Wertvoller als ein klarer Sieg: Diese Emotionen hat der FC gebraucht

Ekstase pur beim 1. FC Köln nach dem Siegtor in Regensburg. (Foto: IMAGO / Beautiful Sports)
Ekstase pur beim 1. FC Köln nach dem Siegtor in Regensburg. (Foto: IMAGO / Beautiful Sports)

Der 1. FC Köln quält sich in die 2. Runde des DFB-Pokals. So schlecht der Auftritt in Regensburg fußballerisch war, umso wertvoller könnte er emotional für die Saison sein.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Lukas Kwasniok machte nach dem Wahnsinn in der Nachspielzeit im Jahnstadion keinen Hehl aus seiner Verfassung. „Wenn du dir als neuer Trainer hättest einen Sieg aussuchen wollen in Sachen Emotionalität, hätte ich ihn genau so niedergeschrieben“, sagte der neue Chefcoach des 1. FC Köln nach dem 2:1 beim SSV Jahn. „Inhaltlich hätte ich es mir aber genau andersherum vorgestellt.“

Damit legte Kwasniok einerseits den Finger in genau jene Wunde, die wohl jeder Betrachter des Spiels ausgemacht hatte. Der FC hatte spielerisch eine schwache Vorstellung abgeliefert, hatte ideenlos und vor allem in jeder Spielphase ohne das nötige Tempo gespielt. Langsame Pässe, behäbige Laufwege, schleppender Spielaufbau – wenn der Torhüter eines Bundesligisten gegen einen Drittligisten die meisten Ballkontakte hatte, muss etwas gewaltig schief gelaufen sein.

Keine Enttäuschung, sondern eine Erlösung

Und doch war dieser Sieg womöglich genau die richtige Droge, die die Mannschaft vor dem Start in die Bundesliga gebraucht hat. Eine emotionale Achterbahnfahrt, die in Ekstase, Erleichterung und purer Freude mit den mitgereisten FC-Fans endete. Keine Enttäuschung, kein Tiefschlag zum Saisonstart, sondern eine mitreißende Nachspielzeit mit zwei Toren zur Erlösung.

Hatten Torschütze Eric Martel und seine Teamkollegen nach dem 1:1-Ausgleich noch nüchtern hingenommen, dass der FC noch nicht ausgeschieden war, explodierten die Geißböcke nach dem 2:1 durch Isak Johannesson. Vergessen war die schwache Leistung, vergessen waren die Sorgen um das Pokal-Aus. Hier versammelte sich eine neu formierte Mannschaft an der Eckfahne vor den eigenen Fans und brüllte ihre Freude ausgelassen heraus.

FC kann gegen Widerstände ankämpfen

Inhaltlich hat Kwasniok mit seinem Trainerteam genug Material, um die Spieler weiter nach vorne zu bringen. Emotional aber hat dieser Sieg das Potenzial, die Mannschaft zusammenzuschweißen. Der Last-Minute-Triumph im ersten Pflichtspiel hat den Glauben gestärkt, dass der FC gegen alle Widerstände ankämpfen und auch ein schlechtes Fußballspiel gewinnen.

In Regensburg hat der FC nach dem Aufstieg, dem Trainerwechsel und dem großen Kader-Umbruch die erste Bewährungsprobe bestanden. Nicht mit Bravour, aber mit Klasse und Wille. Wenn die Geißböcke dieses Gefühl in die Bundesliga mitnehmen, kann der Erfolg in Regensburg ein Katalysator für eine positive Saison werden. 

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