Als Held von Hannover ging er in die Geschichtsbücher des 1. FC Köln ein: Alexander Voigt schoss die Geißböcke im Mai 2000 mit einem Traumtor zum ersten Aufstieg der Vereinshistorie. Im Interview mit dem GEISSBLOG blickt der 208-fache FC-Profi zurück und erklärt zudem, warum er vor dem nun wartenden Auswärtsspiel in Hannover (Sonntag, 13.30 Uhr) nicht mehr am siebten Aufstieg zweifelt.
Das Interview führte Martin Zenge
GEISSBLOG: Herr Voigt, wenn der 1. FC Köln zu einem Zweitliga-Spiel nach Hannover reist, werden zwangsläufig Erinnerungen an den 8. Mai 2000 wach. Wie erinnern Sie sich an diesen besonderen Tag des ersten Aufstiegs?
ALEXANDER VOIGT: „Es war ein Montagabend-Spiel, wir waren aber schon am Sonntag recht früh angereist. Dementsprechend zog sich die Zeit wie Kaugummi. Wir wussten aufgrund der Ergebnisse vom Wochenende, dass wir aufsteigen können. So wuchs die Anspannung den ganzen Tag über an.“
Obwohl der Aufstieg nur noch eine Frage der Zeit war? Das Spiel in Hannover fand am 30. Spieltag statt, das Polster des FC war gewaltig.
„Was den Vorsprung in der Tabelle anging, war es vielleicht eine Frage der Zeit – aber wenn man die Möglichkeit hat, möchte man diesen letzten Schritt sofort gehen. Der letzte Schritt ist oftmals der schwerste.“
Der Moment seiner Karriere
Dieser letzte Schritt gelang durch einen spektakulären 5:3-Erfolg bei 96, zu dem Sie ein Traumtor zum zwischenzeitlichen 4:3 beigetragen haben. War Ihnen sofort klar: Das Ding sitzt?
„Das nicht (lacht). Ich wusste, dass der Schuss ganz gut kommt. Wenn der Ball den Fuß verlässt, merkt man ja, ob das vernünftig wird oder nicht. Dass der Schuss so gut kommt, wusste ich aber tatsächlich erst, als der Ball eingeschlagen ist. Das war schon überraschend und auch glücklich.“
Sie sind als Held von Hannover in die FC-Geschichtsbücher eingegangen. War das der Moment Ihrer Karriere?
„Wenn man einen einzelnen Moment herausnehmen würde, dann war es sicher dieses Tor. Viele Tore sind mir nicht gelungen (lacht). Das in Hannover war das wichtigste und auch das schönste.“
Das Tor im Video:
Ging man damals davon aus, dass dieser erste FC-Aufstieg auch der letzte bleiben würde?
„Mit der Vorstellung sind wir in die nächste Saison gegangen. Im ersten Jahr nach dem Aufstieg lief es auch tatsächlich ziemlich gut – in der zweiten Saison dann aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr. Das war bitter, nachdem wir so lange dafür gearbeitet hatten, wieder aufzusteigen. Das erste Zweitliga-Jahr des FC war ja eine absolute Katastrophe gewesen.“
Der FC entwickelte sich fortan zu einer Fahrstuhlmannschaft, sodass Sie 2003 und 2005 noch zwei weitere Aufstiege feiern durften. War der erste Aufstieg im Vergleich etwas spezieller?
„Vom Selbstverständnis des Clubs her war der erste Abstieg ein Betriebsunfall. Nach dem Aufstieg war die Freude dann aber so groß, dass man merken konnte, dass es vielleicht etwas mehr als nur ein Betriebsunfall war. Die Erleichterung war wirklich in der ganzen Stadt zu spüren. Beim zweiten und dritten Mal war die Freude auch groß. Der Druck, aufsteigen zu müssen, fällt ab – das bringt die Freude von alleine. Beim FC ist der Druck immer da, in der 2. Bundesliga muss man aufsteigen. Wenn es dann so weit ist, ist das immer etwas Besonderes.“
Voigt: „Dann steigst du am Ende auf“
Am Sonntagnachmittag in Hannover kann der Aufstieg anders als vor 25 Jahren noch nicht finalisiert werden, der Mannschaft von Gerhard Struber winkt aber eine Vorentscheidung. Was für ein Spiel erwarten Sie?
