20 Millionen für Talente: Das FC-Herz blutet – doch der Weg ist alternativlos

Max Finkgräfe und Damion Downs verlassen den 1. FC Köln (Foto: IMAGO / Beautiful Sports)
Max Finkgräfe und Damion Downs verlassen den 1. FC Köln (Foto: IMAGO / Beautiful Sports)

Der 1. FC Köln verkauft innerhalb von sechs Monaten drei Eigengewächse und kassiert erstmals nach Jahren wieder richtig ab. Damit gehen die Geißböcke einen nicht einfachen, aber unerlässlichen Weg für die Entwicklung des Clubs.

Eine kommentiere Analyse von Marc L. Merten

Jonas Urbig wechselte im Winter für sieben Millionen Euro plus Boni und Weiterverkaufsklausel zum FC Bayern. Max Finkgräfe wurde für vier Millionen Euro plus Boni und Weiterverkaufsklausel an RB Leipzig abgegeben. Und nun steht Damion Downs vor einem Transfer nach England für ein Paket in Höhe von rund zehn Millionen Euro – ebenfalls plus Weiterverkaufsklausel.

Das sind über 20 Millionen Euro, die der 1. FC Köln bekommt. Um es historisch einzuordnen: Noch nie in der Geschichte des Clubs hat der FC in einem halben Jahr so viel Geld für Eigengewächse eingenommen. Bis dato konnte der FC nur vereinzelt mal mit einem Talent aus dem Nachwuchs Kasse machen – mit Yannick Gerhardt, mit Ismail Jakobs, mit Salih Özcan und natürlich mit Lukas Podolski.

Historische Transfereinnahmen

Um diese Summe in Relation zu setzen: In den letzten 25 Jahren hat der FC nur 2017/18 (wegen des Modeste-Verkaufs nach China) und 2021/22 (wegen der Notverkäufe von Bornauw und Jakobs in der Pandemie) eine Verkaufsbilanz von über 20 Millionen Euro aufweisen können. Das zeigt, um welche Größenordnung es für die Geißböcke bei diesen drei Transfers geht.

Ja, der FC verliert eines der größten Torwarttalente Deutschlands, einen ambitionierten Linksverteidiger und einen hoch veranlagten Stürmer. Und ja, alle drei Talente hätte der FC halten können, wenn man es nicht auf höchster Führungsebene frühzeitig vergeigt hätte, die Verträge zu verlängern. Doch bei allen drei Personalien hat der FC – vor allem wegen der jeweils nur noch bis 2026 laufenden Verträge – das Beste aus der Situation gemacht.

Andere Clubs zeigen, wie es geht

Wenn man auf andere Clubs wie Freiburg, Frankfurt oder auch Mainz schaut, gilt dort schon lange das Prinzip: Reisende soll man nicht aufhalten. Allerdings verbunden mit dem zweiten Prinzip: Dann sollen sie aber wenigstens noch Geld bringen. Beim FC galt dagegen zu lange: Man hielt so lange an Spielern fest, bis man sie ablösefrei verlor. Anschließend schob man es meist auf Berater und ihre fremdgesteuerten Spieler.

Dieses Motto hört nun auf, und das kann für den FC nur gut sein. Die Geißböcke mussten immer wieder in den letzten Jahren erfahren, dass die eigenen Spieler keinen Markt und der Club gerade international keine Lobby auf dem Transfermarkt hatte. Die absurde Odyssee um Ellyes Skhiri war Beweis genug. Nun zeigen sich dagegen endlich die Früchte der Arbeit im Nachwuchs. Der FC wird international wieder anders wahrgenommen. Mancher mag es nicht gerne hören, aber womöglich auch dank Florian Wirtz.

Verkaufte Talente als Werbeträger für den FC

Da werden die Verkäufe von Urbig, Finkgräfe und Downs noch einmal helfen. Urbig hat sich schon jetzt beim FC Bayern ins Schaufenster gestellt. Finkgräfe will dasselbe in Leipzig tun. Und sollte Downs in England zum Torjäger werden, dürfte sich so manch anderes Team dafür interessieren, wo dieser Stürmer denn ausgebildet wurde – und ob es da, wo er herkam, noch andere interessante Spieler geben könnte.

Verkaufte Talente als Werbeträger für den FC: So machte es Freiburg, so lief es für Frankfurt und so läuft es auch für Mainz. Diese Clubs machten sich über Jahre einen Namen auf dem Transfermarkt – und daraus ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Einem Eigengewächs muss man nicht lange nachtrauern, wenn es dem Club einen Millionengewinn beschert. Das mag nüchtern und wenig romantisch sein. Es war aber erfolgreicher als alles, was der FC seit Jahrzehnten zustande gebracht hat.

Die nächsten Juwelen stehen in den Startlöchern

Kurzum: Die Verkäufe der Eigengewächs mag für das FC-Herz nicht einfach zu ertragen sein. Weil die eigene Akademie aber weiterhin erfolgreich neue Talente hervorbringt, ist es zu verkraften. Die nächsten Juwelen stehen bekanntlich schon in den Startlöchern. Daher hat der FC gut daran getan, diese 20 Millionen Euro (plus Weiterverkaufsklauseln!) einzunehmen. Dabei kann das nur der Anfang sein, und mit etwas besseren Vertragslängen dürfte bald noch mehr Geld drin sein. Geld, das dann wiederum in den Kader gesteckt werden kann. In der Hoffnung, dass Geld eben doch irgendwann Tore schießt.

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