„Vollstes Vertrauen“: Ache über speziellen FC-Plan, Nationalelf und Manchester-Anruf

FC-Stürmer Ragnar Ache ist mit seinem Start beim FC zufrieden. (Foto: Bucco)
FC-Stürmer Ragnar Ache ist mit seinem Start beim FC zufrieden. (Foto: Bucco)

Ragnar Ache wartet noch auf sein erstes Tor für den 1. FC Köln. Im GEISSBLOG-Interview erklärt der Stürmer, warum er dennoch nicht nervös wird, welchen Plan der FC mit ihm verfolgt – und warum er, anders als in der Vergangenheit, nicht mehr auf einen Anruf von Manchester United wartet.

Das Interview führten Sonja Gauer, Linda Dragovic und Martin Zenge

GEISSBLOG: Herr Ache, wissen Sie, gegen welchen Trainer Sie in Ihrer Karriere bislang die meisten Tore erzielt haben?

RAGNAR ACHE: (überlegt) „Ich würde sagen, gegen unseren Trainer. Gegen ihn habe ich schon viele Tore geschossen.“

Genau. In vier Spielen mit Kaiserslautern gegen Paderborn waren es genau vier Treffer.

„Nur vier? Ich hätte gedacht, es sind sogar noch mehr (lacht).“

Ache kann es kaum erwarten: „Ich will Tore schießen“

Wie groß ist Ihre Sehnsucht, jetzt auch mal für Kwasniok – also für den 1. FC Köln – zu treffen?

„Ich kann es kaum erwarten, aber ich denke nicht zu viel darüber nach. Auch in den letzten Jahren gab es Phasen, in denen ich ein paar Spiele hintereinander nicht getroffen habe.“

Vier Assists sind Ihnen bereits gelungen. Sind Vorlagen für Sie als Angreifer ähnlich wertvoll wie Tore?

„Noch lieber schieße ich Tore. Jeder weiß doch, wie es ist: Daran wird man als Stürmer einfach gemessen. Assists sind natürlich wichtig und schön – aber ich will Tore schießen.“

Beim 1:3 in Leipzig bot sich die größte Chance auf Ihren ersten FC-Treffer. Konnten Sie die Szene schnell abhaken?

„Relativ schnell, ich habe nicht viel darüber nachgedacht. Ich glaube, ich habe die Situation im Spiel auch anders wahrgenommen als sie im Fernsehen wirkte. Meine Schritte waren etwas komisch, ich habe einen kleinen Hüpfer gemacht – und ich bin auch kein Linksfuß.“

Nach der letzten Saison in Lautern wusste ich: Okay, das ist der nächste Schritt, der wird intensiver – da brauche ich ein Umfeld, in dem ich mich wohlfühle.

Ragnar Ache über seinen FC-Wechsel

Wie ordnen Sie den Saisonstart für sich persönlich ein?

„Gut. Ich bin fit und war in allen Spielen dabei. Vor allem, dass sich mein Körper so gut anfühlt, stellt mich zufrieden.“

Als Sie beim FC unterschrieben haben, war der Trainer noch gar nicht gefunden. Eine mutige Entscheidung?

„Auf der einen Seite mag das mutig gewesen sein. Auf der anderen Seite dachte ich einfach: Hier stimmt alles. Auch abseits des Sportlichen, ich lebe nah an meiner Familie in Holland, zudem ist hier in Köln mit Fabian Jöck am 360Campus der Personal-Trainer meines Vertrauens. Nach der letzten Saison in Lautern wusste ich: Okay, das ist der nächste Schritt, der wird intensiver – da brauche ich ein Umfeld, in dem ich mich wohlfühle. Auch der Austausch mit dem athletischen Team des FC war direkt top. Wir haben schon weit vor der Saison darüber geredet, wie der Plan für mich aussehen kann.“

Aches Plan für den Bundesliga-Durchbruch

Wie sieht dieser Plan aus?

„Ich bin jeden Tag beschäftigt, nicht nur wenn wir gemeinsam trainieren. Morgens mache ich einen 20-minütigen Lauf und dann Übungen im Gym. Nach dem Training auf dem Platz geht es im Kraftraum weiter. Diese Routinen zählen für mich zu den wichtigsten Dingen überhaupt. Ich will nicht so häufig verletzt sein wie in Kaiserslautern. Ich habe das Gefühl, dass ich hier in Köln noch professioneller betreut werde. Hier werde ich bei allem begleitet.“

In der vergangenen Saison haben Sie nur vier Spiele komplett verpasst, waren aber häufiger angeschlagen. Generell wurden Sie in Ihrer Karriere immer wieder von Verletzungen gebremst.

„In Frankfurt war ich fast zwei Jahre lang verletzt. In Fürth habe ich anschließend ein ganzes Jahr gespielt – aber dann kamen die zwei Jahre in Kaiserslautern, wo sich Spiele und Verletzungen abgewechselt haben.“

Gab es eine Ursachenforschung zu den vielen Verletzungen?

