Der 1. FC Köln hat beim VfL Wolfsburg in einer verrückten Partie einen Punkt erkämpft. Die Geißböcke kassierten in der neunten Minute der Nachspielzeit das 2:3, glichen in der 14. Minute der Nachspielzeit aber noch zum 3:3 (1:1)-Endstand aus.
Aus der Volkswagen Arena berichtet Martin Zenge
Als Schiedsrichter Bastian Dankert um 15.30 Uhr zum ersten Mal an diesem Nachmittag in seine Pfeife blies, um das Gastspiel des 1. FC Köln beim VfL Wolfsburg zu eröffnen, dürften nicht wenige Fans der Geißböcke die Fußball-App ihrer Wahl gezückt haben, um sich einen Screenshot zu sichern.
Denn in diesem Moment übernahm der FC in der Live-Tabelle die Spitzenposition – ein Anblick, der sich in der jüngeren Vergangenheit zumindest in der Bundesliga nicht allzu oft geboten hatte. Knapp eine Stunde lang thronte die Mannschaft von Lukas Kwasniok über dem Rest der Liga. Am Ende landete der FC dank eines irren Punktgewinns zumindest bis Samstagabend auf Platz zwei.
Tore und Highlights
1. Minute: Eintracht Frankfurts 1:3-Niederlage bei Bayer Leverkusen und die Tatsache, dass Bayern München erst am Abend gegen den Hamburger SV gefordert ist, führten dazu, dass der 1. FC Köln – das dritte Team, das seine ersten beiden Bundesliga-Partien gewonnen hatte – als Tabellenführer in das Spiel startete. Natürlich ließen es sich die FC-Fans nicht nehmen, umgehend „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ zu skandieren.
5. Minute: Und die FC-Fans durften weiterfeiern! Marius Bülter bediente mit einer flachen Hereingabe von der linken Seite Jan Thielmann, der aus 13 Metern zwar zunächst an VfL-Keeper Grabara scheiterte, doch der Ex-Wolfsburger Luca Waldschmidt staubte im Fünfmeterraum zum 1:0 ab. Ein Traumstart.

24. Minute: Mit mehr Ballbesitz und der deutlich besseren Passquote hatte der FC das Geschehen im Griff. Ohne eine nennenswerte Chance der Wölfe ging es in die Kabinen – allerdings nicht zur Halbzeit, sondern aus Sicherheitsgründen. Weil starker Regen, Blitz und Donner einsetzten, unterbrach Schiedsrichter Dankert die Partie für zehn Minuten.
42. Minute: Nach der Gewitterpause übernahm Wolfsburg die Initiative und glich aus. Aus Kölner Sicht war das 1:1 gleich in mehrfacher Hinsicht komplett unnötig. Erst verlor Sebastian Sebulonsen den Ball auf Höhe des eigenen Strafraums und wusste sich nur durch ein Foul zu helfen. Den anschließenden Freistoß brachte Arnold dann in den Fünfmeterraum, wo sich Mohamed Amoura gegen den 21 Zentimeter größeren (!) Rav van den Berg im Kopfballduell durchsetzte. Ein Gegentor, das so niemals fallen darf. Da Dortmund parallel in Heidenheim führte, war die Kölner Tabellenführung nach genau 52 Minuten wieder futsch.
56. Minute: Der FC jubelte über das vermeintliche 2:1, wurde aber zurückgepfiffen. Der zur Pause eingewechselte Isak Johannesson flankte einen Freistoß aus dem Halbfeld in den Wolfsburger Strafraum, wo Bülter mit Hilfe des rechten Innenpfostens traf. Der Linienrichter hob die Fahne wegen Abseits, doch eine fünfminütige Überprüfung des Tores führte zu einer anderen Entscheidung – Offensiv-Foul. Joël Schmied hatte Wimmer in den Sechzehner geschubst, dadurch hatte der Wolfsburger das Abseits aufgehoben. Es blieb beim 1:1.
65. Minute: Allerdings nur ein paar Minuten. Der VfL kombinierte sich in den Kölner Strafraum, Maehle bediente von der Grundlinie aus Lovro Majer, der aus vier Metern keine Probleme hatte, zum 1:2 einzuschießen. Der erste Rückstand der Bundesliga-Saison.
90+1. Minute: Der FC stemmte sich aber gegen die Niederlage. Die erste Chance auf den Ausgleich hatte der eingewechselte Said El Mala nach einem feinen Solo, als er im letzten Moment von Arnold geblockt wurde. Dann wurde gerade die 14-minütige Nachspielzeit angezeigt, als eben jener El Mala erneut anzog. Gegen vier Wolfsburger sprintete er über links in den Strafraum, passte perfekt in den Rückraum, wo Isak Johannesson mit links ins lange Eck einschob – der 2:2-Ausgleich.
90+9. Minute: Doch Wolfsburg versuchte es auch noch einmal, wollte zum 80-jährigen Vereinsjubiläum unbedingt einen Sieg. Dann beging Eric Martel ein verhängnisvolles Foul an der Strafraumkante. Maxi Arnold trat zum Freistoß an und schlenzte den Ball perfekt über die Mauer und auch über Marvin Schwäbe hinweg ins Torwarteck. Das 2:3. War das die FC-Niederlage?
90+14. Minute: Nein! Denn der FC ist in dieser Saison offenbar die Mannschaft für die späten Momente. In der 14. Minute der Nachspielzeit brachte Johannesson den Ball aus dem Halbfeld in Richtung Fünfmeterraum. Dort setzte sich der ebenfalls eingewechselte Ragnar Ache im Kopfballduell durch und machte das, was er schon gegen Regensburg perfekt gemacht hatte: Er köpfte kontrolliert zu Jakub Kaminski – und ausgerechnet der Leih-Wolfsburger schoss mit rechts aus sieben Metern zum 3:3-Endstand ein.
Personal
So spielte der FC: Schwäbe – Schmied, van den Berg (71. Kainz), Hübers – Sebulonsen (64. Castro-Montes), Martel, Lund (78. Ache) – Thielmann (64. S. El Mala), Kaminski – Waldschmidt (46. Johannesson), Bülter.
Zur Aufstellung: Der dritte Bundesliga-Spieltag und der dritte Systemwechsel von Lukas Kwasniok. Im Vergleich zum 4:1 gegen den SC Freiburg rückten Joël Schmied und Luca Waldschmidt für Denis Huseinbasic und den unter der Woche angeschlagenen Isak Johannesson in die Startelf. Mit Innenverteidiger Schmied kehrte der FC zur Dreierkette zurück, Waldschmidt begann in der Spitze neben Marius Bülter. So ergab sich ein 3-3-2-2-System.
Fazit
Was für ein Spiel! Der 1. FC Köln hat sich zwar von einer Gewitterpause, aber nicht von einem zweimaligen Rückstand aus dem Konzept bringen lassen. In Wolfsburg startete der FC stark und blieb auch noch ruhig, als die Niederlage drohte. Bis zum Schluss. Bis zur 104. Minute. Es war eine charakterstarke Leistung, nerven- und willensstark. In Wolfsburg so spät zweimal zurückzukommen, zeigt die aktuelle Verfassung des FC unter Kwasniok. So geht der Ungeschlagen-Lauf der Kölner weiter. Wohl als Tabellendritter, nach dem erwartbaren Sieg der Bayern gegen den HSV.







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