Der 1. FC Köln hat sich nach dem gelungenen Saisonstart im Tabellenmittelfeld etabliert. Doch trotz der ordentlichen Ausgangslage haben sich im Verlauf der Hinrunde auch erste Herausforderungen gezeigt, die den Club im Winter zum Handeln zwingen.
Aktuell ist Lukas Kwasniok beim 1. FC Köln wöchentlich zum Experimentieren gezwungen. Gegen Werder Bremen musste der Trainer mit Joel Schmied und Ragnar Ache erneut zwei wahrscheinliche Startelf-Kandidaten ersetzen. Nun gesellt sich mit Dominique Heintz ein weiterer Ausfall für die nächsten Wochen hinzu. Diese Misere macht deutlich: Der Kader ist in mehreren Bereichen bereits jetzt am Limit angekommen – und das nicht nur temporär, sondern aufgrund langfristiger Ausfälle und personeller Entwicklungen auch mit Folgen für den restlichen Saisonverlauf.
Am deutlichsten zeigt sich das Problemzentrum in der Innenverteidigung. Mit den schwerwiegenden Verletzungen von Timo Hübers und Luca Kilian fehlen dem FC gleich zwei Verteidiger, die zumindest im Falle des Ex-Kapitäns sowohl sportlich als auch charakterlich eine tragende Rolle einnehmen sollte. Beide Spieler werden dem Club in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehen, zudem laufen beide Verträge Stand jetzt im kommenden Sommer aus.
Verschiebung des Gefüges
Damit jedoch nicht genug: Abgesehen von Cenk Özkacar, ist jeder der sechs Innenverteidiger im bisherigen Saisonverlauf bereits für mehrere Wochen ausgefallen. Der FC muss damit auf einer Position, die Stabilität, Erfahrung und Automatismen benötigt, stetig improvisieren. Dabei bedeutet jede Umstellung immer auch eine Verschiebung des Gefüges. So musste Sebastian Sebulonsen bereits als Innenverteidiger ran. Jakub Kaminski kommt derweil seit Wochen kaum noch auf seiner besten Position zum Einsatz. Ein Zustand, der zumindest für einen Aufsteiger über mehrere Monate nicht tragbar erscheint.
Es spricht daher vieles dafür, dass Sportdirektor Thomas Kessler in der Winterpause aktiv werden muss und wird. Ein Innenverteidiger, der per Leihe mit Kaufoption kommt, könnte die Lücke strategisch schließen. Der FC würde damit nicht nur die akute Personalnot entschärfen, sondern auch schon ein Bauteil für den weiteren Umbruch im kommenden Sommer setzen. Gleichzeitig könnten sich die Verantwortlichen während der Rückrunde in Ruhe anschauen, ob sie ihren beiden Leihspielern Elias Bakatukanda und Julian Pauli die Bundesliga in der kommenden Saison zutrauen.
Auch auf den Schienen fehlt es an Optionen
Doch nicht nur im Zentrum der Abwehr fehlt es an Optionen. Auch die Außenbahnen bereiten zunehmend Sorgen. Kristoffer Lund auf der linken Schiene und Sebastian Sebulonsen auf der rechten Seite sind weitestgehend alternativlos, weil die Tiefe des Kaders bereits dort endet. Jusuf Gazibegovic spielt sportlich keine Rolle mehr, scheint sich auch gedanklich bereits wieder aus Köln verabschiedet zu haben. Linton Maina ist auf der Schienenposition nur eine Notlösung, und Neuzugang Alessio Castro-Montes kämpft weiterhin mit erheblichen Anpassungsproblemen.
Diese Entwicklungen zeigen, wie schnell die Balance kippen kann, wenn nur zwei bis drei Positionen gleichzeitig ausfallen. Für einen Club, der den Klassenerhalt frühzeitig sichern und die Saison ohne Druck zu Ende spielen möchte, ist das ein Risiko, welches die Verantwortlichen nicht ignorieren können.
Wir können im Winter in einem gewissen Umfang tätig werden, natürlich mit einem gewissen Augenmaß.
Vize-Präsident Ulf Sobek
„Thomas wird sicher gemeinsam mit dem Trainer schauen, ob wir uns da im Winter punktuell verstärken und auf welchen Positionen“, sagte auch Vize-Präsident Ulf Sobek am Montag hinsichtlich der Verletztenmisere. Auch finanziell steht etwaigen Neuverpflichtungen in einem bestimmten Rahmen nichts entgegen: „Wir können im Winter in einem gewissen Umfang tätig werden, natürlich mit einem gewissen Augenmaß.“
Neuzugänge eine sportliche Notwendigkeit
Die Frage, ob der FC im Winter nachlegen muss, ist derweil nicht länger eine strategische Überlegung, sondern inzwischen auch eine sportliche Notwendigkeit. Ein zusätzlicher Innenverteidiger und mindestens eine verlässliche Schienen-Alternative stehen auf der Prioritätenliste. Gelingt es, diese Baustellen intelligent und perspektivisch zu schließen, dürfte einem weiteren positiven Saisonverlauf nichts im Wege stehen. Ansonsten droht ein Frühling, in dem die Geißböcke vor allem ihren eigenen Engpässen hinterherlaufen.








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