Ob Nationalspieler, internationale Exoten oder rekordverdächtige Rückholaktionen – der 1. FC Köln hat in der Vergangenheit einige historische Verpflichtungen getätigt. Die folgenden Transfers gehören zu den außergewöhnlichsten in der Geschichte des FC.
1948 – Hans Schäfer: Ein Trick führt zur Legende
Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg spielte Hans Schäfer zunächst in Köln-Zollstock, wollte jedoch zur SpVgg Sülz 07 wechseln. Die durfte ihn aber nicht verpflichten. Ein Wechsel innerhalb der Besatzungszonen hätte eine einjährige Sperre bedeutet. Deshalb fädelte Sülz‘ Fritz Plate 1947 einen cleveren Umweg ein: Schäfer wechselte zum VfR Volkmarsen in der amerikanischen Zone und kehrte 1948 zurück. Inzwischen war Sülz 07 mit dem KBC zum 1. FC Köln fusioniert und Schäfer konnte beim FC zur Legende werden.

1950 – Frans de Munck: Der erste Ausländer
Als erster ausländischer Spieler der Clubhistorie wurde 1950 der holländische Nationaltorhüter Frans de Munck vom Präsidenten Franz Kremer verpflichtet. Aufgrund einer Sperre in seinem Heimatland wegen inoffizieller Zahlungen war de Munck verfügbar und der FC sicherte sich die Dienste des „schönen Frans“, wie ihn viele Fans bewunderten. Seine Mitspieler nannten ihn hingegen den „schwarzen Panther“. Der Keeper wurde zu einem echten Rückhalt im Tor der Geißböcke.
1959 – Coskun Tas: Der erste türkische FC-Profi
Als erster türkischer Spieler in der Vereinsgeschichte kam Coskun Tas 1959 von Besiktas Istanbul zum FC. Sein Wunsch nach einer neuen Herausforderung führte ihn nach Deutschland. Ein Sportjournalist vermittelte den Kontakt, woraufhin Tas einen Brief von Franz Kremer erhielt, inklusive Einladung nach Köln. Am 4. Juni 1959 kam er mit einem kleinen Koffer und 17 D-Mark in der Tasche am Hauptbahnhof an, wurde von Kremers Frau abgeholt und kurze Zeit später verpflichtet.

1964 – Zézé: Der Brasilianer mit Schneeallergie
Mit der Verpflichtung des 21-jährigen Brasilianers Zézé wollte der frischgebackene Deutsche Meister 1964 ein Zeichen setzen. 150.000 D-Mark zahlte der FC für den Stürmer, doch der Transfer entpuppte sich als Fehlgriff. Sprachbarrieren und eine vermeintliche Schneeallergie machten es Zézé schwer. Nach nur fünf Spielen und einem Tor verließ der erste Brasilianer der Bundesliga Köln schnell wieder.
1965 – Ole Sörensen: Dänen-Debütant unter Druck
Als 21-facher Nationalspieler Dänemarks kam Ole Sörensen 1965 mit großen Vorschusslorbeeren nach Köln. Er war der erste Däne im FC-Trikot – bis heute (Stand: 2025) holte der FC aus keinem anderen Land mehr Spieler nach Köln (14). Der offensive Mittelfeldspieler sollte in die Fußstapfen von FC-Legende Hans Schäfer treten. Dieser Aufgabe war er nicht gewachsen. Er verlor seinen Stammplatz und verließ den FC nach nur einer Saison in Richtung PSV Eindhoven.
1970 – Thomas Parits: Erster Ösi bleibt nur kurz
Im Sommer 1970 verpflichtete der FC auf Empfehlung von Trainer Ernst Ocwirk, der selbst eine Austria-Legende war, mit Thomas Parits erstmals einen Österreicher. Doch die gemeinsame Zeit war kurz: Nach einer Saison zog es Parits weiter. Bis Toni Polster (1993) blieb Parits der einzige Österreicher im FC-Trikot. Mit Florian Kainz wurde 2023 erstmals ein Österreicher FC-Kapitän.

1976 – Roger van Gool: Der erste Millionen-Mann
Der erste Transfer mit über einer Million Mark Ablöse in der Bundesliga-Geschichte war der Roger van Gool im Sommer 1976. Die Ablöse von angeblich 1,15 Millionen D-Mark sorgte für Aufsehen. Der Wechsel wurde erst wenige Minuten vor Ablauf der Frist offiziell und Deutschland hatte seinen ersten „Millionenspieler“.
1977 – Yasuhiko Okudera: Der erste Japaner
Als der FC 1977 Yasuhiko Okudera verpflichtete, wurde der Transfer zunächst belächelt. Japaner waren in der Bundesliga bis dato unbekannt. Doch der erste Spieler aus Fernost schlug ein: Okudera erzielte wichtige Tore, trug zum Titelgewinn bei und schrieb FC- sowie Bundesliga-Geschichte. Nach drei Jahren zog er weiter zu Hertha BSC.
1979 – Tony Woodcock: Rekordablöse
1979 verpflichtete der FC den englischen Nationalspieler Tony Woodcock für die damalige Rekordablöse von 2,5 Millionen D-Mark. Sieben Jahre später kehrte Woodcock sogar ein zweites Mal nach Köln zurück.

