Christian Keller im Kreise der Mannschaft. (Foto: Bucco)

Christian Keller im Kreise der Mannschaft. (Foto: Bucco)

Die Rolle der Transfers: Die Wahrheit zu den Finanzen des 1. FC Köln

Die finanziellen Sorgen des 1. FC Köln sind nach der Saison 2021/22 noch größer als vor einigen Monaten befürchtet. Die Gründe dafür haben aber nicht nur mit der Corona-Pandemie zu tun, sondern liegen länger zurück. Die beiden neuen Geschäftsführer machen die finanzielle Schieflage nicht nur transparent. Sie räumen auch mit falschen Darstellungen aus der Vergangenheit auf. Und sagen, warum es Hoffnung auf Besserung gibt.

Es waren vier Sätze aus der Rede von Christian Keller während der Mitgliederversammlung am Dienstagabend, die einschlugen wie eine Bombe. “80 Millionen Euro Verpflichtungen kann man nicht wegwischen. Der FC ist seit Jahren strukturell defizitär – das war schon vor Corona so. Es war immer so, dass es Transfer brauchte. Transfers sollen aber Wachstum ermöglichen und nicht Lücken schließen.”

Der Sport-Geschäftsführer landete damit einen Wirkungstreffer – indirekt auch in Richtung der ehemaligen Geschäftsführungen unter Alexander Wehrle, Horst Heldt und Armin Veh. Denn was der Sportchef meinte: Schon seit dem Abstieg 2018 lebt der 1. FC Köln auf Pump. Nicht erst seit der Corona-Pandemie. Erst der Kraftakt zum sofortigen Wiederaufstieg 2018, dann die Über-Investitionen im Transfer-Sommer 2019, um die Klasse zu halten. Dann folgten die Millionen-Verpflichtungen trotz Pandemie im Sommer 2020.

Was Keller mit “strukturell defizitär” meinte

Und all das bis kurz vor die Zahlungsunfähigkeit – wie Keller und sein Geschäftsführer-Kollege inzwischen deutlich machten. Nur Spielerverkäufe hielten den FC in den letzten zweieinhalb Jahren über Wasser. Erst Jhon Cordoba, dann Ismail Jakobs und Sebastiaan Bornauw, nun Salih Özcan und Anthony Modeste. Es waren, auch wenn sie nie so bezeichnet wurden, Notverkäufe. Denn ohne sie würde der FC heute nicht mehr in der Bundesliga spielen. Das meinte Keller mit den Worten, dass Transfers seien genutzt worden, um Löcher zu stopfen.

Die Wahrheit hinter den FC-Finanzen liegt inzwischen offen: 66 Millionen Euro zinstragendes Fremdkapital hat der Klub angehäuft. Ein Großteil entstand fraglos durch die inzwischen 85 Millionen Euro Umsatzverlusten der Pandemie. Doch Kellers Hinweis, der Klub habe auch vorher schon “strukturell defizitär” gearbeitet, ist unmissverständlich. Im Übrigen widerspricht er damit nicht nur seinen Vorgängern in der Geschäftsführung, sondern auch dem amtierenden Vorstand. Dieser hatte lange zu Wehrle gestanden und die finanzielle Schieflage lediglich mit der Corona-Pandemie erklärt.

Schulden mehr als 50 Prozent des Jahresumsatzes

Doch Keller und Türoff räumen beim FC auf – nicht nur im FC selbst, sondern auch mit Mythen in der Öffentlichkeit. Und so machte das Duo auch deutlich, dass sich in der Bilanz neben den 66 Mio. Euro Schulden weitere 14 Millionen Euro Verbindlichkeiten befinden, die in Zukunft zurückgezahlt werden müssen. Insgesamt sind es also 80 Millionen Euro, mit denen die Geißböcke in der Kreide stehen. Bei einem Jahresumsatz von 148 Millionen Euro belaufen sich die Schulden also auf über 50 Prozent des Jahresumsatzes. Und das bei nur noch 3,2 Millionen Euro Eigenkapital. Jegliche Substanz des Klubs ist aufgebraucht. Weitere Schulden würden den FC in negatives Eigenkapital führen – und damit zu einer Abwertung der Kreditwürdigkeit.

Trotzdem sind die Geschäftsführer optimistisch für die Zukunft. Der Grund: Die FC-Bosse haben aufgeräumt. In diesem Sommer wurden rund zwölf Millionen Euro durch Spielerverkäufe eingenommen, bei Modeste können noch Prämien aus Dortmund hinzukommen. Nicht nur dank des Modeste-Abgangs konnte der Personalaufwand um über zehn Millionen Euro reduziert werden. Die Conference League bringt weitere fünf bis zehn Millionen Euro Umsatz, die verbesserte Position in der TV-Gelder-Tabelle ebenfalls mehrere Millionen Euro.

Warum der FC auf 2023 hin fiebert

Bei allen im Sommer getätigten Transfers wurden zudem Ratenzahlungen vereinbart, sodass die Liquidität nicht durch die Ablösesummen voll belastet wird. Sollte der FC im Winter keine Millionentransfers tätigen müssen, um sportlich auf Kurs zu bleiben, sollte die Pandemie nicht noch einmal zuschlagen, würden die Geißböcke in 2022/23 wieder einen Gewinn einfahren. Es wäre der erste Schritt zur Besserung. Einer von vielen, die der FC braucht, um finanziell zu heilen.

Und dann kommt der Sommer 2023, auf den man beim FC schon länger hin fiebert. Zehn Verträge laufen aus, dazu auch die der Großverdiener Andersson, Horn, Hector und Skhiri. Auch Schindler verdient siebenstellig. Hector und Skhiri sollen bleiben, für das Duo würde sich der FC finanziell strecken. Alle anderen dürfen gehen oder müssten deutliche Gehaltseinbußen hinnehmen. Zudem laufen Dienstleister-Verträge aus, die den Klub möglicherweise eine siebenstellige Summe einsparen.

Ab 2023 sollen Transfers helfen statt retten

Die Wende soll also 2023 erfolgen. Praktisch wie von selbst wird der FC die Personalkosten noch einmal erheblich senken. Die neue Gehaltsstruktur im Kader wird dann fast vollständig umgesetzt sein. Dann werden zwar auch weiterhin Spielerverkäufe helfen, um finanziell schneller zu heilen. Doch dann nicht mehr, um strukturelle Defizite zu kaschieren, sondern um noch größere Gewinne zu erzielen. Das wären dann die Transfers, die nach Kellers Vorstellung Wachstum anstoßen statt Löcher zu stopfen.

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