Mit Familien-Doping an die Spitze: „Ich musste heute eine gute Leistung zeigen“

Die FC-Frauen konnten am Montagabend im Volksparkstadion jubeln. (IMAGO / Lobeca)
Die FC-Frauen konnten am Montagabend im Volksparkstadion jubeln. (IMAGO / Lobeca)

Der 1. FC Köln hat am Montagabend beim Hamburger SV ein Ausrufezeichen in der Frauen-Bundesliga gesetzt. Mit ihrem Dreierpack war Sandra Maria Jessen nicht nur Spielerin des Spiels. Die Isländerin hat sich auch an die Spitze der Torjägerinnenliste gesetzt.

Sie hat sich zum absoluten Top-Transfer des 1. FC Köln entwickelt: Sandra Maria Jessen hat seit ihrem Wechsel vom isländischen Club KA Akureyri die Erwartungen längst übertroffen. Gegen den Hamburger SV erzielte die Stürmerin einen Dreierpack – und damit bereits ihre Saisontore sechs, sieben und acht.

Schon Ende September gegen Essen hatte die 30-Jährige doppelt getroffen. In der isländischen Liga hatte Jessen einmal vier Tore in einem Spiel erzielt. In der Bundesliga – die Stürmerin spielte zweieinhalb Jahre für Bayer 04 Leverkusen – war ihr ein solches Spiel bis dato jedoch noch nicht gelungen. Mit ihren acht Saisontoren liegt die Kölnerin nun sogar gemeinsam mit Vanessa Fudalla von Bayer Leverkusen und Larissa Mühlhaus von Werder Bremen auf Rang eins der Torjägerinnenliste – und damit vor Nationalspielerinnen wie Alexandra Popp und Ex-FC-Stürmerin Selina Cerci.

Erst Kopfnuss, dann zwei weitere Tore

Den Spielball hat sie sich am Montagabend im Volksparkstadion jedoch nicht als Andenken geschnappt. „Das ist mir egal. Wir nehmen die drei Punkte mit nach Köln. Das ist alles, was zählt“, sagte Jessen nach dem 4:1-Erfolg mit ihrer Mannschaft. Dabei hatte es nach knapp einer halben Stunde einen Schreckmoment gegeben, als Jessen an der Mittellinie mit ihrer Gegenspielerin Kopf an Kopf zusammengeprallt war. Nach einer kurzen Behandlungspause konnte Jessen jedoch weiterspielen – und traf nur wenige Augenblicke später zum 2:0.

„Das war nicht schlimm. Es ist ein bisschen unangenehm, aber es ist alles okay“, gab die Angreiferin hinterher Entwarnung. Dass Jessen dabei ausgerechnet gegen den HSV ihren ersten Dreierpack in der Bundesliga erzielen konnte, war auch für die Spielerin besonders. Immerhin war ihre gesamte Familie inklusive ihrer vierjährigen Tochter im Volksparkstadion mit dabei. „Alle waren da. Ich musste heute also eine gute Leistung zeigen“, sagte Jessen schmunzelnd.

„Das zeigt das große Köln-Herz, das alle haben“

Von den insgesamt 4001 Fans im großen Hamburger Volkspark hatten sich auch am Montagabend auch einige Anhänger aus Köln auf den Weg in die Hansestadt gemacht, wenngleich der FC auf den Rängen natürlich unterlegen war. „Das bedeutet uns sehr viel und ist sehr wichtig. Wir haben super Fans, die auch auswärts mit uns fahren. Das zeigt das große Köln-Herz, das alle haben“, schwärmte die Isländerin.

Ebenfalls zufrieden war am Montagabend Britta Carlson, die an alter Wirkungsstätte die drei Punkte mit nach Köln bringen konnte. Die FC-Trainerin spielte von 2001 bis 2004 beim HSV, wurde dort unter anderem zur Nationalspielerin. Im direkten Duell mit dem Aufsteiger musste die alte Verbundenheit jedoch kurzfristig ruhen.

Das sagt Carlson zum Sieg beim HSV

„Wir sind natürlich sehr froh, dass wir das Spiel auswärts für uns so gestalten konnten. Es war für uns ein sehr schweres Spiel. Gerade in der ersten Halbzeit haben wir nicht das gemacht, was wir uns vorgenommen hatten“, resümierte Carlson das Spiel. Die 47-Jährige hatte dabei erwartet, dass der HSV noch einmal mit neuem Schwung aus der Kabine kommen würde. Mit dem schnellen 1:2 aus FC-Sicht ist das schließlich auch genauso eingetreten.

„Es war eine selbsterfüllende Prophezeiung“, sagte Carlson, die kurzfristig der Großchance von Pauline Bremer hinterher getrauert hatte. Jessens Sturmpartnerin hatte unmittelbar nach dem Anschlusstreffer die große Gelegenheit auf das 3:1 verpasst und nur die Latte getroffen. „Ich bin stolz, dass das Team nicht in die alten Muster von letzter Saison verfallen und daran kaputt gegangen ist. Wir haben weitergemacht und auch unsere Einwechselspielerinnen haben das Spiel noch einmal besser gemacht. Aufgrund der Chancenverwertung ist das Ergebnis verdient“, zog Carlson ihr zufriedenes Fazit.

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