FC Köln heraus.

Circa 40 Leute sind mit der Aktion nach Köln gekommen, darunter die Spielerinnen der Mannschaft, aber ebenso Trainer, Teambetreuer und Ärzte. Zum Teil sind auch Familienangehörige mitgeflohen, doch einige befinden sich immer noch in der Ukraine. So auch die Familie der 17-jährigen Spielmacherin Inna Hlushchenko: “Ich mache mir unglaubliche Sorgen um sie. Die Situation wird immer schlimmer. Es wurde nicht nur die Ukraine angegriffen, sondern ganz Europa.”

Freundschaftsspiele für ihre Heimat

Wie es nun weitergeht, steht noch nicht fest. Artur Podkopayev sagt: “Der Plan war, dass die Frauen erst einmal in Sicherheit gebracht werden, dass keine Raketen mehr über ihren Köpfen fliegen.” Auch der Sportdirektor betont, dass das Wichtigste erst einmal die Sicherheit sei.

Es sei schwer, in dieser Situation über Fußball nachzudenken, sagt die 17-jährige Hlushchenko. Keiner wisse, was morgen passiert. “Aber wir wollen gegen alle Frauenmannschaften, die das mitbekommen, Freundschaftsspiele organisieren.” Den Erlös aus den Ticketeinnahmen wollen sie für ihr Heimatland spenden. Die FC-Stiftung versucht indes, einen regelmäßigen Trainingsbetrieb für das Team in Köln zu ermöglichen.

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