„In Frankfurt sind wir nie dahintergekommen. In Lautern war es am Anfang Pech, weil ich umgeknickt bin. Dann hat immer mal wieder ein Muskel gezwickt. Teilweise habe ich zu früh mit dem Training angefangen. Im ersten Jahr waren wir in einer brenzligen Situation, waren bis zum Ende im Abstiegskampf – ich konnte nicht ganz fit werden, die Mannschaft hat mich gebraucht. Vor dem zweiten Jahr hatte ich keine Sommervorbereitung, weil ich meine Achillessehne geschont habe. Beim FC konnte ich nun endlich wieder eine ganze Vorbereitung mitmachen.“

Wir bauen das Pensum weiter stetig auf, sodass ich mich nach dem Winter hoffentlich top-top fühle.

Ragnar Ache über seinen Plan beim FC

Merken Sie nach den ersten Monaten in Köln bereits, dass sich Ihr Körper besser anfühlt?

„Ja. Ich fühle mich fitter, das merke ich auch auf dem Platz in den Spielen. Wir bauen das Pensum weiter stetig auf, sodass ich mich nach dem Winter hoffentlich top-top fühle. Bei den Läufen habe ich mit einer gewissen Geschwindigkeit angefangen, die steigern wir nach vier Wochen immer wieder. Im Krafttraining steigern wir das Gewicht.“

Können Sie vor diesem Hintergrund gut damit leben, dass Sie bislang erst einmal in der Startelf standen?

„Absolut. Die Mannschaft ist sowieso am wichtigsten. Und ich weiß, dass es für die Gegner eklig ist, wenn sie müde sind und ich ins Spiel komme. Wie gesagt: Ich mache hier in Köln viele neue Sachen, um meinen Körper zu stabilisieren. Ich habe vollstes Vertrauen, dass die Tore kommen, wenn mein Körper sich daran gewöhnt hat. Ich selbst mache mir keinen Stress.“

Europa League und Olympia: Aches Highlights

Beim FC sind Sie einer von zwölf Neuzugängen. Erleichtert es die Eingewöhnung, wenn die Hälfte der Mannschaft neu ist?

„Es hat schon geholfen, dass mehrere neue Jungs dazugekommen sind. Aber ich war der erste Neue – und als die anderen dazugekommen sind, dachten die meisten, dass ich schon mehrere Jahre hier bin (lacht).“

Während Ihrer Zeit in Kaiserslautern haben Sie in Ihrer Heimatstadt Frankfurt gelebt. Wie gefällt es Ihnen nun in Köln?

„Top, ich fühle mich sehr wohl. In Kaiserslautern zu wohnen, ist anders als in Frankfurt. Auf dieses Hin und Her hatte ich keine Lust mehr, in Köln kann man gut leben.“

Als Elfjähriger sind Sie mit Ihrer Mutter und Ihrem Stiefvater in die Niederlande gezogen, wo Sie später auch den Sprung in den Profi-Fußball geschafft haben. Können Sie mit Rav van den Berg Niederländisch sprechen?

„Fließend! Mein Niederländisch ist wahrscheinlich besser als mein Deutsch. Als ich Rav das erste Mal getroffen habe, hat er mit mir Englisch gesprochen, weil er nicht wusste, dass ich Holländisch spreche. Er hat sich total gefreut und so schneller zu Hause gefühlt.“

Ich möchte an der Stelle mal sagen: Ich spreche Deutsch. Jeder redet Englisch mit mir – ob es Schiedsrichter, Fans oder Gegner sind.

Ragnar Ache

Mussten Sie sich nach Ihrer Rückkehr aus den Niederlanden, 2020 zu Eintracht Frankfurt, eigentlich wieder an die deutsche Sprache gewöhnen?

„In Holland habe ich nur mit meiner Schwester Deutsch gesprochen. Als ich zurückgekommen bin, hatte ich einen ganz starken holländischen Akzent, das hat man auch in meinen Interviews in Frankfurt gehört (lacht). Aber ich möchte an der Stelle mal sagen: Ich spreche Deutsch. Jeder redet Englisch mit mir – ob es Schiedsrichter, Fans oder Gegner sind. Ich weiß nicht, warum die Leute immer denken, dass ich kein Deutsch kann.“

Sie sind zwar erst 27 Jahre alt, haben in Ihrer Karriere aber schon einiges erlebt. Olympia in Tokio mit der DFB-Auswahl, der Europa-League-Titel mit Eintracht Frankfurt, das Pokal-Finale mit Kaiserslautern – was war bislang Ihr persönliches Highlight?

