„Wir hinterfragen uns“: Hat Kwasniok zu früh gewechselt?

Lukas Kwasniok an der Seitenlinie beim Spiel gegen den BVB. (Foto: IMAGO / Herbertz)
Lukas Kwasniok an der Seitenlinie beim Spiel gegen den BVB. (Foto: IMAGO / Herbertz)

Der 1. FC Köln hat die Schlussphase gegen Borussia Dortmund in Unterzahl bestreiten müssen. Das Wechselkontingent war zum Zeitpunkt der Verletzung von Timo Hübers bereits ausgeschöpft. Warum hat Lukas Kwasniok so früh alle Wechsel vollzogen?

Zum Beginn der zweiten Halbzeit im Signal Iduna Park nahm Lukas Kwasniok einen spieltaktischen Wechsel vor. Marius Bülter blieb in der Kabine, dafür brachte der Trainer Tom Krauß. Damit wollte Kwasniok die Defensive in dem Wissen stärken, dass der BVB mit zunehmender Spieldauer immer aggressiver auf das Kölner Tor stürmen würde.

Nach nur zehn Minuten im zweiten Durchgang mussten die Kölner dann zwangsweise erneut wechseln. Cenk Özkacar hatte bei seinem ersten Startelf-Einsatz in der Bundesliga sein Kräfte-Limit erreicht und mit Krämpfen gebeutelt nicht weiterspielen können. Für ihn kam schließlich Dominique Heintz in die Partie. Und als der Druck des BVB immer stärker wurde, tauschte Kwasniok in der 72. Minute gleich dreifach.

Dreifach-Wechsel zu früh gezogen?

Zwar hielten die frischen Kräfte dem Dauer-Druck der Dortmunder lange Zeit Stand, doch das frühe Ausschöpfen des Wechsel-Kontigents brachte auch ein Problem mit sich: Nach der schweren Verletzung von Timo Hübers konnte der FC keinen Einsatz mehr auf das Feld schicken. Die Kölner mussten die letzten Minuten in Unterzahl agieren – und fingen sich tief in der Nachspielzeit das entscheidende Tor zur 0:1-Niederlage.

Entsprechend musste sich Kwasniok nach dem Schlusspfiff der Frage stellen, ob er nicht zu früh all seine Joker gezogen hatte. Überraschend kam diese Anmerkung für den FC-Coach nicht, auch Kwasniok hatte sich die Frage bereits gestellt. Doch der 44-Jährige blickte nicht mit Bedauern auf diese Entscheidung, hätte es nämlich nichts geändert, wenn er in der 72. Minute nur doppelt gewechselt hätte.

Frühe Wechsel keine Seltenheit beim FC

„Die Verletzung von Hübers ereignete sich in der 82. Minute – wir hätten den fünften Wechsel sicherlich schon davor getätigt. Insofern ist es hypothetisch“, erklärte Kwasniok nach dem Schlusspfiff. Nichtsdestotrotz sei es „aber schon so, dass wir uns hinterfragen, ob die Dinge, die wir machen, richtig sind.“ Zum Zeitpunkt der Einwechselung von Ragnar Ache, Linton Maina und Joel Schmied wollte Kwasniok „sechs frische Beine auf dem Feld haben, weil die Dortmunder uns nach hinten gedrängt haben.“ Bis zur Verletzung von Hübers und dem späten Knockout sei das Vorhaben auch „ganz ordentlich aufgegangen.“

Dabei waren die Kölner Wechsel in Dortmund überhaupt nicht früher als gewöhnlich. Bislang hat Kwasniok in allen acht Bundesliga-Spielen seinen komplettes Wechsel-Kontingent ausgeschöpft. Der Trainer greift dabei häufig auch auf einen Dreifach-Wechsel zurück. Und nur in zwei Spielen (gegen Hoffenheim und Stuttgart) hätte Kwasniok zum Zeitpunkt der Hübers-Verletzung in der 82. Minute noch eine Wechsel-Option zur Verfügung gehabt.

Dabei ist die Taktik bislang vollends aufgegangen: Mit sieben Torbeteiligungen von Jokern liegt der FC nach Spieltagen auf Rang zwei. Nur Vincent Kompany hat bei den Bayern mit inzwischen acht Torbeteiligungen von Einwechselspielern ein noch goldeneres Händchen. Für den FC war die vergleichsweise späte Verletzung von Timo Hübers am Samstagabend also schlichtweg unglücklich.

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