Ein letztes Mal auf die Schulter klopfen – aber FC darf sich nicht in die Tasche lügen

Lukas Kwasniok mit seinem Trainerteam. (Foto: Bucco)
Lukas Kwasniok mit seinem Trainerteam. (Foto: Bucco)

Der 1. FC Köln geht erhobenen Hauptes aus der Niederlage gegen Borussia Dortmund. Das ist ein letztes Mal in Ordnung. Doch ab jetzt müssen Punkte her.

Ein Kommentar von Alexander Haubrichs

Dieses eine Mal noch ist das Schulterklopfen in Ordnung. Auch wenn der 1. FC Köln nach der 1:2-Pleite
gegen Borussia Dortmund erneut ohne Zählbares dasteht, dürfen Spieler und Verantwortliche nach dem Spiel gegen den Tabellenzweiten das Positive hervorheben.
Dass man wieder gegen eine Top-Mannschaft lange gut ausgesehen hat, sie anfangs gar in die Defensive drückte. Dass man trotz langer Unterzahl und einem 0:2 zur Unzeit nicht auseinanderfiel. Im Gegenteil: dass der 1. FC Köln mit seinen enthusiastischen Zuschauern im Rücken am Ende noch um ein Haar am Punktgewinn schnuppern durfte.

Sie durften sich sogar ein weiteres Mal vom VAR betrogen fühlen und ihrem Frust nach Schlusspfiff deutlich Luft machen. Falls Video-Referee Benjamin Cortus Schiri Daniel Siebert ein drittes Mal herausgeschickt hätte und der den aus Kölner Sicht fälligen Handelfmeter in der Nachspielzeit gegeben hätte, dann wäre man ja mit einem Zähler aus dieser Partie gegangen. Der 1. FC Köln fremdelt zu Recht mit den Video-Referees in Deutz, nach der Abseitsfarce gegen RB Leipzig machte schon wieder eine kuriose Entscheidung die Hoffnung auf einen weiteren Punktgewinn zunichte.

Die unangenehmen Wahrheiten der BVB-Pleite

Aber es wäre schon gut, wenn man intern auch erkennen würde, dass man bei dieser Bewertung auch Gefahr läuft, sich ein wenig in die Tasche zu lügen. Und dass die Zeiten des Sich-selbst-auf-die-Schulter-Klopfens mit diesem Tag vorbei sein müssen.

Denn wahr ist auch, dass Borussia Dortmund an diesem Abend schlagbar war und nach dem Aus in Champions League und Titelkampf nicht bereit war, mehr als das Allernötigste in diese Partie zu investieren. Der Dreierwechsel nach dem 2:0 war zudem das Signal von der Bank: Job erledigt, jetzt verwalten wir den Sieg nach Hause.

Erst als FC-Coach Lukas Kwasniok mit seinem Dreierwechsel kurz vor Schluss im Grunde alle Trümpfe vom Feld nahm und man auch auf Kölner Seite die Hoffnung quasi aufgegeben zu haben schien, kam Kaminskis Geistesblitz und der Sturmlauf in der Schlussphase. Anderen Konkurrenten gelingt es, solche Gelegenheiten zu nutzen, dem 1. FC Köln hingegeben nicht.

Ebenfalls zur Wahrheit gehört, dass solche Ungerechtigkeiten wie das Schiedsrichter-Thema für einen Aufsteiger oftmals dazugehören. Und bei aller Aufregung: Es gehört sich nicht, als Stadionsprecher das Publikum gegen die Unparteiischen aufzubringen, das führt im Zweifel eher zu Konsequenzen und einer Gegenreaktion.

Volle Kapelle? Simpson-Pusey fehlt dem 1. FC Köln

Vor allem aber muss man feststellen, dass die Situation sich mehr und mehr zuspitzt und dass die Hoffnung, „in der Crunchtime endlich mit der vollen Kapelle spielen zu können“ (Vizepräsident Ulf Sobek), einen herben Schlag bekam. Ob Alessio Castro-Montes sich im Abschlusstraining wieder schwerer verletzt hat, ist offen. Neuzugang Jahmai Simpson-Pusey dürfte den Kölnern in den beiden Spielen beim Hamburger SV und gegen Borussia Mönchengladbach jedenfalls fehlen. Und das Mantra-artig heruntergebetete „Wir sind Aufsteiger und stehen über dem Strich“ könnte schon nächste Woche Geschichte sein.

Es ist in Ordnung, dass der 1. FC Köln das Positive aus dem Unterzahl-Fight gegen Borussia Dortmund zieht. Trotz VAR-Frust und Niederlage am Ende. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass der FC jetzt wieder punkten muss, will man die Relegation und den Abstieg vermeiden. Die Mannschaft folgt dem Trainer, doch jetzt braucht es auch Zählbares. Lukas Kwasniok ist gefordert. Sonst wird niemand mehr da sein, der ihm auf die Schulter klopft.

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

DISKUTIER MIT!

Willkommen im Kommentarbereich des GEISSBLOG!
Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
54 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertete