Nach Jahren den Unruhe: Der FC setzt wieder auf die eigene DNA

Thomas Kessler bleibt beim 1. FC Köln in der Verantwortung. (Foto: Bucco)
Thomas Kessler bleibt beim 1. FC Köln in der Verantwortung. (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln befördert mit Thomas Kessler und Philipp Liesenfeld auf zwei Führungskräfte aus den eigenen Reihen. In der jetzigen Situation ist dieser Weg genau richtig – und aufgrund des Machtvakuums alternativlos.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Zwei von drei Personalien hat der 1. FC Köln in dieser Woche geklärt. Philipp Liesenfeld wird neuer Marketing-Geschäftsführer, Thomas Kessler wird als Sportdirektor die Nummer eins in seiner Abteilung. Damit haben sich die Vereinsgremien in beiden Fällen für interne Lösungen entschieden – und für die FC-DNA.

Liesenfeld ist 38 Jahre alt und seit 13 Jahren im Club. Kessler ist 39 Jahre alt und seit 25 Jahren im Club. Fast vier Jahrzehnte FC-Erfahrung also. Und das, nachdem der Vorstand seinen Wunsch-Geschäftsführer Christian Keller lange hatte schalten und walten – und dabei zahlreiche langjährige FC-Mitarbeiter vor die Tür setzen lassen.

Der FC ist kein anonymes Unternehmen

So war dem FC viel DNA, viel Wissen, viel Vereinsverständnis verloren gegangen. Keller wollte aus dem wankelmütigen Fußballverein eine stramme Organisation machen, in der Menschen jederzeit ausgetauscht werden können. „Personenunabhängig“ nannte auch der Vorstand diesen Plan, vergaß dabei aber wie so häufig den Faktor Mensch. Ein Fußballverein ist eben kein anonymes Unternehmen, sondern ein lebendiger Organismus, der sich aus seiner Historie, seinen Emotionen, eben aus seiner DNA heraus speist.

Nun also soll es wieder anders gehen. Zu diesem Weg musste der FC aber einmal mehr gezwungen werden. Wie schon bei der Förderung der Nachwuchsspieler aufgrund der Transfersperre. Die Entscheidungen pro Liesenfeld und Kessler hatten sich nicht automatisch ergeben. Sie waren auch die Folge des Machtvakuums im Club. Mit einem nicht mehr gewollten, aber sturen Präsidium auf Zeit, welches von Beirat und Mitgliederrat praktisch nur noch Gegenwind bekommt.

Philipp Liesenfeld wird neuer Geschäftsführer Marketing und Vertrieb beim 1. FC Köln. (Foto: 1. FC Köln/Henrik Steinert)
Philipp Liesenfeld wird neuer Geschäftsführer Marketing und Vertrieb beim 1. FC Köln. (Foto: 1. FC Köln/Henrik Steinert)

Talente fördern – nicht nur auf dem Rasen

Liesenfeld und Kessler haben sich ihre Chancen verdient. Durch gute Arbeit und durch eine außergewöhnliche Loyalität zum und Identifikation mit dem FC. Allerdings wäre alles andere vier Monate vor der Wahl eines neuen Präsidiums auch kaum zu vermitteln gewesen, nach außen wie nach innen. Denn wann sonst hätte der FC eigenen Talenten eine Chance geben sollen? Nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf der Geschäftsstelle.

Liesenfeld kann die Arbeit von Markus Rejek nahezu ansatzlos fortsetzen. Das gilt auch für Kessler, wobei davon auszugehen ist, dass der neue Sportdirektor eher einige Veränderungen vornehmen und Kellers Weg nicht weiterverfolgen wird. Dennoch kennt auch er alle Themen Effeff, sodass weder Einarbeitungszeit noch ein Übergang nötig sind.

Eine Chance für die Zukunft

Das Duo kann also sofort loslegen – und muss das auch tun. Die Aufgaben sind gewaltig: im Marketing mit dem Aufbau eines eigenen Vermarktungsteams ab 2026, im Sport mit der Trainersuche und Kaderplanung für die Bundesliga. Liesenfeld und Kessler haben nun die große Chance zu zeigen, dass ihnen die Zukunft beim FC gehören kann. So, wie ihnen bereits die Vergangenheit gehörte.

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