Der Videobeweis bleibt in der Bundesliga in aller Munde. Die Partie des 1. FC Köln gegen RB Leipzig wird die Kritik am VAR erneut lauter werden lassen.
Ein Kommentar von Alexander Haubrichs
Eigentlich hätte hier ein Plädoyer für den VAR und den Videobeweis stehen können. Der Grund war die Szene vor dem Ausgleich des 1. FC Köln: Isak Johannesson hatte durchaus grenzwertig seinen Gegenspieler vor dem Treffer von Jan Thielmann bearbeitet, aber weil Referee Frank Willenborg direkte und klare Sicht auf das Geschehen hatte, verzichtete der Video-Referee auf ein Eingreifen. Leipzigs Coach Ole Werner schäumte vergeblich und zu Unrecht, die Tatsachenentscheidung blieb bestehen.
Eigentlich. Denn was später, in der 77. Minute, nach dem abgefälschten Schusses von Thielmann auf das Leipziger Tor passierte, führte einem die ganze verfahrene Situation rund um den Kölner Keller noch einmal vor Augen und ließ selbst Verteidiger des Videobeweises ratlos zurück.
Willenborgs folgenschwere Fehlerkette
Es begann schon damit, dass Willenborg das nicht sah, was jeder in diesem Stadion und an den Fernsehapparaten wahrgenommen hatte: Doppel-Torschütze Christoph Baumgartner hatte mit dem Reflex eines Klasse-Keepers seinem Kollegen Gulacsi die Arbeit abgenommen und den Ball pariert. Logische Folge wäre eine Rote Karte und Strafstoß für den Österreicher in Diensten der Leipziger gewesen.
Dann brauchte es eine Weile, ehe der VAR eingreifen konnte. Es dauerte minutenlang, ehe Willenborg sich die Szene überhaupt zu Gemüte führte. Dann erklärte er die These von der Abseitsstellung und verhedderte sich schon bei der Erklärung, was die FC-Fans wenig überraschend zusätzlich auf die Palme brachte.
Dass Sebastian Sebulonsen mit der Hacke vier Zentimeter im Abseits gestanden haben soll, wollen wir der Künstlichen Intelligenz mal glauben, aber David Raum hat nun wirklich alle Zeit der Welt, unbedrängt den Ball anders zu klären, als es der Leipziger Nationalspieler letztlich tat.
1. FC Köln muss Rückschlag abschütteln
So bleiben Unverständnis, ein schaler Beigeschmack und der Verdacht, Referee Willenborg habe die Gelegenheit genutzt, um sich vor der harten Entscheidung gegen Baumgartner drücken zu können. So wurde aus einer möglichen Werbung ein Schlag ins Kontor und Anti-Werbung für den VAR.
Der 1. FC Köln aber muss dieses Thema so schnell wie möglich wegstecken. Das Entscheidungen tendenziell eher für Spitzenteams und gegen Teams im Existenzkampf gefällt werden, das ist nun einmal so. Und der Blick auf die Tabelle zeigt: Nach dem Wochenende und den Siegen von St. Pauli, dem HSV und Mainz 05 rücken die Clubs im Keller nochmal enger zusammen. Die Mentalität und die Klasse hat die Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok aber allemal.








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