Ein Traumtor sorgt für Diskussionen: Bei Union Berlin war der Ärger über Marius Bülters 1:0 für den 1. FC Köln riesig. Schiedsrichter Daniel Schlager erklärte, warum der Treffer korrekt war. In einem Punkt hatte er dennoch Verständnis für den Frust der Eisernen.
Keine Woche ohne Diskussionen über das Schiedsrichtergespann. Beim 2:2 zwischen Union Berlin und dem 1. FC Köln war es nun wieder der Gegner, der über die Unparteiischen schimpfte. Die Köpenicker konnten nicht glauben, dass Marius Bülters sehenswerter Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 für die Geißböcke tatsächlich Bestand hatte und nicht einkassiert wurde.
Was war passiert? In der 33. Minute war es zunächst Bülter selbst, der einen Angriff über die linke Außenbahn einleitete. Bei seinem Pass auf den Flügel befand sich Said El Mala unstrittig im Abseits, bewegte sich kurzzeitig zum Ball, reagierte dann aber geistesgegenwärtig und überließ für den regelkonform gestarteten Jakub Kaminski. Über den Polen und Luca Waldschmidt landete der Ball wieder bei Bülter, der traumhaft in den Winkel traf.
Unions Kritik, Schlagers Antwort
Die Berliner waren sofort auf 180 und belagerten Schiedsrichter Daniel Schlager, auch an der Seitenlinie gingen sämtliche Arme protestierend in die Höhe. Unter anderem die von Horst Heldt. Der Ex-FC-Manager schimpfte noch nach Abpfiff bei Sky: „Ich kann es nicht nachvollziehen. Der Spieler rennt in den Raum rein, steht dabei im Abseits und bekommt den Ball zugespielt. Dann hebt der Linienrichter die Fahne. Das ist für mich ein klares Abseits.“
Genau dieser Umstand ärgerte die Berliner besonders. Der Linienrichter auf der Gegengeraden streckte voreilig die Fahne in die Höhe, statt die Szene – wie seit Einführung des Videobeweises üblich – komplett abzuwarten. Als Kaminski den Ball übernahm, wanderte die Fahne zwar wieder nach unten, doch Union sah sich einem irritierenden Vorgehen der Unparteiischen ausgesetzt.
Da kam die Fahne in dem Moment etwas zu früh.
Daniel Schlager
„Das ist natürlich ein Thema, das wir aufarbeiten. Da kam die Fahne in dem Moment etwas zu früh“, gab Schlager zu und hatte in diesem Punkt Verständnis für den Ärger. Gleichzeitig nahm er seinen Assistenten in Schutz: „Das ist immer schwer, aus einer großen Entfernung zu sehen, wer jetzt tatsächlich zum Ball geht. Für ihn war klar, dass El Mala an den Ball kommt, er hat den Spieler, der noch zusätzlich kam, nicht gesehen.“
Schlager selbst hatte Kaminski auf dem Schirm. „Deshalb habe ich ihm dann auch gesagt: ‚Das ist für mich keine strafbare Abseitsposition‘. Dann hat er die Fahne runtergenommen und so konnte es zum Tor kommen.“ Da kein Pfiff von Schlager selbst ertönte, lief die Partie weiter – was den Regeln entspricht, die Fahne allein zieht keine Unterbrechung nach sich.
Heldt: „Immer super am Schreibtisch“
Die irritierten Unioner fühlten sich dennoch benachteiligt. „Es ist immer super, am Schreibtisch zu sagen, dass das richtig ist. Aber wer mal gespielt hat, der weiß, dass die Spieler die Fahne des Assistenten sehen und darauf reagieren. Für Fußballer ist das klare Verständnis, dass das dann Abseits ist“, so Heldt.
Marie-Louise Eta, die gegen den FC ihren ersten Punkt als Bundesliga-Trainerin holte, stimmte zu: „Der Spieler war im Abseits. Der Assistent hebt die Fahne. Dementsprechend reagieren meine Spieler darauf. Das hat für Chaos gesorgt.“ Natürlich müsse man dennoch weiterspielen. „Aber ich verstehe die Jungs, die darauf reagiert haben. Der Schiedsrichter hat schon während des Spiels gesagt, dass die Fahne nicht gehoben werden darf, aber laut der Regel kann man das nicht zurücknehmen.“
Warum El Malas Abseits passiv war
Unabhängig vom Zoff um die Fahne gab Schlager auch Einblick in die Regelkunde, warum El Malas Abseitsstellung nicht zu ahnden war: „Damit hier eine strafbare Abseitsposition vorliegt, muss eines der drei Kriterien vorliegen: Er (El Mala, Anm. d. Red.) muss entweder den Ball spielen – tut er nicht. Er muss in einem Zweikampf mit einem Gegenspieler um den Ball sein – ist auch nicht der Fall, weil der Gegenspieler weit entfernt ist. Oder er muss den Gegenspieler beeinflussen beim Kampf um den Ball. Und das liegt auch nicht vor, weil der Ball einfach weit entfernt ist vom nächsten Abwehrspieler.“ Somit war der vieldiskutierte Treffer von Bülter ein korrektes Traumtor.
Für den Ex-Unioner war es im Übrigen das erste Tor seit dem elften Spieltag im November. „Es war eine komische Situation mit dem Vielleicht-Abseits. Dann spielen wir es gut“, sagte Bülter. Sein Jubel hielt sich dennoch in Grenzen – der Routinier hob sogar entschuldigend die Hände. „Ich hatte hier zwei schöne Jahre, deswegen habe ich aus Respekt ein bisschen weniger gejubelt.“ Den Berliner Ärger konnte die faire Geste jedoch nicht mildern.








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