Wer ist der Mann, der den 1. FC Köln wieder in der Bundesliga etablieren soll? Der GEISSBLOG stellt Lukas Kwasniok, den neuen Cheftrainer des Aufsteigers, ausführlich vor.
Geboren in Gliwice – wie Lukas Podolski
Sein Geburtsort verbindet Lukas Kwasniok mit einer Ikone des 1. FC Köln. Der Trainer erblickte im polnischen Gliwice das Licht der Welt – genau wie Lukas Podolski. Vor zwei Jahren, bei einem Testspiel mit dem SC Paderborn gegen Gornik Zabrze, lernte er den Weltmeister dann persönlich kennen.
„Seitdem sind wir immer wieder einmal im Austausch, ich habe ihm auch zum Geburtstag eine Sprachnachricht geschickt“, erzählte Kwasniok bei seinem Antrittsinterview mit dem FC und verriet diese Nachricht auch: „Wir sind beide Zwillinge, haben den gleichen Vornamen, sind im gleichen Ort geboren. Herzlich willkommen im Club der 40er.“
Anfänge beim KSC, kein Durchbruch in Bielefeld
Als Siebenjähriger zog Kwasniok mit seiner Familie aus Polen nach Karlsruhe, durchlief anschließend beim KSC alle Nachwuchsteams bis zur U18. „Ich bin dort groß geworden. Sie haben mich beim KSC erzogen. Dort habe ich viel fürs Leben gelernt“, sagte er vor seinem letzten Zweitliga-Spiel mit Paderborn, das ausgerechnet im Wildpark stattfand.
Kwasniok galt in der Jugend als hochtalentiert, bestritt 18 U-Länderspiele für den DFB, in der U16 sogar als Kapitän. Als 18-Jähriger unterschrieb er dann seinen ersten Profi-Vertrag beim damaligen Bundesliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld – schaffte auf der Alm allerdings nicht den Durchbruch. Nach einer zwischenzeitlichen Leihe zum SV Sandhausen beendete er mit gerade mal 20 Jahren seine Karriere.

Schuld daran waren unter anderem große Verletzungsprobleme, Kwasniok hatte an beiden Sprunggelenken Bänderrisse erlitten. Doch er gab auch selbstkritisch zu: „Mir fehlte der nötige Biss. Der Fußball ist nur etwas für harte Hunde. Ich war damals keiner.“ Als junger Mann entschied er sich stattdessen für eine Beamtenausbildung, kickte nebenbei noch beim FC Rastatt 04 und FC Germania Friedrichstal.
Als Trainer aus der Landesliga in die Bundesliga
Kwasnioks Trainerlaufbahn begann im Dezember 2007 in seiner baden-württembergischen Heimat eher zufällig als Nebentätigkeit. Im Podcast From Coach to Coach erzählte er: „Es war eine verrückte Geschichte damals, als ich auf einmal Trainer beim OSV Raststatt geworden bin. Die waren Tabellenletzter in der Landesliga. 18 Spiele, drei Punkte, 12:85 Tore. Dann habe ich gesagt: Den Laden übernehme ich im Winter. Aus pragmatischen Gründen, um ehrlich zu sein. Es gab ein paar Groschen nebenbei zu verdienen, neben meinem normalen Job. Eine Trainerlaufbahn hatte ich noch gar nicht im Visier.“
Doch diese Trainerkarriere stand nun in den Startlöchern. Über den Verbandsligisten TSV Reichenbach (2008 bis 2014) landete Kwasniok in der Nachwuchsabteilung seines früheren Clubs, dem Karlsruher SC. Er trainierte die U17 und die U19, sprang 2016 sogar für zwei Spiele als Interimscoach in der 2. Bundesliga ein. 2018 endete Kwasnioks Engagement beim KSC, über die Gründe vereinbarte man Stillschweigen. Kurz zuvor war ein Wechsel zum damaligen Zweitligisten Erzgebirge Aue geplatzt, weil Karlsruhe für seinen Nachwuchstrainer eine sechsstellige Ablöse gefordert hatte.