„Hannover wird oben kein Wörtchen mehr mitreden können, durch den Trainerwechsel könnte in dem Spiel aber schon noch mal eine andere Dynamik entstehen. Gerade mit meinem ehemaligen Mitspieler Dirk Lottner auf der Bank hat das Spiel einen Extra-Touch bekommen, so etwas gibt es nur im Fußball. Ich gehe dennoch schwer davon aus, dass der FC gewinnt, weil die Mannschaft einfach besser als Hannover ist.“
Zweifeln Sie noch am bevorstehenden siebten Kölner Aufstieg?
„Nein, überhaupt gar nicht. Ich habe schon längere Zeit keine Zweifel mehr. Man muss auch sagen, dass die Konkurrenz nicht dafür bekannt ist, wahnsinnig viel Druck zu machen. Mittlerweile ist sogar der HSV wieder in seinem gewohnten April-Modus. Generell gilt: Wenn du auch Spiele gewinnst, die nicht so ansehnlich sind, steigst du am Ende auf.“
Man muss sich auf jeden Fall auf verschiedenen Positionen verstärken. Da wird der FC nicht drumherum kommen.
Alexander Voigt
Sie sprechen es an, die Spiele des FC haben in dieser Saison selten für Euphorie gesorgt. Wäre der Aufstieg dennoch verdient?
„Dass der Fußball nicht immer der ansehnlichste war, sei mal dahingestellt. Am Ende geht es darum, das Ziel zu erreichen – und das wird die Mannschaft tun.“
Kann diese Mannschaft auch Bundesliga?
„Man muss sich auf jeden Fall auf verschiedenen Positionen verstärken. Das ist bei jedem Aufstieg so, da wird auch der FC nicht drumherum kommen. Man sollte allerdings auch vorsichtig sein. Ich kann da nur an unser eben erwähntes zweites Jahr nach dem Aufstieg 2000 erinnern: Der Verein wollte höher hinaus und hat elf, zwölf neue Spieler geholt, die von der Qualität her in Ordnung waren. Aber sie passten nicht so richtig ins Gefüge – das ist oft noch wichtiger als die Qualität. Man muss Spieler dazuholen, die den Verein kennenlernen wollen. Das ist schon etwas Besonderes in dieser Stadt.“
Voigt hat „wieder mehr Kontakt zum FC“
Die sportliche Leitung um Christian Keller wurde in den vergangenen Jahren häufig für die Kaderplanung kritisiert. Teilen Sie die Kritik?
„Darauf kann ich nur von außen blicken. Sicherlich ist rund um die Transfersperre alles nicht so glücklich gelaufen und ich glaube auch, dass man ausreichend Zeit hatte, um mehr für das letzte Transferfenster vorzubereiten.“
Wie intensiv verfolgen Sie persönlich das Geschehen beim FC?
„Durch die Traditionsmannschaft und den Club der Legenden habe ich wieder mehr Kontakt zum FC. Die Ergebnisse und Spiele verfolge ich natürlich sowieso.“

Können Sie uns Einblicke in den neu geschaffenen Club der Legenden geben?
„Wir hatten vor Kurzem unser zweites Treffen, hatten sogar einen Einkleidungstermin, da wir vom FC für offizielle Termine Anzüge bekommen. Der Gedanke ist, dass wir uns regelmäßig bei den Spielen sehen, uns austauschen und Präsenz zeigen. Wir wollen zeigen, dass auch Spieler, die schon etwas länger aus dem aktiven Geschäft raus sind, immer noch ein FC-Herz haben und sich einbringen. Mittlerweile sind viele Termine in der Pipeline, dazu zählen unter anderem auch Fanclub-Treffen und Ehrungen von Mitgliedern, wo wir als Vertreter des Vereins dabei sind.“
Sie selbst haben einige Jahre als Cheftrainer in der Regionalliga gearbeitet. Seit Februar 2024 betreuen Sie den SSV Jan Wellem 05 in der Bezirksliga. Sehen Sie hier auch Ihre Zukunft?
„Mir macht das viel Spaß, inzwischen ist der Trainer-Job für mich ein Hobby. Hauptberuflich bin ich bei der Spielergewerkschaft VDV tätig. Ich bin viel unterwegs und mache von der ersten bis zur dritten Liga die für die Lizenzierung vorgegebenen Schulungen zu Doping und Spielmanipulation. Nach meiner Station in Uerdingen (November 2021 bis November 2022, Anm. d. Red.) habe ich gesagt: Hauptamtlich als Trainer zu arbeiten, hat mir den letzten Nerv geraubt – ich mache etwas anderes (lacht).“





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