Die Profis des 1. FC Köln suchen nach Verstärkung für die Defensive. Bei der U21 der Geißböcke wird es wohl bei internen Neuzugängen bleiben. Evangelos Sbonias rechnet eher mit Abgängen und empfiehlt Neo Telle erneut eine Leihe. Teil zwei des GEISSBLOG-Interviews mit dem U21-Trainer.
Das Interview führten Marc L. Merten und Martin Zenge
GEISSBLOG: Herr Sbonias, die beim 1. FC Köln eingeführte einheitliche Spielidee wird inzwischen etwas flexibler gehandhabt. Hilft Ihnen das?
EVANGELOS SBONIAS: „Die Spielidee ist jeden Tag bei uns präsent, wir leben weiterhin danach. Wir waren in der U21 schon letzte Saison etwas flexibler und haben nicht starr im 4-3-3 gespielt. Grundsätzlich wollen wir hinten in der Viererkette ausbilden, aber personell passt unsere Konstellation auch zu einer Dreierkette. Es muss für die Jungs in ihrer Ausbildung Sinn ergeben. So können Yannick Mausehund und Cenny Neumann dann auch in dem System spielen, das aktuell in der Lizenzmannschaft präsent ist. Das hilft ihnen dann doppelt weiter.“
Wenn wir schon bei der Innenverteidigung sind: Trotz der Dreierkette spielt Neo Telle keine Rolle mehr. Warum?
„Der Plan war, dass Neo im Sommer ausgeliehen wird. Das hat nicht geklappt und das war der Knackpunkt. Es wäre gut für ihn gewesen, sich in einer höheren Liga in einem anderen Umfeld weiterentwickeln zu können. Das kann natürlich jetzt im Winter wieder ein Thema werden, auch bei Emin Kujovic.“
Trotz schwieriger Situation: Telle „geht vorbildhaft voran“
Lukas Berg hat den Anspruch an Neo Telle und Emin Kujovic formuliert, dass wenn eine Leihe nicht klappt, beide Spieler in der U21 als Leistungsträger vorangehen. Bei Emin klappt das, bei Neo nicht.
„Ich will klipp und klar sagen: Neo ist ein super Charakter, der sehr wertvolle Arbeit leistet und im Training vorbildhaft vorangeht. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie man sich zu verhalten hat, wenn man sich persönlich entwickeln möchte, auch wenn es sportlich mal nicht läuft. Wie er nicht hadert, wie er positiv bleibt, wie er an einem Spieltag die Mitspieler pusht – das ist vorbildlich.“
Planen Sie im Winter mit weiteren Neuzugängen?
„Aktuell planen wir keine Transfers. Wir sind mit der Kadergröße zufrieden und wollen in der Rückrunde dann auch jüngeren Spielern aus der U19 nach und nach schon die Chance geben, sich zu beweisen. Es könnte sein, dass der eine oder andere Spieler verliehen oder abgegeben wird, aber Stand jetzt ist noch nichts fix.“
Wir treten immer an, um das Beste herauszuholen. Und für mich wäre es der schnellste Weg zur Pro-Lizenz, weil ich dann über die 3. Liga einen Platz bekommen könnte.
Evangelos Sbonias über einen Aufstieg der U21
Könnte also in der Rückrunde zum Beispiel Fynn Schenten als Youth-League-Knipser aufrücken?
„Das kann passieren, natürlich. Wir werden zusammen mit Stefan Ruthenbeck genau hinschauen, was für die Jungs Sinn ergibt. Die U19 spielt noch in der Liga, im DFB-Pokal und in der Youth League – da müssen wir den Zeitpunkt gut wählen, wann die Regionalliga als nächster Schritt der richtige ist.“
Einer, der schon aus der U19 aufgerückt ist, ist Mikolaj Marutzki. Läuft er Luis Hauer gerade den Rang im Tor ab?
„Miko hat eine richtig gute Entwicklung hingelegt. Es ist keine Entscheidung gegen Luis Hauer, sondern für Mikolaj Marutzki. Luis ist ein Top-Talent und ein Top-Torhüter, aber ich habe als U21-Trainer in Absprache mit Ruthe die Verantwortung, einem Jungen wie Miko diesen Schritt zu ermöglichen. Er hat sehr stark performt in der U19. Dann hat er bei uns ein sehr unglückliches Debüt in Düsseldorf mit einer Roten Karte nach sieben Minuten hingelegt. Aber er ist danach stabil geblieben, hat einfach weiter abgeliefert. Das wollten wir belohnen, und er hat es super gemacht.“
Sbonias hofft auf Fußballlehrer-Lizenz
Welche Rolle nimmt Sargis Adamyan in der U21 ein?
„Als die Karten auf dem Tisch lagen und das Transferfenster zu war, haben wir bewertet, dass Sargis die Situation absolut professionell angenommen und gut trainiert hat. Da war für uns klar, dass er uns helfen könnte, weil wir vorne recht dünn besetzt waren. Er füllt seine Führungsrolle auf dem Platz aus, durch Leistung und Scorerpunkte. So hilft er der Mannschaft, das war eine Win-Win-Situation.“
Hat das Modell Zukunft? Natürlich unter anderen finanziellen Bedingungen als aktuell…
„Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Alles ist möglich, aber das Thema war noch nicht akut.“
Mit welchen Zielen gehen Sie ins Jahr 2026? Die Fußballlehrer-Lizenz steht sicher oben auf der Liste.
„Auf jeden Fall. Dieses Mal hat es wieder nicht geklappt. Das ist sehr schade, aber es gibt mittlerweile ein Punktesystem, nach dem ausgewählt wird. Dieses Mal haben nur sehr wenige Punkte gefehlt, das ist ärgerlich. Ich hatte mir schon Chancen ausgerechnet und der Verein hat sich für mich eingesetzt. So muss ich für 2027 den nächsten Anlauf nehmen.“
U21-Aufstieg? „Werde mich nicht gegen Erfolg wehren“
Um dann mit dem FC und als Fußballlehrer in die 3. Liga aufzusteigen?
„Ich werde mich bestimmt nicht gegen Erfolg wehren. Wir treten immer an, um das Beste herauszuholen. Und für mich wäre es der schnellste Weg zur Pro-Lizenz, weil ich dann über die 3. Liga einen Platz bekommen könnte. Trotzdem ist die Regionalliga eine sehr komplizierte Liga, um aufsteigen zu können. Wir haben im letzten Spiel drei 2007er-Jahrgänge aufgeboten, also drei U19-Spieler. Dazu fünf 2006er in ihrem ersten Herrenjahr. Da muss man schon realistisch sagen: Wenn wir auf diese Weise sauber ausbilden wollen, muss viel passieren, damit wir in das Fahrwasser eines Aufstiegs hineingeraten können. Der Verein würde das wollen, ich würde das wollen, aber wir planen hier nicht gezielt den Aufstieg.“
Sie fühlen sich sichtbar wohl beim FC und in Köln.
„Das matcht schon sehr gut. Ich bin jetzt in meiner dritten Saison und ich kann ohne Übertreibung sagen: Es gibt zwei Dinge in meinem Leben – meine Familie und den FC. Es steckt sehr viel Herzblut drin, ich fühle mich hier sehr wohl.“
Hier geht’s zum ersten Teil des GEISSBLOG-Interviews mit U21-Trainer Evangelos Sbonias.








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