1987 – Pierre Littbarski: Selbstbezahlte Rückkehr
Nachdem Pierre Littbarski von 1978 bis 1986 für den FC gespielt hatte, wechselte er nach der WM zu Racing Paris. Dort aber wurde er nicht glücklich, bekam Heimweh und wollte zurück. Doch Paris verlangte 3,4 Millionen D-Mark. Da der FC das nicht aufbringen konnte, streckte Littbarski selbst 500.000 D-Mark vor. 1987 kehrte er zurück und absolvierte bis zu seinem endgültigen Abschied 1993 ganze 504 Pflichtspiele für den Club. Nur vier FC-Spieler kamen auf mehr Einsätze.
1991 – Rico Steinmann: Der erste „Ossi“
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde Rico Steinmann zum ersten DDR-Spieler, der zum FC wechselte. Er kam 1991 und blieb sieben Jahre, was gleichzeitig seine einzige Bundesligazeit überhaupt war.
2001 – Marco Reich: Vom Rekord- zum Flop-Transfer
Für sechs Millionen D-Mark wechselte Marco Reich 2001 als Rekordtransfer vom 1. FC Kaiserslautern nach Köln. Die Hoffnungen waren riesig, doch Reich enttäuschte auf ganzer Linie. Er schoss kein einziges Bundesliga-Tor. Für seinen Abgang nach Bremen bekamen die Geißböcke nur noch ein Zehntel der ursprünglichen Summe, was seinen Transfer zum bis dahin größten Flop der FC-Geschichte machte.

2009 – Lukas Podolski: Der verlorene Sohn kehrt heim
Nach dem FC-Abstieg 2006 ging Lukas Podolski für zehn Millionen Euro zum FC Bayern München. Dort wurde er nicht glücklich und 2009 gelang dem FC die Rückholaktion. Das erste Training fand im halb vollen RheinEnergieStadion statt, RTL übertrug ein Willkommensspiel live. Podolski trug ein Sondertrikot, dessen Erlös zur Finanzierung seiner Ablöse beitrug. 2012 verabschiedete sich der Publikumsliebling endgültig.
2010 – Jonas Hector: Vom Dorf zur Legende
2010 kam Jonas Hector vom SV Auersmacher zur U21 des FC. Zwei Jahre später debütierte er in der 2. Bundesliga, wiederum zwei Jahre später in der Nationalmannschaft. Hector blieb dem Club über ein Jahrzehnt treu. Als Kapitän und Nationalspieler mit 43 Länderspielen wurde er zur Legende. Er verbrachte seine gesamte Profikarriere nur beim 1. FC Köln.
2012 – Chong Tese: Der einzige Nordkoreaner
Nach dem Ausfall von Lukas Podolski im Winter der Saison 2011/12 reagierte der FC im Januar 2012 mit der völlig überraschenden Verpflichtung von Chong Tese, dem ersten und einzigen Nordkoreaner der Vereinsgeschichte. Er kam vom VfL Bochum nach Köln – und konnte weder Podolski ersetzen noch den Abstieg ein halbes Jahr später verhindern.

2015 – Anthony Modeste: Der China-Rekord
Die Verpflichtung von Anthony Modeste im Sommer 2015 stellte sich für den 1. FC Köln als Glücksfall heraus. 15 Tore in seiner ersten Saison, 20 Tore in seiner zweiten – inklusive der Qualifikation für Europa nach 25 Jahren Abstinenz. Modeste aber verließ den FC im Sommer 2017 und wurde zum teuersten Verkauf in der Vereinsgeschichte. Der Transfer nach China brachte dem FC 28 Millionen Euro ein – eine Summe, die bis heute unübertroffen ist. Ende 2018 kehrte Modeste ablösefrei zurück. Am Ende seiner Zeit im FC-Trikot standen 79 Tore in 157 Pflichtspielen.
2024 – Mansour Ouro-Tagba: Transfer trotz Transfersperre
Ein Novum stellte der Transfer von Mansour Ouro-Tagba im Sommer 2024 dar: Wegen der historischen Transfersperre konnte der FC keine registrieren – sehr wohl aber verpflichten und dann verleihen. Ouro-Tagba war der erste Neuzugang unter diesen besonderen Transferbedingungen. Der FC nahm den Stürmer ins Arbeitsverhältnis und verlieh ihn direkt nach Regensburg weiter wodurch man die Sperre umging und den Spieler dennoch an sich binden konnte. Der damals 19-Jährige kehrte nach Aufhebung der Sperre im Januar 2025 offiziell ans Geißbockheim zurück.








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