Der Fluch des eigenen Erfolgs? Die Derby-Niederlage des 1. FC Köln hat gezeigt, wie viel Respekt man in der Bundesliga inzwischen vor den Geißböcken hat – und wo sich der Aufsteiger nun weiterentwickeln muss.
Natürlich ließen sich die Fans von Borussia Mönchengladbach diesen Gesang nicht nehmen. „Die Nummer eins am Rhein sind wir“, skandierten die Fohlen-Anhänger nach dem 3:1-Erfolg gegen den 1. FC Köln. Wenngleich die wenig später auf der Anzeigetafel eingeblendete Tabelle eine ganz andere Sprache sprach. Trotz des Derby-Siegs rangieren die Gladbacher weiterhin deutliche fünf Punkte hinter den Geißböcken.
Der starke Saisonstart des FC war es, der die Mannschaft von Lukas Kwasniok vor dem Derby enteilen ließ. Doch dieser verheißungsvolle Start, die schnelle Entwicklung unter Kwasniok, trug offenbar auch dazu bei, dass die Kölner in Mönchengladbach ihre Probleme hatten.
Kessler: „Es ist lange her …“
Obwohl die Borussia ein Heimspiel hatte, obwohl der FC ein Aufsteiger ist, zog sich die Elf von Eugen Polanski komplett zurück, überließ den Gästen die Initiative. Die vorherigen Kölner Auftritte hatten offensichtlich Eindruck hinterlassen. „Es ist lange, lange her, dass der 1. FC Köln zu Borussia Mönchengladbach gefahren ist, und sie uns den Ball gegeben haben, gestanden haben und eigentlich gar nichts wollten“, merkte Sportdirektor Thomas Kessler an.
Trainer Kwasniok hatte zwar damit gerechnet, „dass Gladbach aufgrund der Gesamtkonstellation darauf bedacht sein wird, Kompaktheit an den Tag zu legen“, ergänzte aber auch: „Wir waren ein wenig überrascht, dass wir so viel Kontrolle hatten.“ Gladbach traute sich nach dem eigenen Fehlstart in die Saison nicht zu, selbst das Spiel zu machen.
Es ist nicht normal, dass du dir als Aufsteiger den Gegner auswärts zurechtlegen musst.
Lukas Kwasniok
„Das ist ein Prozess, den haben wir uns erarbeitet“, stellte Kessler fest, musste allerdings auch einräumen: „Für Gladbach ist der Plan aufgegangen. Wir hatten uns vorgenommen, dominanter zu sein und besser durchzuspielen, haben es aber nicht geschafft, in den Situationen mit Ball viel zu kreieren.“
Die Gladbacher Taktik zeigte einerseits, dass man in der Liga nach nicht mal einem Drittel der Saison bereits gehörigen Respekt vor den zurückgekehrten Geißböcken hat – andererseits aber auch, dass nun die nächsten Schritte vonnöten sind, um erfolgreich zu bleiben.
64 Prozent Ballbesitz, aber die Ideen fehlen
„Es ist nicht normal, dass du dir als Aufsteiger den Gegner auswärts zurechtlegen musst. Das haben sich die Jungs tatsächlich erarbeitet“, so Kwasniok, der trotz der Niederlage festhielt: „Ich glaube, darauf kann man tatsächlich stolz sein.“ Jetzt sei es eben Zeit für „den nächsten Entwicklungsstep“. Und der sei „deutlich schwieriger als über Umschalter zum Erfolg zu kommen“.
Dass der FC im eigenen Ballbesitz noch Luft nach oben hat, hatte der Trainer im bisherigen Saisonverlauf schon mehrfach angemerkt. In Gladbach, wo die Kölner 64 Prozent der Zeit die Kugel kontrollierten, wurde dies insbesondere im ideenlosen ersten Durchgang deutlich. „Daran werden wir arbeiten“, versprach Kwasniok.







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