Es war ein Derby der Elfmeter: Während sich der 1. FC Köln nach dem 1:3 in Gladbach über das doppelte Einschreiten des Video Assistant Referee (VAR) ärgerte, war Deniz Aytekin froh über die Meldungen aus dem Kölner Keller. So erklärte der Schiedsrichter die Strafstoß-Entscheidungen.
In den Farben getrennt, in der Abneigung gegen den VAR vereint: Die beiden Derby-Trainer Lukas Kwasniok und Eugen Polanski haben nach der Niederlage des 1. FC Köln bei Borussia Mönchengladbach jeweils deutliche Kritik am Videobeweis geäußert (der GEISSBLOG berichtete). Zweimal war Schiedsrichter Deniz Aytekin zur Seitenlinie zitiert worden, zweimal hatte es Elfmeter für die Fohlen gegeben.
Thomas Kessler fand am Samstagabend zwar diplomatischere Worte zum VAR als Kwasniok („Ich hasse ihn“), war mit dem Vorgehen aber ebenfalls nicht ganz einverstanden. „Ich finde, wir sollten die Diskussion führen, wann der VAR eingreifen soll und wann nicht. Wenn wir einen der besten Schiedsrichter auf dem Platz haben, sollten wir besprechen, wann es eine klare Fehlentscheidung ist“, erklärte der FC-Sportdirektor nach Abpfiff.
Kessler: „Argumente für beide Sichtweisen“
Als Kölner sitze man auf der Couch und sage, dass es keine Elfmeter waren. Aus Gladbacher Sicht wiederum seien es „klare Elfmeter“ gewesen. „Das zeigt, dass oft Kleinigkeiten entscheiden“, meinte Kessler und gab zu: „Ich finde, bei beiden Elfmetern findet man für beide Sichtweisen Argumente.“
Aber: Aytekin hatte auf dem Feld nun mal jeweils nicht auf Elfmeter entschieden. „Ich halte ihn für einen der besten Schiedsrichter, die wir in Deutschland haben. Ich freue mich jedes Mal, wenn er uns pfeift“, lobte Kessler und warb dafür, mehr darauf zu setzen, was solch ein Top-Schiedsrichter auf dem Rasen entscheidet.
Warum es letztlich zweimal Elfmeter gab – erst nach Kristoffer Lunds Foul an Honorat (43.) und dann nach dem unglücklichen Handspiel des Linksverteidigers (60.) – ließ sich Kessler nach Abpfiff noch einmal von Aytekin persönlich erläutern und berichtete anschließend: „Wenn ich die Kommunikation nach dem Spiel sehe, zeigt das einfach, dass der Mann Klasse hat.“
Aytekin erklärt sich
Für die Öffentlichkeit sprach der Unparteiische bei Sky und gab sich durchaus selbstkritisch: „Ich ärgere mich, weil ich diese Sachen alle selber sehen will. Dafür ist man Schiedsrichter und man will auf dem Platz die richtige Entscheidung treffen.“ Er und seine Mitstreiter gingen deswegen „nicht nach Hause und denken uns: Na toll, alles war super“. Doch anders als Kwasniok zeigte sich Aytekin „dankbar, dass es den Video-Assistenten gibt“. Am Samstagabend hatte Benjamin Cortus diesen Job inne.
Warum gab es zwei Elfmeter für die Fohlen, obwohl Aytekin auf dem Rasen zunächst hatte weiterlaufen lassen? Zum Zweikampf zwischen Lund und Honorat sagte der 47-Jährige: „Im Oberkörperbereich ist es kein Strafstoß, niemals. Aber als ich draußen stand, hat man mir Bilder gezeigt: Der Kölner Spieler trifft ihn eindeutig am Knie. Von meiner Perspektive sieht es wie kein Strafstoß aus, aber dann zeigt man mir die Bilder: klarer Knietreffer.“
Es ist ein harter Elfmeter. Ich weiß nicht, ob ich den bei 0:0 gebe.
Deniz Aytekin über den FC-Strafstoß
Und der Hand-Elfmeter? „Am Anfang hat der Spieler keine Orientierung und dann kommt diese Bewegung in Richtung Ball. Das sieht sehr unglücklich aus und am Ende ist es für mich zu klar gewesen, dass der Ball runterfliegt. Erst orientiert er sich, dann kommt diese Bewegung. Diese Bewegung kann er vielleicht weglassen.“ Auf dem Feld war Aytekin zunächst die Sicht auf die Szene versperrt gewesen. Nach einem Blick auf die TV-Bilder lag aus seiner Sicht erneut eine klare Fehlentscheidung vor.
Kwasniok: FC-Elfmeter „völlig falsch bewertet“
Der schmeichelhafteste Strafstoß des Abends, das gehört auch zur Wahrheit, ging in der Nachspielzeit an den FC. Lukas Ullrich hatte Ragnar Ache vor einem Kopfball minimal geschubst. „Es ist ein harter Elfmeter. Ich weiß nicht, ob ich den bei 0:0 gebe. Ist alles theoretisch, aber es ist ein harter Elfmeter, wenn ich das so sehe“, gab Aytekin freimütig zu.
Auch wenn der Ehrentreffer von Luca Waldschmidt keinen Einfluss mehr auf die Punkteverteilung hatte, merkte Gladbach-Trainer Polanski an: „Das 3:1 war auf gar keinen Fall ein Elfmeter. Die Dramatik, die am Ende noch mal reinkommt, hat der Schiedsrichter reingebracht. Das darf er nicht pfeifen.“ Auch in diesem Punkt waren die Trainer gleicher Meinung, denn Kwasniok sah die Szene ebenfalls „völlig falsch bewertet“, ergänzte: „Das ist einfach kein Elfmeter, da muss man nicht lange drum herumreden.“








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