Mathias Olesen, Jan Thielmann und Jonas Hector nach dem Sieg gegen Schalke. (Foto: Bucco)

Mathias Olesen, Jan Thielmann und Jonas Hector nach dem Sieg gegen Schalke. (Foto: Bucco)

Der bestmögliche Ausgang eines denkwürdigen Tages

Der 1. FC Köln erlebt einen ersten Bundesliga-Spieltag, den man länger nicht vergessen wird. Vom morgendlichen Wirbel um Anthony Modeste über die unerwartete Aufstellung bis hin zum Spielverlauf: Die Geißböcke nehmen alle Hürden, nutzen günstige Entscheidungen und erzwingen schließlich den ersten Sieg der neuen Saison gegen den FC Schalke 04.

Aus Müngersdorf berichten Sonja Eich und Marc L. Merten

Geschichte des Spiel

Die Geschichte des Spiels beginnt vor dem Spiel. Anthony Modeste verlässt den 1. FC Köln, will aber noch ein letztes Mal spielen. Der Franzose will sich von den FC-Fans verabschieden, vielleicht noch einmal mit Tränen, mit einem Wappen-Kuss, vielleicht sogar mit kostenlosen Kaffeebohnen für die treuesten seiner Anhänger. Doch Steffen Baumgart sagt “Rien ne va plus!”. In den Worten des Trainers: “Wer unseren Weg nicht mehr mitgehen will, hat im Kader nichts zu suchen.” Es ist diese klare Kante, die viele FC-Fans an Baumgart so lieben. Komme, was wolle!

Aufstellung des Spiels

Und was kommt, ist die Konsequenz. Eine Aufstellung ohne Modeste, in der von vorne herein schon Mark Uth und Timo Hübers fehlten. Florian Dietz springt von der Tribüne in die Startelf, darüber hinaus aber auch Kingsley Schindler, der – wie Dietz – in Regensburg vor einer Woche noch nicht einmal im Kader gestanden hatte. Doch Baumgart hatte Schindler schon vor Tagen auf der Liste. “King habe ich vorgestern schon Bescheid gesagt. Diesmal hat sich Situation ergeben, weil Mark ausgefallen ist. King ist länger in den Abläufen als Linton, und wir wollten dann mit Linton nachlegen. Das hat sehr gut geklappt.” Schindler sollte also in einer zusammengewürfelten Mannschaft als Pressing-erfahrener Spieler die rechte Seite mit Schmitz erst einmal dicht halten. Hinten raus kamen dann Adamyan und Maina. Beide waren an den Toren zwei und drei beteiligt.

Pfiff des Tages

Doch auch im Spiel lief alles für den FC. Die ersten 15 Minuten gelang den Geißböcken fast nichts. Und beinahe wäre Schalke verdientermaßen in Führung gegangen. Zalazar jagte die Kugel in der 10. Minute in den Winkel. Ausgelassener, provokanter Jubel vor der Kölner Südkurve. Doch das Karma schlug zurück. Kapitän Yoshida hatte vor Schwäbe gestanden – im Abseits. Und weil der Schiedsrichter nicht zu bewerten hat, ob ein Torhüter noch an den Ball gekommen wäre, sondern nur, ob ihm die Sicht genommen worden war, hieß die Entscheidung eindeutig: Abseits.

Aktion des Spiels

Genauso eindeutig war die Rote Karte für Dominick Drexler. Es ging nicht darum, ob der Ex-Kölner dem FC-Kapitän Jonas Hector das Wadenbein gebrochen hatte. Es ging darum, dass das Regelwerk ein solches Foul eindeutig und ohne Diskussion mit Rot bestraft. Das weiß der FC aus eigener Erfahrung – sieht die Rote Karte für Bornauw in Hoffenheim vor zwei Jahren. Nur weil Hector als fairer Sportsmann sich nicht als sterbender Schwan auf dem Platz wälzte, sondern sofort wieder aufstand, heißt das nicht, dass das Foul an sich keine Rote Karte hätte nach sich ziehen dürfen.

Spieler des Spiels

In Regensburg war Jeff Chabot noch untröstlich. Erst hatte der Innenverteidiger bei beiden Gegentoren nicht gut ausgesehen, dann hatte er seinen Elfmeter verschossen. Eine Woche später aber brillierte der 24-Jährige. Chabot gewann praktisch jeden Zweikampf, jedes Kopfballduell und war der Spieler mit den meisten Ballgewinnen auf dem Feld. Der Linksfuß wird wohl nie der technische Feingeist, sondern wird wohl immer etwas hölzern wirken. Doch am Sonntag gegen Sebastian Polter und Co. ließ Chabot absolut nichts anbrennen. Eine blitzsaubere Leistung und die perfekte Reaktion auf den Auftritt in Regensburg.

Debütant des Tages

Was für ein schöner Tag es für Florian Dietz werden können, hätte er in der 25. Minute die Flanke von Benno Schmitz per Kopf verwertet! Doch es war auch so ein erinnerungswürdiger Tag für den 24-Jährigen, der sein Bundesliga-Debüt mit seinem Startelf-Debüt feierte, Anthony Modeste ersetzte, mehrfach als starker Ballsicherer im Spielaufbau agierte, gut zurückarbeitete, sein Tor verpasste, aber nach 85 Minuten mit viel Applaus ausgewechselt wurde. Dietz ist ein harter Arbeiter, uneitel und mannschaftsdienlich. So einen kann der FC gebrauchen in einer langen Saison.

Statistik des Tages

Der 1. FC Köln spielte am Sonntag insgesamt 598 Pässe in 90 Minuten. Zum Vergleich: Der FC Schalke 04 kam nur auf 199 Pässe. Dreimal so viele Pässe, und das bei einer Passquote von 89 Prozent zu 66 Prozent. Die pure Dominanz, die in einem noch deutlich höheren Sieg hätte zum Ausdruck kommen können.

Erkenntnis des Spiels

Der 1. FC Köln hat allen Widrigkeiten des Tages getrotzt und die Hilfestellungen des konsequenten VAR zum Sieg genutzt. Die Geißböcke konnten auf diese Weise den so wichtigen ersten Sieg der Saison einfahren. Nicht auszudenken, was in Köln los gewesen wäre, wenn der FC nach dem Aus im DFB-Pokal auch den Bundesliga-Auftakt verloren hätte, und das an dem Tag, an dem Anthony Modeste seinen Abschied bekannt gegeben hatte. Das wäre womöglich zu viel gewesen für die kölsche Seele. So entwickelte sich am Sonntag im weiten Rund eine Art Trotzreaktion. Und genau das könnte der Spirit sein, den die Geißböcke in dieser Saison gebrauchen können.

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