Nachts aus dem Zug evakuiert: 400 FC-Fans erleben Horror-Heimfahrt

Rund 900 ICE-Passagiere, darunter 400 Fans des 1. FC Köln, mussten auf freier Strecke evakuiert werden. (Foto: GEISSBLOG)
Rund 900 ICE-Passagiere, darunter 400 Fans des 1. FC Köln, mussten auf freier Strecke evakuiert werden. (Foto: GEISSBLOG)

Hunderte Fans des 1. FC Köln haben nach dem 3:3 beim VfL Wolfsburg eine chaotische Rückfahrt erlebt. Aufgrund eines Unfalls in Hannover musste ein vollbesetzter ICE auf freier Strecke evakuiert werden.

Die fußballerisch spektakuläre Auswärtsreise nach Wolfsburg endete für zahlreiche Fans des 1. FC Köln erst am Sonntagmorgen. Der ICE 844 von Berlin nach Köln, mit rund 400 FC-Fans sowie auch Vize-Präsident Carsten Wettich an Bord, konnte seine Fahrt kurz vor dem Hauptbahnhof Hannover infolge eines Unfalls nicht fortsetzen. Gegen 3 Uhr fand auf offener Strecke eine Evakuierung statt.

Was war passiert? Ein 19-jähriger betrunkener Autofahrer verlor auf einer Bahnüberführung in Hannover-Kleefeld die Kontrolle über seinen Peugeot und überschlug sich. Das Fahrzeug erwischte einen tonnenschweren Betonpoller und schleuderte diesen auf die Gleise, wo sich gerade der ICE mit den Kölner Anhängern auf der Heimreise befand.

Schaffner berichtet Unglaubliches

Doch diese Fahrt endete abrupt. Über die Durchsagen an Bord erfuhren die insgesamt rund 900 Bahnpassagiere das schier Unglaubliche: „Wir sind gerade unter einer Brücke durchgefahren“, berichtete ein Zugbegleiter: „Zeitgleich gab es auf der Brücke einen Autounfall. Die umherfliegenden Trümmerteile haben vorne in der Frontscheibe und wohl auch am Zug mehrere Beschädigungen verursacht. Beim Lokführer gab es einen Einschlag, wir hatten großes Glück, dass da nichts durchgeschlagen ist.“

Polizei und Feuerwehr wiederum berichteten später davon, dass eine beschädigte Oberleitung die Weiterfahrt verhinderte. Fakt ist: Die 400 FC-Fans sowie die 500 weiteren Reisenden mussten von 23.30 bis 3 Uhr ohne Klimaanlage, Strom und funktionierende Toiletten im Zug ausharren. Es kam zu mehreren medizinischen Notfällen durch Kreislaufprobleme und Dehydrierung.

Viele FC-Fans erst 8.25 Uhr zurück in Köln

Das Unterfangen, den Zug abzuschleppen, misslang. Gut dreieinhalb Stunden nach dem Unfall, als die zunächst erstaunlich gelassene Stimmung an Bord zu kippen drohte, wurde der ICE schließlich auf offener Strecke evakuiert. Die Reisenden pilgerten in der Dunkelheit durch das Gleisbett zum gut 500 Meter entfernten S-Bahnhof Hannover-Kleefeld, von wo aus es mit Bussen zum Hauptbahnhof weiterging. Von dort aus erreichte die Vielzahl der FC-Fans den Kölner Hauptbahnhof schließlich gegen 8.25 Uhr.

FC-Vize Carsten Wettich war mit seiner Familie an Bord des ICE. (Foto: instagram.com/carstenwettich)
FC-Vize Carsten Wettich war mit seiner Familie an Bord des ICE. (Foto: instagram.com/carstenwettich)

Bereits vor dieser Horror-Heimfahrt hatten die Anhänger der Geißböcke einen chaotischen Bahn-Tag erlebt. Schon auf der Hinreise war es durch einen Brand in einem Sicherungskasten zu einer Stellwerk-Störung und dadurch zu massiven Verspätungen und Zugausfällen zwischen Hannover und Berlin gekommen. Ein Polizei- und Notarzteinsatz verschärfte die Lage zusätzlich.

Noch während des Spiels in der Wolfsburger Volkswagen Arena kündigten sich auch für die Rückfahrt deutliche Verspätungen an. Der heillos überfüllte ICE 844 fuhr letztlich erst 22.51 Uhr und nicht wie geplant 18.53 Uhr aus der Autostadt ab. Kölner Fans wurden gebeten, auf einen Folgezug auszuweichen, der letztlich nahezu zeitgleich aufbrach. Vergessen wird diese Auswärtsfahrt so schnell wohl niemand.

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