Der 1. FC Köln ist die Heimreise vom Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart mit leeren Händen angetreten. War das personelle Risiko von Lukas Kwasniok nach etwas mehr als einer Stunde am Ende zu groß? Das sagt der Trainer selbst.
Mit aller Macht hat der 1. FC Köln am Samstagabend in der MHP-Arena die elfte Saisonniederlage verhindern und nicht nur einen Bann in dieser Saison brechen wollen. Immerhin haben die Kölner bislang alle Samstagabend-Topspiele verloren, zudem noch gegen kein Top-Team gepunktet und außerdem eine erschreckende Karnevals-Bilanz (neun Remis, 14 Niederlagen).
Entsprechend ging Lukas Kwasniok nach 68 Minuten beim Stand von 0:1 gegen den VfB Stuttgart all-in. Der Trainer wechselte mit Cenk Özkacar und Joel Schmied gleich beide nominellen Innenverteidiger aus und brachte für die verbleibenden 25 Minuten mit Said El Mala und Luca Waldschmidt zwei Angreifer ins Spiel. Sebastian Sebulonsen und Eric Martel bildeten anschließend die Innenverteidigung, auch Kristoffer Lund rückte gegen den Ball in die Dreierkette.
So erklärt Kwasniok seine Wechsel
„Wir lagen zurück. Dann wollte ich ein Tor erzielen und das ist leichter, wenn du ein paar Offensivspieler auf dem Feld hast“, erklärte Kwasniok nach dem Spiel seine zumindest etwas überraschenden Personal-Entscheidungen. Die beiden gelernten Außenverteidiger respektive Schienenspieler Sebulonsen und Lund könnten dabei auch „als Halbverteidiger“ spielen, so der Trainer weiter. Bei dem Norweger besteht daran tatsächlich kein Zweifel, hat Sebulonsen diese Rolle in den vergangenen Wochen angesichts der vielen Ausfälle immer wieder überzeugend ausgefüllt.
Lund hingegen war bislang nur im DFB-Pokal gegen den FC Bayern als Innenverteidiger aufgelaufen. „Ich sehe das bei ihm noch nicht von Beginn an“, sagte auch Kwasniok. „Aber mal für eine halbe Stunde.“ Mit Jan Thielmann auf der rechten und Jakub Kaminski auf der linken Seite hatte der FC durch diese Maßnahme dann „zwei sehr offensive Schienenspieler“ hinter El Mala und Waldschmidt.
FC wird nach Ausgleich „zu passiv“
Unmittelbar nach den beiden Wechseln musste sich der FC jedoch zunächst neu sortieren. Der VfB startete prompt noch einmal eine Angriffswelle, nachdem die Gäste die Partie bis dato eigentlich unter Kontrolle hatten und auf den Ausgleich drängten. Nach einer kurzen Anpassungsphase konnte sich der Aufsteiger jedoch auch mit der ungewöhnlichen Abwehr ohne gelernten Innenverteidiger stabilisieren und belohnte sich tatsächlich in der 79. Minute mit dem Ausgleich durch Ragnar Ache, den Joker Waldschmidt auch noch eingeleitet hatte.
Statt das 1:1 mit einem defensiven Wechsel abzusichern und beispielsweise mit Rav van den Berg wieder einen Innenverteidiger zu bringen, blieb Kwasniok jedoch auch nach dem Treffer bei seiner Ausrichtung. Seine Spieler allerdings zogen sich selbstständig wieder weiter zurück. So bemängelte Marvin Schwäbe, dass die Mannschaft nach dem Ausgleich „zu passiv“ gewesen sei und sich „hinten reinfallen lassen“ habe. „Da hätten wir Aktvier und höher verteidigen müssen. Manchmal gibt es diesen Schutzgedanken, um das 1:1 zu halten und zu verteidigen, anstatt das Spiel weiter zu gestalten.“
Nach dem 1:2: Auch beide Sechser ausgewechselt
Statt das Momentum des eigenen Tores zu nutzen, kam in der Folge der VfB Stuttgart noch einmal auf und erzielte nur fünf Minuten nach dem Ausgleich die erneute Führung durch Ermedin Demirovic. Sebulonsen konnte die scharfe Hereingabe von Ramon Henriks auf den Doppel-Torschützen nicht verhindern, während Martel in der Mitte einen Schritt zu spät gekommen war.
Um den erneuten Ausgleich zu erzwingen, wechselte Kwasniok mit Eric Martel und Tom Krauß schließlich auch noch seine beiden nominellen Sechser aus und spielte fortan ohne gelernten Innenverteidiger und defensiven Mittelfeldspieler. Dafür brachte der Trainer mit Fynn Schenten und Florian Kainz zwei weitere Offensivspieler. „Hintenraus wollte ich gute Fußballer auf dem Feld haben, da musste ich jemanden opfern“, erklärte Kwasniok.
Allerdings nicht mit dem erhofften Erfolg. Im Gegenteil: Kainz war es in der Nachspielzeit, der mit seinem Ballverlust an der Seitenlinie das 3:1 aus Stuttgarter Sicht und damit den endgültigen Kölner Knockout einleitete. So wurde der FC zwar zwischenzeitlich für seinen Mut der durchaus riskanten offensiven Wechsel belohnt, am Ende reichte es dennoch einmal mehr nicht für einen Punktgewinn.








Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!