Jetzt spricht Rondic: „Bin aktuell nicht die erste Option, aber…“

Imad Rondic will zur neuen Saison angreifen. (Foto: GEISSBLOG)
Imad Rondic will zur neuen Saison angreifen. (Foto: GEISSBLOG)

Imad Rondic hat beim 1. FC Köln keinen einfachen Start gehabt. Im GEISSBLOG-Interview spricht der Stürmer über seine ersten Erfahrungen in Deutschland, die kurze Anpassungszeit sowie seine Ziele für die neue Saison.

Das Interview im Trainingslager in Bad Waltersdorf führten Sonja Gauer und Marc L. Merten

GEISSBLOG: Herr Rondic, in welcher Sprache können wir mit Ihnen sprechen? 

IMAD RONDIC: „Am besten in Englisch. Ich habe in der vergangenen Saison schon einige Deutschstunden gehabt, aber für ein Interview reicht es noch nicht. Wenn wir zurück in Köln sind, werde ich auch weiter lernen. Aber aktuell bin ich hier sehr beschäftigt (lacht).“

Wie viele Sprachen sprechen Sie? 

„Vier. Bosnisch, englisch, polnisch und tschechisch. Und natürlich ein kleines bisschen deutsch.“ 

Wie fühlen Sie sich zum jetzigen Zeitpunkt der Vorbereitung? 

„Es ist anstrengend, aber es fühlt sich gut an. Wir arbeiten hart, erholen uns aber auch gut. Keine Vorbereitung ist leicht, aber das ist eben eine wichtige Phase in der Saison.“ 

Sie sind Anfang Februar kurz vor dem Ende der Transferphase gekommen. Es dürfte Ihnen guttun, nun eine komplette Vorbereitung mit der Mannschaft absolvieren zu können. 

„Auf jeden Fall. Der Anpassungsprozess hat länger gedauert, als ich zunächst gedacht hatte. Es ist gut, dass ich jetzt eine vollständige Vorbereitung absolvieren und mehr Zeit mit den Jungs verbringen kann. Es fühlt sich gut an, hier zu sein und sich auf die Saison vorzubereiten.“ 

Rondic sieht neue Saison als „Neustart“

Jetzt wartet die Bundesliga auf Sie, zudem ist mit Lukas Kwasniok ein neuer Trainer da. Sehen Sie das auch als Neustart für sich beim 1. FC Köln? 

„Natürlich, jede Saison ist ein Neustart. Niemand lebt in der Vergangenheit, egal ob sie gut oder schlecht war. Es zählt nur der Moment, in dem ich mein Bestes geben will und muss. Im Fußball musst du jeden Tag mehr zeigen, die Erwartungen sind hoch. Jetzt haben wir einen neuen Trainer und ich denke, ich habe mein bisher bestes FC-Spiel gegen ihn in Paderborn gezeigt.“

Haben Sie nochmal mit dem Trainer über dieses Spiel gesprochen? 

„In unserem ersten Gespräch hat er mich direkt darauf angesprochen und gesagt, dass er sich gut an mich erinnert. Er hat im Spaß gesagt, dass er mich nach dem Spiel schlagen wollte. Das war wohl ein Kompliment (lacht).“

Nach dem Spiel hatte Lukas Kwansiok auf der Pressekonferenz gesagt, dass Sie seiner Mannschaft mit ihrer Physis und Ihrem Spiel sehr wehgetan haben. Hat er Ihnen schon gesagt, dass er genau das auch jetzt von Ihnen erwartet? 

„Über die individuellen Vorgaben und Ideen für das Spiel haben wir noch nicht gesprochen. Im Moment fokussieren wir uns auf die Prinzipien, die wir mit der gesamten Mannschaft im Spiel haben wollen. Im Laufe der Zeit werden wir sicher noch einmal individueller darüber sprechen, wie meine Rolle aussehen soll.“ 

Haben Sie das Gefühl, dass Sie mit Ihren Stärken gut in das Spielsystem des Trainers passen? 

„Ja, ich bin positiv, was das angeht. Wir werden das Schritt für Schritt angehen. Das System ist schon anders als zuvor. Ich würde sagen, dass die Art des Fußballs, die wir jetzt spielen wollen, besser zu mir passt. Ich bekomme den Ball gerne in den Fuß gespielt. Danach sieht es aktuell im Training aus.“

Ich habe in der Vergangenheit auch bei anderen Clubs immer ein wenig Anlaufzeit benötigt. Mit der Zeit werden die Fans deutlich mehr von mir sehen.