Um tatsächlich in die 2. Liga zu gelangen, musste Kwasniok einen doppelten Umweg über Liga drei gehen, übernahm zunächst Carl Zeiss Jena (Dezember 2018 bis September 2019) und dann den 1. FC Saarbrücken (Dezember 2019 bis Juni 2021). Anschließend unterschrieb er beim SC Paderborn als Nachfolger des nach Köln gewechselten Steffen Baumgart.
Kwasniok erreichte mit den Ostwestfalen zweimal Platz sieben, einmal Rang sechs und verpasste in der gerade abgelaufenen Spielzeit als Tabellenvierter nur knapp die Relegation. Bereits Mitte April gab der SCP die Trennung zum Saisonende bekannt. Kwasniok entschied sich gegen seine angekündigte Pause, geht stattdessen mit dem 1. FC Köln in die Bundesliga.
Ein umworbener Jahrgangsbester
Seine Fußball-Lehrer-Lizenz erhielt Kwasniok 2018 an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Hennef – und zwar als Jahrgangsbester mit der Note 1,0. Gemeinsam mit ihm die Schulbank drückten unter anderem U21-Bundestrainer Antonio Di Salvo, Ex-FC-Coach Timo Schultz, der frühere Kölner NLZ-Chef Matthias Heidrich und auch Eintracht Frankfurts Erfolgsmanager Markus Krösche. Letzterer sagte der Neuen Westfälischen mal über Kwasniok: „Lukas ist ein richtig guter Typ und sehr guter Trainer. Er ist sehr leidenschaftlich und verfügt zugleich über viel Know-how.“
Dies scheint in der Branche eine einhellige Meinung zu sein, schließlich war der neue FC-Trainer zuletzt äußerst umworben. Kwasniok galt unter anderem auf Schalke, in Hannover und Wolfsburg als Kandidat. Bereits im vergangenen Dezember hatte der HSV ihn als Baumgart-Nachfolger holen wollen, doch Paderborn verweigerte die Freigabe. Daraufhin klagte der 43-Jährige: „So hat man mir eine Lebenschance genommen.“
Negative Schlagzeilen
Ein unrühmliches Kapitel erreichte Kwasnioks bis dato steile Karriere, als er 2023 während einer Mallorca-Reise von der Polizei in Gewahrsam genommen wurde – wenngleich er wenige Stunden später ohne Auflagen wieder freigelassen wurde.
Erst vor wenigen Wochen erklärte Kwasniok im Interview mit dem Westfalen-Blatt: „Auf Mallorca gab es einen völlig an den Haaren herbeigezogenen Vorwurf, der innerhalb von 24 Stunden eingestampft worden ist. Nach sechs Wochen wurde das Verfahren komplett eingestellt.“
Gesellschaftlich in der Kritik stand Kwasniok zudem während der Corona-Pandemie als zwischenzeitlich einziger ungeimpfter Trainer in den deutschen Profiligen. Im erwähnten Interview im Westfalen-Blatt erinnerte er sich: „Ich bin mit meinen Eltern 1988 aus Polen geflohen, um in Deutschland ein freier Mensch zu sein. Ich hatte damals bei der Corona-Impfung nicht das Gefühl, dass ich frei handeln kann.“
Wenngleich er schon während der Pandemie betont hatte: „Ich bin ein gesetzestreuer Bürger. Im Fall einer allgemeinen Impfpflicht würde ich mich somit auch impfen lassen.“ Im April 2022 ließ sich Kwasniok schließlich impfen, um zwei Monate später im Rahmen der Sommervorbereitung mit seiner Mannschaft in die USA reisen zu dürfen.
Wieder ein Vulkan an der Seitenlinie
Kwasniok gilt als ein ähnlich emotionaler Trainertyp wie Steffen Baumgart, nimmt kein Blatt vor den Mund, kann an der Seitenlinie auch mal zum Vulkan werden. Sein Karriereweg zeugt durchaus von Konsequenz und Ehrgeiz – vom ständigen Willen, auf das nächste Level vorzudringen. Am liebsten mit Offensiv-Fußball, der unterhält; zuletzt meist in einem 3-4-3-System (hier mehr zu Kwasnioks Fußball).
Kenner bescheinigen ihm die Fähigkeit, begeistern zu können, sowie eine gute Ansprache, er habe stets sein gesamtes Team hinter sich. Paderborns Innenverteidiger Calvin Brackelmann sagte im Mai, als der Abschied des Trainers längst feststand, wohl nicht umsonst: „Wir lieben Lukas alle.“

