Beim 1. FC Köln herrscht eine angespannte Stimmung. Im Trainingslager ist die knifflige Lage der Geißböcke greifbar. Kann sich der FC mit konzentrierter Arbeit aus dem Gröbsten befreien?
Aus dem Trainingslager in La Nucia berichten Sonja Gauer und Marc L. Merten
Wenn es am Sonntag im Trainingslager des 1. FC Köln Anschauungsmaterial für die aktuelle Stimmungslage bei den Geißböcken brauchte, lieferte Jan Thielmann einen Einblick. Mit finsterer Miene schritt der 23-Jährige nach dem Training zu den Journalisten und beantwortete nur unwillig und knapp angebunden die Fragen der mitgereisten Reporter.
Thielmann wollte dabei weder über die Arbeit auf dem Trainingsplatz sprechen noch über die Gründe, warum es in der Bundesliga zuletzt nicht mehr gut gelaufen war. Auf die Frage, ob er Erklärungen dafür habe, warum dem FC die Abläufe im Spiel mit dem Ball abhanden gekommen seien, lautete seine Antwort: „Nee.“
Thielmanns Auftreten lässt tief blicken
Die Antwort war einerseits bemerkenswert, weil ein Spieler wie Thielmann, dem eigentlich eine wichtige Rolle innerhalb des Teams zukommen soll, durchaus wissen müsste, wo die fußballerischen Probleme seiner Mannschaft liegen. Andererseits hatte der 23-Jährige schon vor wenigen Wochen am Geißbockheim bissig erklärt, dass für die Problemlösung „das Trainerteam da oben im Büro zuständig“ sei.
Auch dieses Trainerteam spürt die veränderte Stimmung – und wirkt ähnlich angespannt. Lukas Kwasniok hatte sich zu Beginn des Trainingslagers geäußert, will entgegen ursprünglicher Planungen darüber hinaus aber öffentlich nur noch die nötigsten Pflichttermine absolvieren. Auf dem Trainingsplatz findet der 44-Jährige derweil deutliche Worte, wenn etwas nicht gelingt. Er weiß: Er muss zumindest den Großteil der Mannschaft weiterhin hinter seiner Spielidee versammeln, um schnell wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden.
Konzentration oder Dünnhäutigkeit?
Die Lockerheit des Sommers, die Euphorie des Aufsteigers, die Freude nach dem Umbruch ist verflogen. Trainern wie Spielern scheint bewusst, wie wichtig die nächsten Wochen – insbesondere mit den Spielen gegen Heidenheim und Mainz – werden. So soll im Trainingslager der Fokus einzig auf den Fußball gelegt werden. Beim FC nennt man das Konzentration auf das Wesentliche. Der äußere Eindruck wird jedoch seit Kurzem auch von einer gewissen Dünnhäutigkeit ergänzt, die es bislang gab.
Da könnte es sich gut treffen, dass mit Jahmai Simpson-Pusey der erste Neuzugang noch in La Nucia dazu stoßen soll. Denn dass die Mannschaft weiterhin frisches Blut benötigt, weiß Sportdirektor Thomas Kessler nicht erst seit den sechs sieglosen Spielen vor Weihnachten. Doch das Trainingslager dürfte ihn in dieser Ansicht noch einmal bestätigen. Denn längst nicht jeder Spieler hinterlässt in den ersten Tagen einen frischen und fokussierten Eindruck. So mancher scheint weiterhin stark mit sich selbst beschäftigt. Das jedoch kann der FC in der jetzigen Situation nicht gebrauchen.








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