Drei Jahre im Amt: Die große Bilanz! Was hat Sportchef Keller erreicht?

Christian Keller vor dem Geißbockheim. (Foto: Bucco)
Christian Keller vor dem Geißbockheim. (Foto: Bucco)

Am 1. April 2025 ist Christian Keller drei Jahre Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln. Der 46-Jährige muss sich harter Kritik erwehren, denn seine Bilanz ist dürftig. Nur hinter den Kulissen tut sich viel, ansonsten fehlen dem Sportchef die Argumente.

Christian Keller feiert am Dienstag sein dreijähriges Jubiläum beim 1. FC Köln. Der Sportchef der Geißböcke kann zwar gerade mit Blick auf die Tabelle der 2. Bundesliga durchatmen. Doch seine Position ist umstritten, seine Bilanz dürftig. Da hilft es auch wenig, dass der Noch-Vorstand um Präsident Werner Wolf dem 46-Jährigen den Rücken stärkt.

Doch was hat Keller bislang beim FC wirklich bewirkt? Ein detaillierter Blick zeigt, dass der Geschäftsführer im Hintergrund vieles verändert hat. Im Vordergrund aber stehen die sportlichen Ergebnisse, und die sprechen bei Männern wie Frauen eine deutliche Sprache. Die Keller-Bilanz in der Übersicht:

1. Männliche Profis

Aus der Conference League in die 2. Bundesliga, diesen Absturz hat der FC unter Keller hingelegt. Mit Steffen Baumgart konnte Keller menschlich nicht, mit Timo Schultz lag er daneben. Gerhard Struber scheint nun den erhofften Erfolg zu bringen. Klar ist aber auch: Unabhängig von der Transfersperre waren Kellers Transfers bislang mangelhaft. Über die Hälfte aller Neuzugänge fielen komplett durch (die aktuellen Wintertransfers noch nicht eingeschlossen). Eine verheerende Quote, vor allem, weil all diese Spieler für die Bundesliga gekommen waren und nicht für die laufende Zweitliga-Saison. Da hilft es auch nur bedingt, dass der Vorstand Keller dafür feiert, Spieler wie Martel im vergangenen Sommer gehalten zu haben. Note: mangelhaft

2. Weibliche Profis

Fast noch schlechter als die Männer stehen nach drei Jahren unter Keller die Frauen in der Bundesliga da. Der Abstieg blieb den FC-Frauen zwar erspart, und auch in dieser Saison wird der FC wohl erneut gerade noch davon kommen. Doch auch hier ist inzwischen die dritte Cheftrainerin unter Keller dran, auch hier hat die Kaderplanung bislang nur dazu geführt, dass die Mannschaft in der Tabelle noch weiter abrutschte. Die aktuelle Saison mit sieben Punkten aus 18 Spielen bei gerade einmal elf erzielten Toren steht beispielhaft für das Versagen der gesamten sportlichen Führung, die Frauen-Abteilung konkurrenzfähig aufzustellen. In den letzten zwölf Monaten gewannen die Bundesliga-Frauen nur zwei Ligaspiele. Eine für den 1. FC Köln unwürdige Bilanz. Note: mangelhaft

3. Vertrags- und Gehaltsstruktur

Keller und auch der Vorstand begründen die sportliche Talfahrt vor allem mit den finanziellen Sorgen. Tatsächlich vollzog der FC unter Keller und Co-Geschäftsführer Philipp Türoff einen radikalen Schnitt. Dieser soll den FC zukunftsfähig aufstellen. Der Etat wurde drastisch gesenkt, der Kader auch finanziell eingeteilt, sodass einheitlicher sein soll, welche Spieler wie viel verdienen. Vor allem aber wurden die Verträge inhaltlich überarbeitet, sodass der FC durch Klauseln nicht mehr geschröpft werden soll. Dem gegenüber stehen jedoch auch fragwürdige Entscheidungen wie der Vier-Jahres-Vertrag für Adamyan, die Viereinhalb-Jahres-Verträge für Schmied und Rondic sowie die Vertragsverlängerung mit Dietz. Note: befriedigend

Christian Keller bei einer Führung durch die neuen Räumlichkeiten am Geißbockheim. (Foto: Bucco)
Christian Keller bei einer Führung durch die neuen Räumlichkeiten am Geißbockheim. (Foto: Bucco)

4. Talentförderung

Hinzu kommt, dass Keller bei Talenten lange zögert, ihr Gehalt anzuheben. Dass Spieler wie Rondic, Schmied und Gazibegovic mehr verdienen als Lemperle und Downs, kommt bei den Talenten nicht gut an. Auch, dass Keller Baumgart gewähren ließ, als dieser viele Talente links liegen ließ (Beispiel Castrop), war kein gutes Zeichen. Dennoch: Im Nachwuchs hat sich in den letzten drei Jahren viel getan. Die Durchlässigkeit zu den Profis hat sich verbessert, was zwar mitunter an der Transfersperre lag, aber auch an der Wahl Strubers als Trainer. Zudem soll mit der einheitlichen Spielidee dieser Weg noch besser vorangetrieben werden. Die Arbeiten in der umgenannten FC-Akademie laufen auf Hochtouren. Ihren Erfolg wird man erst in einigen Jahren bewerten können. Note: befriedigend

5. Infrastruktur

Diskussionslos lässt sich festhalten, dass Keller zusammen mit Türoff vor allem im Bereich Infrastruktur eine Zeitenwende herbeigeführt hat. Wohin man auch schaut, am Geißbockheim verändern sich die Bedingungen im Eiltempo. Franz-Kremer-Stadion, Profibereich, Physiotherapie, Athletikhalle, Nachwuchskabinen, Rasenplätze 6 und 7, Kunstrasenplatz 5, Besprechungsräume, Geißbockheim-Restaurant, bald weitere Räumlichkeiten in der Geschäftsstelle und weitere Kabinen: Es wird gebaut und gebaut und gebaut. Keller und Türoff holen auf, was über Jahrzehnte vernachlässigt und ignoriert wurde. Note: sehr gut

Fazit

Durch die teils sehr unterschiedlichen Arbeitsbereiche ist eine einheitliche Abschlussnote für die ersten drei Jahre unter Christian Keller beim 1. FC Köln nicht möglich. Der sportliche Bereich kann nicht anders als mit mangelhaft bewertet werden, zu drastisch waren die Abstürze der Männer- und Frauenteams. Auch in anderen Bereichen hakt es noch, doch das Fundament erscheint nun deutlich verbessert. Keller und seine Mitstreiter hoffen, dass all diese Maßnahmen letztlich auch zu sportlichem Erfolg führen. Will der Sportchef diesen noch selbst im Amt miterleben, muss er aber schon bald einsetzen. Denn im Fußball bekommt man selten so viel Zeit wie Keller in Köln.

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