Der 1. FC Köln bekommt auf Sicht keinen neuen Sport-Geschäftsführer. Das bestätigt der Vorstand der Geißböcke. Thomas Kessler bleibt damit gesetzt – zumindest bis September.
Der Vorstand des 1. FC Köln hat in den letzten Wochen zwei wichtige Personalentscheidungen getroffen. Thomas Kessler wurde vom Bereichsleiter Lizenzfußball zum Sportdirektor befördert. Philipp Liesenfeld rückte als Marketing-Chef in die Geschäftsführung auf. Zwei Kölner Eigengewächse, die nun in leitender Funktion angekommen sind.
Liesenfeld setzte sich in einem längeren Auswahlverfahren gegen einen externen Kandidaten durch. Kesslers Position hingegen wurde nicht extern geprüft, sondern sofort mit dem ehemaligen Profi besetzt. Am Geißbockheim ist es kein Geheimnis, dass der Vorstand zumindest im Sport keine externe Lösung im Gemeinsamen Ausschuss durchgesetzt bekommen hätte. Schließlich wählt der FC im September ein Nachfolger-Trio für Werner Wolf, Eckhard Sauren und Carsten Wettich.
Kessler wählt einen anderen Ton
Dennoch erweist sich Kessler bislang als Glücksgriff. Der 39-Jährige präsentierte sich am Dienstag auf dem Mitglieder-Stammtisch nahbar, humorvoll und deutlich inhaltsstärker als in den vergangenen Monaten auf so mancher Pressekonferenz. Keine Plattitüden mehr, keine Phrasen mehr, sondern klare Worte, verständliche Erklärungen, gepaart mit seiner seit Jahrzehnten tief verankerten Verbundenheit mit dem FC.
Kessler gibt dem FC zurück, was in den letzten Jahren gefehlt hatte: Empathie und ein großes Verständnis für den Club. Das spüren Fans, Mitglieder und Mitarbeiter gleichermaßen. Aber auch Spieler und Berater, mit denen der neue Sportdirektor zuletzt die Gespräche führte. Ein gutes Gefühl bringt zwar noch keine Punkte in der Bundesliga. Doch Kessler weiß, wie wichtig die Stimmung beim und für den FC ist. Und diese hat er nach dem Aufstieg noch einmal positiv beeinflussen können.
Um Gerüchten auf dem Transfermarkt vorzubeugen: Wir haben keinen Sport-Geschäftsführer, wir suchen aber auch keinen
Werner Wolf
Entsprechende Lobeshymnen bekam der 39-Jährige am Dienstag – von Mitgliedern ebenso wie von der FC-Führung. „Wir sind zutiefst überzeugt, dass wir hervorragend aufgestellt sind in dieser Konstellation. Aus den eigenen Reihen haben wir die Menschen gefunden, die die Verantwortung übernehmen“, sagte Präsident Wolf. Und dann schob der scheidende FC-Boss nach: „Und um Gerüchten auf dem Transfermarkt vorzubeugen: Wir haben keinen Sport-Geschäftsführer, wir suchen aber auch keinen. Wir sind glücklich mit der Konstellation, die wir jetzt haben.“
Kessler wurde bewusst nicht zum Sport-Geschäftsführer ernannt. Die Strukturen des FC machen dies nicht nötig. Philipp Türoff bildet zusammen mit Liesenfeld die Geschäftsführung, Kessler sitzt mit dem Duo zusammen und ist mit Befugnissen ausgestattet, die ihm erlauben, Verträge eigenständig auszuhandeln und auch zu unterschreiben. Der Sportdirektor ist somit eine Art Geschäftsführer, ohne Geschäftsführer zu sein. Ein Posten, der mit zusätzlichen Pflichten verbunden wäre, die Kessler von seiner eigentlichen Arbeit abhalten würden.
Berg soll Kessler unterstützen
„Ohne Sport-Geschäftsführer bin ich verantwortlich für alle sportlichen Bereiche“, erklärte Kessler am Dienstag den Mitgliedern seine Rolle. „Im Operativen habe ich aber gesagt, dass ich noch Unterstützung brauche.“ So wurde Lukas Berg zum Technischen Direktor ernannt. In der Hierarchie begegnen sich Kessler und Berg auf Augenhöhe, Kessler ist aber mit mehr Kompetenzen ausgestattet.
Zuvor hatte Christian Keller alleinverantwortlich an der Spitze des Sports gestanden – mit drei Bereichsleitern unter sicher: Kessler für die Männer, Berg für den Nachwuchs, Nicole Bender-Rummler für die Frauen. „Wir drei haben aus unseren Bereichen an Christian Keller berichtet und auch mit ihm gemeinsam gearbeitet“, erklärte Kessler. „Jetzt hat sich die Situation verändert, dass ich für alle drei sportlichen Bereiche verantwortlich bin, mit Lukas aber Aufgabenteilung betreibe. Er ist stark in organisatorische, administrative und strategische Themen eingebunden.“
Suche nach neuem NLZ-Chef läuft
Bender-Rummler betreut weiterhin die Frauenabteilung, für die Nachwuchsakademie wird ein neuer Leiter gesucht, der künftig zusammen mit dem beförderten Stefan Ruthenbeck das NLZ leiten soll. Bis dahin führt Berg die Geschicke in Personalunion. Doch die nächste Veränderung steht schon an. Auch das Scouting, von Keller umfangreich ausgebaut, soll noch einmal verändert werden. Martin Schulz soll zum FC zurückkehren, wenn auch nicht als Chefscout.
Ob dadurch die Struktur noch einmal angepasst wird, ist offen. Klar ist aber, dass zumindest bis zur Wahl eines neuen Präsidiums kein neuer Sport-Geschäftsführer eingestellt wird. Bis dahin hat Kessler die Chance, seinen Bereich neu aufzustellen und durch die Kaderplanung im Sommer seine Position zu stärken. Die Verpflichtung von Lukas Kwasniok war die bislang größte Prüfung für Kessler. Nun müssen noch zahlreiche auf dem Transfermarkt folgen.








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