„Die Europa League. Schon das Viertelfinale in Barcelona war geil, und im Finale war dann noch mal eine ganz andere Spannung drin. Du bist so nah dran am Titel. Wir waren damals der Favorit gegen die Rangers – und wollten das Ding natürlich auch gewinnen. Es war schade, dass ich nicht gespielt habe, in so ein Finale kommt man fast nie – aber es war trotzdem ein unvergesslicher Tag. Wie wir ins Stadion gefahren sind, vorbei an den ganzen Fans. In der Kabine waren Fotos von jedem Spieler aufgehängt. Dann das Spiel mit der Entscheidung im Elfmeterschießen. Das war schon die geilste Erfahrung meiner Karriere bislang.“

Länderspiele für Ghana? “ Gucken wir mal“

Im Viertelfinale in Barcelona haben Sie gespielt. Bei Ihrer Einwechslung nach 90 Minuten stand es 3:0 für die Eintracht …

„… und dann ging es 3:2 aus. Aber damit hatte ich als Stürmer nichts zu tun (lacht). Ein Fernschuss von Busquets und ein Elfmeter. Die Erfahrung im Camp Nou war besonders. Ich weiß noch, wie ich zu Beginn auf der Bank saß, das Spiel gesehen habe – und im Hintergrund sind Tausende Fans in Weiß gesprungen. Im Gästeblock und zwischen den Barcelona-Fans, überall waren Eintracht-Fans. Ein sehr geiles Gefühl.“

Sie sind gebürtiger Frankfurter, nach dem Karrierestart in den Niederlanden war die Eintracht Ihre erste Station in Deutschland. Wie ordnen Sie Ihre Zeit dort ein?

„Es war eine lehrreiche Zeit, ich habe meinen Körper kennengelernt – über die Verletzungen haben wir bereits gesprochen. Vor den Fans habe ich aufgrund der Corona-Pandemie leider nicht viel gespielt. Insgesamt war es schade, dass alles so gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Ich habe daraus gelernt.“

Nationaltrainer Otto Addo hat mir mal eine Einladung in Aussicht gestellt, aber seitdem habe ich nichts mehr gehört.

Ragnar Ache über Einsätze für Ghana

Apropos Pandemie: Ihre Olympia-Teilnahme 2021 in Tokio war ebenfalls von Corona gezeichnet. 

„Leider ja, nur beim letzten Spiel waren ein paar Fans im Stadion. Wir durften vor Ort eigentlich nichts machen, durften nicht aus dem Hotel raus. Es gab nur Training, Essen, Zimmer – das war’s.“

Dabei haben Sie eine große Leidenschaft für das Land Japan und Anime. Hatten Sie diese Vorliebe schon vor Olympia?

„Ja, aber ich war bis dahin zu faul, mal dorthin zu fliegen (lacht). Nach Olympia habe ich mir gesagt: Okay, ich muss unbedingt noch mal zurückkommen.“

Die Familie Ihrer Mutter stammt aus Ghana. Gab es mal Kontakt zum dortigen Verband? Könnten Sie sich vorstellen, für Ghana zu spielen?

„Nationaltrainer Otto Addo hat mir mal eine Einladung in Aussicht gestellt, aber seitdem habe ich nichts mehr gehört. Gucken wir mal. Wie groß meine Chancen sind, kann ich nicht einschätzen. Ausschließen möchte ich das auf keinen Fall.“

BVB und Bayern: „Das sind auch nur Fußballer“

Die Bundesliga könnte Ihnen als Bühne dienen. Was ist mit dem FC in dieser Saison möglich?

„Das ist schwer zu sagen. Wenn es am Anfang gut läuft, sagen alle, dass viel möglich ist. Aus meiner Sicht ist es wichtiger, hintenraus zu punkten, um dann nicht abzurutschen. Dennoch: Elf Punkte nach sieben Spielen sind vor allem als Aufsteiger top. So müssen wir weitermachen.“

Die nächsten Gegner heißen Dortmund und Bayern. Ist die Vorfreude größer als bei anderen Partien?

„Nein, nicht wirklich. Für diese Spiele gibt es nicht mehr Punkte, das sind auch nur Fußballer – natürlich auf einem anderen Niveau.“

Wenn ich mich irgendwo wohlfühle und spiele, würde ich vielleicht sagen: Ich bleibe hier.

Ragnar Ache über die Premier League

Wenn wir noch weiter in die Zukunft schauen: Ihr großer Traum ist, eines Tages in England zu spielen. Was reizt Sie so sehr an der Premier League?

„Das ist die größte Liga der Welt, die beste Liga der Welt. Aber: Die Fans in Deutschland sind besser.“

Gibt es einen speziellen Verein, von dem Sie träumen?

„Früher war es Manchester United. Aber inzwischen hat man das Gefühl, dass es jeder Spieler, der dorthin wechselt, schwer hat. Selbst ein Casemiro, der bei Real Madrid so überragend war.“

Heißt also, wenn Manchester United anruft, würden Sie nicht rangehen?

„Die Frage ist fies (lacht). Das kommt darauf an, wer alles aus der Premier League anruft – und natürlich darauf, wie meine aktuelle Situation ist. Wenn ich mich irgendwo wohlfühle und spiele, würde ich vielleicht sagen: Ich bleibe hier. Und wie gesagt, in Köln fühle ich mich sehr wohl.“

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