Martel verhindert Derby-Pleite – und fliegt! Reicht Kwasniok dieser Punkt?

Eric Martels Jubel nach dem 3:3. (Foto: Bucco)
Eric Martels Jubel nach dem 3:3. (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln ist der zweiten Derby-Niederlage dieser Saison knapp entgangen. Nach einem rasanten rheinischen Duell mit wechselnden Führungen trennten sich die Geißböcke und Borussia Mönchengladbach mit 3:3 (2:2). Ist dieser Punkt genug für den in der Kritik stehenden Lukas Kwasniok?

Aus dem RheinEnergieStadion berichten Sonja Gauer, Marc L. Merten und Martin Zenge

Das Aufwärmprogramm war gerade beendet, noch knapp 20 Minuten blieben bis zum Anpfiff des rheinischen Derbys, da versammelten sich die Profis des 1. FC Köln geschlossen vor der Südkurve. Nur zwei Siege aus 17 Spielen, immer größere Abstiegsgefahr, ein Trainer in Bedrängnis und den Erzfeind vor der Brust – vor diesem wohl wichtigsten aller Heimspiele ergriff Stephan Schell das Wort, um die Mannschaft einzuschwören.

„Heute müssen wir zusammenhalten“, forderte der Wilde-Horde-Capo und machte klar: „Ihr spielt nicht für oder gegen irgendwelche Leute – ihr spielt verdammt noch mal für den 1. FC Köln! Das ist unser Spiel!“ Von Schells emotionalen Worten und dem frenetischen Beifall der Südkurve angezündet, gingen die Geißböcke in dieses 100. Bundesliga-Derby – und erlebten einen ganz frühen Dämpfer.

Tore und Highlights

1. Minute: Genau 28 Sekunden waren gespielt, da lag der Ball vor der Südkurve im Netz. Durch einen Gladbacher Blitzstart geriet der FC mit 0:1 in Rückstand. Im Mittelpunkt: Startelf-Debütant Cenny Neumann, der kurzfristig für den verletzten Tom Krauß in die Startelf rutschte. Honorat flankte in den Lauf von Jens Castrop, der Ex-Kölner schüttelte den viel zu zögerlichen Neumann mühelos ab und traf frei vor Schwäbe mitten ins FC-Herz.

4. Minute: Ein Schock? Nein! Der FC antwortete umgehend, glich mit der ersten eigenen Chance aus. Isak Johannesson spielte von der Mittellinie einen sensationellen Pass auf den durchstartenden Said El Mala. Kölns Top-Scorer nahm die Kugel mit rechts an und schloss aus der Drehung sofort ab – das 1:1, sein zehntes Saisontor.

7. Minute: Und der FC machte weiter. Nach einem Einwurf auf Höhe des Gladbacher Strafraums spielte Kristoffer Lund aus dem Zentrum heraus rechts raus auf Jakub Kaminski. Der Pole schlug von der Grundlinie eine scharfe, flache Hereingabe auf Ragnar Ache, die der Stürmer im Fünfmeterraum nur noch zum 2:1 einschieben brauchte. Derby gedreht, im Eiltempo!

20. Minute: Als sich das Spiel zu beruhigen schien, schlug Gladbach aus dem Nichts zu – und wieder sah Neumann nicht gut aus. Castrop setzte sich im Duell mit dem FC-Youngster durch, spielte von der Torauslinie in den Rückraum, wo der einlaufende Philipp Sander abschloss. Eric Martel stand dem ersten Versuch noch im Weg, doch im Nachschuss glich Sander zum 2:2 aus.

40. Minute: Die 50.000 Fans in Müngersdorf sahen nun ein ausgeglichenes Derby. Für den FC hatten Ache per Kopf und Johannesson aus der Distanz die nächsten Chancen – Gladbach scheiterte am Pfosten. Nach einer zunächst abgewehrten Ecke landete der Ball wieder im Kölner Sechzehner, wo Diks die Kugel wohl eigentlich nur an den zweiten Pfosten weiterleiten wollte. Doch der Ball landete im hohen Bogen am Aluminium.

60. Minute: In einem offenen Derby war es ein absolutes Traumtor, das den FC schockte – und wieder war es die rechte Kölner Abwehrseite, über die Gladbach zum Erfolg kam. Etwas mehr als 20 Meter vor dem FC-Tor wackelte Castrop den erneut zögerlichen Neumann aus, legte sich den Ball auf rechts und schweißte ihn mithilfe der Latte zum 2:3 ins Tor.

84. Minute: Kwasniok schöpfte alle Wechsel aus, doch der FC kam zunächst nur zu Halbchancen. Dann aber flankte einer der fünf Eingewechselten, Florian Kainz, einen Eckball an den Fünfmeterraum, wo Eric Martel am höchsten stieg und zum 3:3 einköpfte.

86. Minute: Zwei Minuten später flog Martel vom Platz! Im Kopfballduell mit Scally fuhr der Torschütze den Ellenbogen aus – zum zweiten Mal an diesem Nachmittag. Martel sah für beide Vergehen Gelb und damit Gelb-Rot. In Unterzahl brachte der FC das 3:3 über die Zeit.

Personal

So spielte der FC: Schwäbe – Neumann (70. Thielmann), van den Berg, Özkacar, Lund – Martel, Johannesson (70. Chavez) – Maina (77. Waldschmidt), Kaminski, El Mala (77. Kainz) – Ache (77. Bülter)

Zur Aufstellung: Für Tom Krauß war der Derby-Nachmittag schon eine halbe Stunde vor Anpfiff beendet, er musste das Aufwärmprogramm vorzeitig abbrechen. Auf dem Weg in die Kabine zeigte Krauß gegenüber Teamarzt Peter Schäferhoff an, dass es Knieprobleme sind, die ihn plagen. Eigentlich sollte der Allrounder zum dritten Mal in Folge als Aushilfs-Rechtsverteidiger beginnen, doch er fiel kurzfristig aus. So kam der 19-jährige Cenny Neumann unverhofft zu seinem Startelf-Debüt. Linton Maina kehrte ebenfalls in die Anfangsformation zurück – die einzige weitere Änderung im Vergleich zum 1:1 in Hamburg.

Fazit

Emotionen, Tore, Karten – dieses Derby hatte alles, was ein Derby verspricht. Das letztlich ein 3:3 auf der Anzeigetafel stand, ging nüchtern betrachtet in Ordnung. Ob dieser eine Punkt für den FC und Lukas Kwasniok im Abstiegskampf genug ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Der Vorsprung auf den Vorletzten Wolfsburg (0:1 gegen Bremen) ist zwar auf fünf Zähler angewachsen. Doch siegt St. Pauli am Sonntag gegen Freiburg, rutscht der FC auf den Relegationsrang ab.

Pfiffe oder Rufe gegen den in der Kritik stehenden Trainer gab es nach Abpfiff nicht, die volle Wut richtete sich auf das Schiedsrichtergespann. Die Südkurve verabschiedete die Mannschaft mit Applaus. Nun darf mit Spannung erwartet werden, wie Thomas Kessler die Lage einschätzt – die Lage im Abstiegskampf und rund um Kwasniok. Unmittelbar nach Abpfiff kündigte der Sportboss bei Sky an, eine Nacht darüber schlafen zu wollen. Fakt ist: Ein Heimspiel wie dieses, gegen schlagbare Gladbacher, muss der FC gewinnen, um die Klasse zu halten. Zwei Siege aus 18 Partien sind einfach viel, viel zu wenig.

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