Tristesse im verschneiten Wolfsburg, Abstiegsalarm nach dem 1:3 in Mainz – und ausgerechnet jetzt steht für Yannick Gerhardt die Rückkehr an den Ort an, der ihn geprägt hat. Am Freitagabend (20.30 Uhr) gastiert der VfL Wolfsburg beim 1. FC Köln.
Das Interview führte Alexander Haubrichs
Im GEISSBLOG-Interview spricht Yannick Gerhardt über die sportlich heikle Lage beim VfL Wolfsburg, seine besondere Beziehung zum 1. FC Köln, das Wiedersehen im RheinEnergieStadion – und über die Entwicklung der FC-Frauen, bei denen seine Schwester Anna spielt.
GEISSBLOG: Yannick Gerhardt, Ihr letzter Besuch in Köln hatte einen freudigen Anlass…
Yannick Gerhardt: „Ja, meine Scally und ich haben uns im historischen Rathaus das Ja-Wort gegeben. Sie kommt zwar aus Braunschweig, das war auch eine Überlegung, aber weil ich nicht so oft in Köln sein kann, war das einfach eine schöne Gelegenheit, viele alte Freunde wiederzusehen. Wir konnten mit 50 Leuten ins historische Rathaus, danach gab es im Tanica Live-Musik, gutes Essen und einen tollen Abend mit der Familie und alten Weggefährten.“
Auch aus der Zeit beim 1. FC Köln?
„Klar! Von meinen früheren FC-Kollegen waren Leonardo Bittencourt und Mitchell Weiser dabei, dazu noch einige aus der U17-Meistermannschaft.“
2016 ging es für Sie zum VfL Wolfsburg. Hätten Sie gedacht, dass daraus am Ende zehn Jahre würden?
„Nein. Im Fußball ist das eher untypisch, und ich habe natürlich auch von einem Sprung zu einem absoluten Top-Verein geträumt. Ein Länderspiel unter Jogi Löw habe ich ja auch gemacht. Aber letztlich liegt Wolfsburg nicht so im Fokus, und wir hatten immer wieder Probleme. Ich spiele jetzt seit zwölf Jahren in der Bundesliga, habe knapp 300 Einsätze auf absolutem Topniveau – darauf kann ich stolz sein.“
Ausgerechnet gegen den FC: „Das hat wehgetan“
War es vielleicht nicht immer von Vorteil, so lange bei den Wölfen zu bleiben? Nach dem Motto: Der ist ja eh da, probieren wir erst mal etwas Neues?
„Das ist schon möglich. Man wird schneller selbstverständlich. Das habe ich in der Hinrunde nicht zum ersten Mal erlebt, aber in dieser Saison war das schon ein Tiefpunkt.“
Warum?
„Ich musste am dritten Spieltag ausgerechnet gegen meinen Ex-Club Köln, zum Spiel im Jubiläumstrikot anlässlich des 80. Geburtstags, erstmals in meiner Bundesliga-Karriere aus Leistungsgründen auf die Tribüne. Das hat wehgetan. Viele meiner Qualitäten sind schwer messbar – andere führen, taktische Disziplin, Stabilität im Verbund. Das ist ein Nachteil. Umso schöner ist es, jetzt unter dem neuen Trainer wieder zu spielen.“
Allerdings läuft es immer noch nicht rund.
„Das ist richtig. Das Spiel in Mainz hat noch einmal gezeigt: In dieser Liga kann – bis auf Bayern und ein, zwei andere – jeder jeden schlagen, und man muss erst einmal die Hausaufgaben machen. Für Mainz ging es ums Überleben, sie haben klassischen Urs-Fischer-Fußball gespielt. Und da musst du erst einmal gegenhalten, wenig zulassen. Das ist uns nicht gelungen.“
Müngersdorf? „Das wird brutal laut“
Wie gefährlich ist die Situation?
„Brandgefährlich! Wir hatten uns wahrscheinlich gedacht: drei lösbare Aufgaben, neun Punkte, dann schauen wir mal, was noch geht. Jetzt hängen wir unten fest – und müssen in Köln bestehen.“
Was erwarten Sie am Freitagabend für eine Partie?
„Das wird noch einmal intensiver als zuletzt in Mainz. Flutlicht, volles Stadion, das wird brutal laut. Die Mannschaft ist extrem laufstark – wir wissen, was uns erwartet.“
Wie sehr freuen Sie sich auf das Spiel im RheinEnergieStadion?
„Es ist immer etwas Besonderes. Viele Freunde kommen, das Stadion, die Stadt – das bleibt Heimat.“
Ihre Schwester Anna spielt beim FC. Wie bewerten Sie die Saison der FC-Frauen?
„Natürlich habe ich immer einen Blick darauf, wie sie und ihre Mannschaft spielen. Die letzten Jahre waren nicht einfach, weder für sie noch für das Team insgesamt. Aber im vergangenen Sommer haben sie einige gute Transfers gemacht, und plötzlich läuft es. Dann macht es allen Beteiligten natürlich auch mehr Spaß.“

Rückkehr zum 1. FC Köln weiter möglich?
Sie sind beim FC zum Bundesliga-Spieler gereift. Wie blicken Sie heute auf den Verein?
„Ich wünsche dem Verein immer nur das Beste. Am Freitag brauchen wir die Punkte leider selbst sehr dringend – aber grundsätzlich bleibt das ein besonderer Club für mich.“
Könnte der FC noch einmal ein Thema werden?
„Ich habe noch anderthalb Jahre Vertrag und bin glücklich hier. Aber im Fußball sollte man niemals nie sagen. Ich plane nicht so weit im Voraus, das kann man in diesem Geschäft ohnehin nicht. Wenn man seinen Körper gut pflegt, kann man heutzutage lange fit bleiben – Beispiele wie Edin Džeko gibt es genug.“








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