Imad Rondic

Sie waren im Winter der erste Stürmer, den der 1. FC Köln nach der Transfersperre verpflichtet hat. Haben Sie dadurch starken Druck verspürt? 

„Der FC ist ein großer Club, hier wird immer viel erwartet. Natürlich auch von mir, als ich hierhergekommen bin. Ich habe bisher noch nicht zeigen können, wozu ich in der Lage bin. Ich habe in der Vergangenheit auch bei anderen Clubs immer ein wenig Anlaufzeit benötigt. Mit der Zeit werden die Fans deutlich mehr von mir sehen.“ 

Während der Sommerpause hat auch Ihr Berater gesagt, dass Fußball-Deutschland noch sehen wird, wozu Sie in der Lage sind. Erwarten Sie selbst mehr von sich? 

„Ich weiß, was ich kann, und das will ich zeigen. Aber ich will mir selbst nicht zu viel Druck auferlegen, sondern versuchen, es mit der richtigen Mischung aus Arbeit und Lockerheit anzugehen. Im Bosnischen gibt es ein Sprichwort, das so viel bedeutet wie: Alles kommt mit der Zeit.“ 

Gegen Ende der letzten Saison hatten Sie nur noch wenige Einsätze. Wie sind Sie damit umgegangen? 

„Natürlich will man immer spielen. Aber das Wichtigste für den gesamten Verein war der Aufstieg, deswegen spielen persönliche Befindlichkeiten keine Rolle. Die Jungs, die gespielt haben, waren schon die gesamte Saison über da, deswegen war es okay, dass sie den Vorzug bekommen haben. Jetzt kommt eine neue Saison und damit eine neue Chance für mich.“ 

Rondic über den Konkurrenzkampf mit Ache

Haben Sie sich ein bestimmtes Ziel für die kommende Saison gesetzt? 

„Ich will natürlich so viele Tore schießen, wie ich kann. Dafür werde ich hart arbeiten. Aber ich schaue von Spiel zu Spiel. Wenn man sich auf die kleinen Dinge fokussiert, erreicht man am Ende große Dinge. Deswegen fokussiere ich mich auf kleine Schritte.“ 

Mit Damion Downs und Tim Lemperle haben zwei Stürmer den Verein verlassen, dafür kam Ragnar Ache dazu. Wie sehen Sie die Konkurrenzsituation jetzt – sind Sie ähnliche Spielertypen? 

„Ja, ich denke, er ist ein ähnlicher Typ. Ich bin sehr objektiv: Ich weiß, dass Ragnar mir gegenüber im Vorsprung ist. Er hat in der vergangenen Saison 18 Tore erzielt, er kennt die Liga und das Land sehr gut. Vielleicht bin ich aktuell nicht die erste Option, aber für mich ist das eine Motivation. Ich arbeite hart und warte auf meine Chance, die ich dann hoffentlich nutzen kann.“  

Sie haben sich für die 27 als Rückennummer entschieden. Bestimmt haben Sie gehört, dass Anthony Modeste mit dieser Nummer beim FC jahrelang erfolgreich war. War es Zufall, dass Sie diese Nummer gewählt haben? 

„Man hat mir gesagt, dass Anthony diese Nummer hatte. Aber ich habe sie gewählt, weil zwei plus sieben neun sind und ich die Neun bei meinem vorherigen Club hatte. Es hat keine besondere Bedeutung für mich. Eigentlich wollte ich die 99 nehmen, aber das ist in Deutschland leider nicht möglich.“

Was für ein Typ sind Sie außerhalb des Platzes? Wie verbringen Sie ihre Freizeit? 

„Ich bin ein freundlicher Typ (lacht). Zunächst einmal mache ich meine Arbeit, das ist das Wichtigste für mich. Danach ruhe ich mich aus, gehe gerne in Cafés oder zum Abendessen raus. Ich verbringe dann am liebsten Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden und bin sehr kommunikativ. Im Frühjahr war mein Vater fast bei jedem Heimspiel im Stadion, das war sehr schön.“ 

Haben Sie schon viel von Köln sehen können? 

„Ich wohne sehr zentral, kann zu Fuß fast alles erreichen. Die bekanntesten Sachen habe ich schon gesehen, ich fühle mich wirklich sehr wohl in der Stadt.“ 

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