Mit Alessandro Blazic wird der 1. FC Köln in den kommenden Tagen wohl ein weiteres Eigengewächs ablösefrei verlieren – obwohl sich die Geißböcke um eine Vertragsverlängerung samt Leihe bemüht haben. Thomas Kessler erklärt das Dilemma.
Acht Jahre lang stand Alessandro Blazic beim 1. FC Köln zwischen den Pfosten. Aktuell sieht es ganz danach aus, als erlebe der Torhüter, der diese Woche mit der U21 in die Saisonvorbereitung gestartet ist, seine letzten Tage am Geißnbockheim. Blazics Vertrag läuft zum 30. Juni aus und bisher konnte man sich nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigen.
Der FC befindet sich in einer Zwickmühle, wie Thomas Kessler beim Mitgliederstammtisch erläuterte. Die Ausgangslage: „Wir haben Alessandro gesagt, dass wir seinen Vertrag gerne verlängern und ihn dann verleihen würden.“ Das wäre aus Sicht des Clubs der logische nächste Schritt, nachdem Blazic die vergangene Saison über weite Strecken als Stammkeeper in der Regionalliga verbracht hatte, obwohl er noch in der U19 hätte spielen können.
Kessler: „Würde nicht mal ins Video schauen“
Die Suche nach einem Leihverein habe sich laut Kessler jedoch „sehr, sehr schwierig gestaltet“. Der FC-Sportdirektor offenbarte: „Es gab wenig Clubs, die tatsächlich Interesse an dieser Leihe hatten. Bei Alessandro ist nicht wirklich jemand angesprungen.“ Trotz des unbestrittenen Talents wird dem 19-Jährigen wohl seine Größe zum Verhängnis.
„Das ist eine Thematik, für die kann er nichts, aber man kann sie auch nicht wegdiskutieren: Der Junge ist nicht mal 1,80 Meter groß“, sprach Kessler das Dilemma an. Aus seiner Sicht fällt Blazic in die Kategorie ’schwer vermittelbar‘. Würde man ihm als Manager einen Leih-Torwart anbieten, „der 1,78 Meter groß ist – ich glaube, da würde ich nicht mal ins Video schauen“, gab Kessler zu, „weil ich sage: Ich brauche jemanden, der dahinten etwas ausstrahlt.“
Was nicht heißt, dass er selbst Blazic den Durchbruch nicht zutrauen würde. „Das ist total schade für den Jungen, weil er in der Regionalliga bewiesen hat, dass er trotz dieser Größe sehr mutig ist. Er hat sehr, sehr viele gute Spiele gemacht“, lobte Kessler am Dienstagabend im RheinEnergieStadion. In der Hinrunde der vergangenen Saison hatte Blazic in der U21 überraschend Jonas Nickisch verdrängt, „der eigentlich einen Vorsprung“ hatte.
Rückschlag im Profi-Training
Aufgrund seiner starken Auftritte durfte der slowenische U19-Nationalspieler im Januar sogar mit dem Profi-Team ins Winter-Trainingslager nach Spanien reisen – wurde dort aber zurückgeworfen. „Er hat sich in der zweiten Einheit so den Rücken verzogen, dass er drei Monate gar nicht in der Lage war, zu trainieren“, erinnerte sich Kessler, merkte zugleich an: „Im Torwarttraining der Profis sind die Intensität und die Belastung einfach viel, viel höher als im U19- und U21-Bereich. Leider hat er sich verletzt und ist lange ausgefallen.“
Erst an den letzten beiden Regionalliga-Spieltagen kehrte Blazic, der in 20 Spielen mit der Kölner U21 nur 23 Gegentore kassierte, zwischen die Pfosten zurück. Es bleiben wohl seine letzten Partien für die Geißböcke. „Wir konnten uns aktuell nicht auf eine Vertragsverlängerung mit ihm einigen, weil wir gesagt haben, wir wollen dich gerne verleihen, da jetzt die nächsten Jungs aus dem Nachwuchs hochkommen“, fasste Kessler die missliche Lage zusammen.

Eine weiterte U21-Saison, die sich Blazic selbst wohl vorstellen könnte, ist für den Kölner Sportdirektor offenbar kein Thema: „Es war der Plan, dass Sandro Platz für den Nächsten macht, sodass wir uns nach und nach anschauen können, welche Jungs aus der eigenen Jugend wirklich die Qualität haben, im Profibereich anzukommen.“
In den Gesprächen mit Blazic habe Kessler daher das Motto ausgerufen: „Lass uns irgendwie eine Vereinbarung finden, wir gehen zusammen auf die Suche nach einem Leihclub.“ Der Ausgang ist bekannt. Wobei das Torwart-Talent laut Kicker Anfragen aus dem In- und Ausland haben soll. Zuletzt sei er mit dem FC Valencia in Verbindung gebracht worden.







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