Der 1. FC Köln hat in den vergangenen Jahren mehrere Talente aus dem eigenen Nachwuchs an die Profis herangeführt. In der neuen Saison braucht es kurzfristig einen anderen Ansatz, damit die Talentförderung langfristig auf höchstem Niveau funktioniert.
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Nach dem selbstverschuldeten Abstieg in die 2. Liga war der Nachwuchs die große Chance für den 1. FC Köln. Freilich zwangen der Abstieg und die Transfersperre die FC-Bosse zu ihrem Glück. Doch am Ende hat der FC von den vergangenen zwölf Monaten zumindest bei der Talentförderung profitiert.
So konnten Tim Lemperle, Damion Downs, Jonas Urbig und Julian Pauli gefördert und zwei der vier für viel Geld verkauft werden. So kamen diverse Kurzzeit-Debütanten wie Elias Bakatukanda und Neo Telle zu ihren Debüts. So machte der FC sich wieder einen Namen und stellte seine Spieler in ein neues Schaufenster.
Talente brauchen ein stabiles Gebilde
Doch schon zeitgleich zeichnete sich auch ab, dass bei allem guten Willen im Zweifel der Erfolg über der Nachwuchsförderung stehen muss. Max Finkgräfe kann davon ebenso ein Liedchen singen wie Marvin Obuz und Jaka Cuber Potocnik. In diesem Sommer wird dieser Weg zunächst kurzfristig auch in der Bundesliga fortgesetzt. Kein einziger Nachwuchsspieler ist dauerhaft neu zum Profi-Kader gestoßen.
Das jedoch ist kein Grund, sofort wieder die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. Die Bundesliga ist eben ein anderes Pflaster als die 2. Liga. Und über allem anderen braucht der FC in der nächsten Saison vor allem eines: den Klassenerhalt. Dafür braucht es die besten Spieler im Hier und Jetzt. Ein stabiles Gebilde, das den nötigen Erfolg bringen kann. Bei dem riesigen Kader-Umbruch dieses Sommers kann das nur heißen: Die Eigengewächse müssen sich gedulden.
Ein erneuter Abstieg wäre fatal
Nicht, weil sie kein Talent haben, sondern weil viele einfach noch nicht so weit sind. Das hat man in der Vorbereitung bei Neo Telle ebenso gesehen wie bei Fayssal Harchaoui oder Emin Kujovic. Deshalb sind die Leihen von Elias Bakatukanda, Chilohem Onuoha und Potocnik der beste Weg, mit diesem Spagat umzugehen. Einst kamen Urbig und Lemperle eine Klasse besser und erfahrener aus Fürth zurück. Nun sollen auch Bakatukanda und Co. 2026 als gewachsene Spieler wiederkommen und den Kampf beim FC neu aufnehmen.
In diesem ersten Bundesliga-Jahr aber muss der FC alles auf die Karte Klassenerhalt setzen. Ein erneuter Abstieg wäre fatal und würde vieles von dem gefährden, was man sich erarbeitet hat. Der FC muss wieder ein verlässliches Fundament im Erstliga-Fußball aufbauen. Dafür ist die Talentförderung wichtig. Doch im ersten Schritt braucht es vor allem Spieler, die sofort für die Bundesliga bereit sind.
Talente können Teil des Umbruchs werden
Das heißt nicht, dass die nächste Generation im Hintergrund nicht schon mit den Hufen scharren soll. Ganz im Gegenteil. Wer genau hinsieht, erkennt: Der Kader wird auch in den nächsten ein, zwei Jahren noch einmal deutliche Veränderungen erfahren. Der Umbruch hat gerade erst begonnen. Die Talente, die sich jetzt in Stellung bringen und über Leihen oder über die U21 den nächsten Schritt gehen, können ab 2026 die Profiteure des Klassenerhalts sein.
Hätte sich Youssoupha Niang nicht verletzt, hätte er womöglich schon jetzt ein solcher Spieler sein können. Spieler wie er oder Etienne Borie müssen erst einmal gesund werden und bleiben, um ihre Chance ergreifen zu können. Andere wie Telle und Kujovic müssen Leihen finden, die sie weiterbringen.
Der einzige Weg für den 1. FC Köln
Dann können sie alle langfristig davon profitieren, dass der FC jetzt kurzfristig alles auf die Karte Klassenerhalt setzt. Denn das ist der einzige Weg, damit die Geißböcke über Jahre hinweg ein stabiler Erstligisten werden können, bei dem Talente kontinuierlich gefördert werden können. Und nicht immer nur dann, wenn Abstieg und Transfersperre die Verantwortlichen dazu zwingen.







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