Der Streit vor der Mitgliederversammlung beim 1. FC Köln eskaliert. Nachdem der Beirat eine Beurteilung der Vorstandsteams öffentlich gemacht hatte, schlug der Vorstand nun zurück – und ergriff dabei selbst Partei. Auch der Mitgliederrat meldet sich zu Wort.
Als der Beirat des 1. FC Köln am vergangenen Donnerstag öffentlich machte, dass das Gremium alle drei Vorstandsteams zur Wahl angehört habe, war die Aufregung plötzlich groß. Der Grund: In der Mitteilung hatte der Beirat abschließend erklärt, dass das Team von Jörn Stobbe „die besten Voraussetzungen mitbringt, um den 1. FC Köln als Vorstand in eine erfolgreiche Zukunft zu führen“.
Dies war zwar keine explizite Wahlempfehlung. Die beiden anderen Teams um Wilke Stroman einerseits und Sven Adenauer andererseits sahen dies aber naturgemäß anders. Während sich Stroman allerdings nicht äußerte, warf Adenauer dem FC-Gremium die Verletzung einer vermeintlichen Neutralitätspflicht vor. Ob es diese tatsächlich gibt, sollen nun sogar Juristen klären. Doch damit nicht genug.
Vorstand bricht mit dem Beirat
Am Dienstagabend eskalierte der Streit vollends – und zwar nicht zwischen den drei kandidierenden Teams Stobbe, Stroman und Adenauer, sondern zwischen dem noch amtierenden Vorstand und dem Beirat. Der Noch-Vorstand war zur Beiratssitzung erschienen und wollte dem Gremium die Leviten lesen. Der Grund: Der Vorstand war erbost, dass der Beirat sich hinter das Team Stobbe gestellt hatte. Auch hier erfolgte der Vorwurf einer verletzten Neutralitätspflicht. Einen entsprechenden Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers kann der GEISSBLOG bestätigen.
Kurios ist dieser Vorwurf allerdings vor dem Hintergrund, dass derselbe Vorstand in der Vergangenheit selbst die Wahlempfehlung von Mitgliedern des Beirats angenommen hatte. Damals hatten die Vorstände keine Bedenken hinsichtlich der Neutralität geäußert. Ebenso kurios: Der nun kritisierte FC-Beirat wurde vom Vorstand selbst bestellt. Jedes Mitglied – immerhin eine Zusammensetzung aus hochrangigen Vertretern der Großsponsoren, Geldgebern und langjährigen FC-Partnern sowie wichtigen Figuren aus der Kölner Stadtgesellschaft – wurde eigenhändig vom Vorstand ausgesucht.
Sauren und Wolf stellen sich hinter Team Stroman
Dass nun aber dieser Beirat eine Einschätzung aussprach, die nicht mit dem Vorstand auf Linie war, passte dem Präsidium nicht. Dabei müsste dies zumindest Werner Wolf und Eckhard Sauren nicht mehr tangieren. Immerhin hatte das Duo noch vor einem Monat in einem Schreiben an die Mitglieder angekündigt, dass „wir uns nicht einmischen wollen“ in den Wahlkampf beim FC. Von diesem vermeintlichen Versprechen jedoch längst nichts mehr übrig. Schon wochenlang hatte insbesondere Sauren im Hintergrund für das Team Stroman getrommelt, am Montag beim alljährlichen FC-Golfturnier hatte der Vizepräsident es dann sogar öffentlich gemacht.
Sauren kritisierte den Mitgliederrat, warnte vor einem „Abdriften“ des FC in eine Abhängigkeit von der aktiven Fanszene, falls das vom Mitgliederrat ausgewählte Team Stobbe gewählt werden würde. Stattdessen empfahl Sauren das Team Stroman mit seinem Vorstandskollegen Carsten Wettich – und ergriff damit nicht nur gegen ein Team und für ein anderes Partei, sondern ließ das Team Adenauer gänzlich unerwähnt. Somit warfen Sauren und Wolf ihre vermeintliche Neutralität ab und stellten sich offen hinter Wettichs Team.
Scharfe Worte des Mitgliederrates
Das wollte dann am Donnerstag der Mitgliederrat nicht unkommentiert lassen. In einer scharfen Replik verschickte das Gremium, immerhin der Aufsichtsrat des Vorstands, einen Newsletter an die FC-Mitglieder. „Der Mitgliederrat steht selten im öffentlichen Fokus, aber wenn, ist die Erzählung des übermächtigen und von ‚den Ultras‘ gelenkten Gremiums nicht weit.“ Die Mitglieder hätten lange für demokratische Vereinsstrukturen gekämpft. „Man kann zu vielen Themen unterschiedlicher Meinung sein und es gehört absolut dazu, Kritik auszuhalten und anzunehmen. Doch einem werden wir uns stets entschieden entgegenstellen: Angriffe auf unsere demokratische Vereinsstruktur und das Infragestellen der Legitimation demokratisch gewählter Gremien.“
Weiter richtete der Mitgliederrat einen Appell an alle Beteiligten, die Tonalität der Diskussion wieder zu versachlichen: „Auseinandersetzungen gehören zum Wahlkampf. Wir fordern aber alle Mitglieder – auch und vor allem die Wahlkämpfenden – dazu auf, zur Diskussion in der Sache zurückzukehren. Das gilt auch und insbesondere für die Mitgliederversammlung. Lasst uns um Positionen ringen und inhaltlich (hart) miteinander diskutieren. Aber lasst es uns so tun, dass wir uns auch am 28.09. noch in die Augen schauen und im Stadion gemeinsam die Mannschaft unterstützen können. Alles andere schadet unserem Verein, dem Miteinander und somit uns allen.“
Schlammschlacht statt sauberer Abgang
Diese Worte richteten sich wohl auch an Wolf und Sauren. Das Duo hätte sich eigentlich in den letzten Wochen der Amtszeit zurückziehen und auf Abschiedstournee gehen können. Schließlich haben Wolf und Sauren mit den Vorstandswahlen nichts mehr zu tun und könnten sich aus dem Wahlkampf heraushalten. Stattdessen überwarfen sie sich nun aber nicht mehr nur mit dem Mitgliederrat, sondern auch noch mit dem Beirat. Am Dienstag erwog der Vorstand sogar kurzzeitig die Abberufung des Gremiums, verwarf diesen radikalen Schritt vollständiger Eskalation allerdings wieder.
Es ist eine bittere, letzte Wendung für den noch amtierenden Vorstand: Eigentlich hatten Wolf und Sauren angekündigt, mit erhobenem Haupt durch die Vordertür des Geißbockheims aus dem Amt scheiden zu wollen. Nun ist doch noch jene Schlammschlacht in vollem Gange, die man eigentlich mit großen Worten hatte verhindern wollen. Man darf gespannt sein, was von einem anderen Satz aus Wolfs und Saurens Abschiedsbotschaft übrig bleiben wird, sollte tatsächlich das Team Stobbe gewinnen. Denn Wolf und Sauren hatten geschrieben: „Egal, wer nach der Mitgliederversammlung den neuen Vorstand bildet: Wir garantieren dem neuen Team einen reibungslosen Übergang und eine gute Einarbeitung.“








Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!