Und das, obwohl Kwasniok mit seinen Spielern nicht zimperlich umgeht, auch schon mal öffentlich harte Kritik übt. Im Dezember beispielsweise schimpfte er über die Paderborner Keeper: „Man muss sich einfach mal die kompletten Aussetzer der Torhüter anschauen. Das sind sechs bis acht Punkte in einer Halbserie. So hast du einfach keine Chance, irgendeinen Blumentopf zu holen.“
Im Podcast From Coach to Coach versicherte er allerdings, auch einstecken zu können: „Die Jungs können mich auch mal dissen. Darüber muss man lachen. Die meisten Sprüche bekommen sie von mir gedrückt.“
Den grundsätzlichen Umgang mit seinen Spielern fasste er nach seinem FC-Wechsel wie folgt zusammen: „Meine Mannschaftsführung auf dem Feld ist sehr konsequent, da fordere ich viel ein. Außerhalb des Platzes ist es eine lange Leine, weil ich glaube, dass wir den Menschen auch vertrauen müssen.“ Die „Basis von allem“ seien dabei „Hunger und Fleiß“.
Sohn nach Beckham-Junior benannt
Auch in seiner Freizeit führt bei Kwasniok kaum ein Weg am Sport vorbei. „Ich bin ein Fußballverrückter, für den das kein Job, sondern ein Hobby ist. Wenn ich zu Hause bin, schaue ich bei meinem Sohn zu, ansonsten beschäftige ich mich einfach viel mit Fußball“, sagte er nach seiner Unterschrift beim FC.

Kwasniok und seine Frau Anna haben zwei Kinder, die Heimat der Familie ist die 6000-Einwohner-Gemeinde Muggensturm im Landkreis Rastatt. Ihr 21-jähriger Sohn Brooklyn Romeo spielt im Nachbarort beim SV Kuppenheim in der Verbandsliga Südbaden – und trägt seinen Namen, weil seine Eltern offenbar große Fans von David Beckham sind. Kwasnioks Frau schlug „Brooklyn“ vor, so heißt auch Beckhams erster Sohn. „Das Problem ist, dass der Name nicht eindeutig weiblich oder männlich ist. Der zweite Sohn von Beckham heißt ja Romeo. Und deswegen heißt mein Sohn jetzt Brooklyn Romeo“, erklärte der Trainer mal bei Sky.
Und wenn Kwasniok doch mal Abstand vom Fußball braucht? „Am besten abschalten kann ich, wenn ich mich von Dokumentationen über große Persönlichkeiten, auch außerhalb des Sports, berieseln lasse.“ Hinzu kommen „immer mal wieder eine Runde Tischtennis“ sowie „die sehr rar gewordene Zeit mit Freunden und Familie“.
Köln-Verbindung dank Uroma
Zum FC bringt er eine Vorgeschichte mit der Stadt Köln mit. „Ich hatte schon ein paar Berührungspunkte“, so Kwasniok bei seinem Vorstellungsinterview: „Das beginnt damit, dass meine Uroma in Köln gelebt hat. Als wir nach Deutschland gekommen sind, war ich als kleiner Bub immer wieder in Köln. Auch danach war ich immer mal wieder zu Besuch.“
Aufgrund seiner Erfahrungen mit Köln ist er der Meinung: „Diese lebensfrohe Art passt wie die Faust aufs Auge zu mir. Ich freue mich auf diese Lebensfreude und Emotionalität. Ich habe diese Stadt, und so tickt wahrscheinlich auch der Verein, als eine Metropole mit der Herzlichkeit eines Dorfes wahrgenommen.“ Ab sofort wird Kwasniok in diese herzliche Metropole eintauchen.








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