Kwasniok oder ein Retter? Was die Feuerwehrmänner beim 1. FC Köln brachten

Lukas Kwasniok, Trainer des 1. FC Köln, beim Spiel in Hamburg.
FC-Coach Lukas Kwasniok schaut skeptisch. Gegen Mönchengladbach braucht er einen Sieg. (Foto: Imago/Oliver Ruhnke)

Das 100. Bundesliga-Derby des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach wird für Trainer Lukas Kwasniok wohl zum Endspiel. Dabei wirkten vermeintliche Retter längst nicht immer – wie ein Blick des GEISSBLOGS in die Statistik zeigt.

Der anhaltende Misserfolg von Trainer Lukas Kwasniok bringt Thomas Kessler als Geschäftsführer Sport zunehmend in die Bredouille. Mittlerweile ist es eine ganze Bundesliga-Serie von 17 Spielen, in der der Abwärtstrend des 1. FC Köln anhält. Stand man nach dem Hinspiel gegen den Hamburger SV noch bei starken 14 Zählern, sammelte der FC danach gerade einmal 11 Pünktchen – die Bilanz eines Absteigers.

Funkel oder wer? Ruf nach Feuerwehrmann wird lauter

Klar, dass die Rufe nach einem Feuerwehrmann immer lauter werden. Der Name Friedhelm Funkel schwebt in solchen Situationen naturgemäß über dem Geißbockheim, sprang der 72-Jährige doch bereits dreimal in unterschiedlichen Situationen in Köln ein. Auch interne Lösungen mit Co-Trainer René Wagner werden diskutiert – doch noch hat Kwasniok mindestens das Derby gegen Borussia Mönchengladbach, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Eine Niederlage und die üblichen Mechanismen des Geschäfts wären wahrscheinlich unausweichlich – doch wie viel bringt ein Feuerwehrmann überhaupt? Geissblog hat einmal in die Geschichte des FC geschaut und siehe da: Eine Garantie auf Erfolg ist ein Trainerwechsel nicht. Eher im Gegenteil.. 

Vier Retter brachten dem 1. FC Köln Glück

Nur viermal waren die im Saisonverlauf engagierten Trainer erfolgreich: Morten Olsen übernahm 1993 auf einem Abstiegsplatz und rettete den FC. Peter Neururer gelang das Kunststück 1996. Er musste allerdings im Oktober 1997 Lorenz-Günther Köstner weichen – und der ging mit dem 1. FC Köln schnurstracks in die Zweite Liga. Es war der erste von sieben vergeblichen Versuchen, einen Abstieg über die Trainerbank zu vermeiden.

Friedhelm Funkels erster Rettungseinsatz ging schief: Er übernahm im Februar 2002, konnte den Abstieg aber nicht vermeiden. Immerhin: Unter ihm gelang der sofortige Wiederaufstieg. Für ihn war im November 2003 dann wieder Schluss. Seinem Nachfolger Marcel Koller gelang zwar die „Entdeckung“ von Lukas Podolski, nicht aber der Klassenerhalt – es ging zurück in Liga 2.

Das Leben im Fahrstuhl kostete in Köln weiteren Trainern den Job: Hans-Peter Latour versuchte sich 2006 erfolglos am Thema Klassenerhalt. 

Erst Schaefer, dann Finke: So gelang 2012 das Wunder

Für einen erfolgreichen Rettungseinsatz benötigte es 2010/11 gleich zwei Trainer. Frank Schaefer löste zunächst eine Welle der Euphorie aus, ehe es dann doch wieder bedenklich Richtung Tabellenkeller ging. Der damalige Sportchef Volker Finke übernahm, bezwang unter anderem Bayern München und wendete das Blatt mit drei Siegen in drei Spielen.

Ein Jahr später war auch Finke wieder weg, ehe Schaefer für den glücklosen Stale Solbakken übernehmen musste. Den Abstieg 2012 verhindern konnte er jedoch nicht.

Danach begann bald eine Phase der Kontinuität unter Peter Stöger, die den FC 2017 zurück nach Europa führte. Der folgende Absturz fühlte sich umso krasser an. Als Tabellenletzter musste Stefan Ruthenbeck übernehmen. Der erfolgreiche U19-Coach sollte jedoch nur den Abstieg verwalten. Hilfe im Kampf um den Klassenerhalt bekam er vom damaligen Sportchef Armin Veh nicht – und so ging es wieder zurück in Liga 2.

Friedhelm Funkel war es, der bewies, dass Feuerwehreinsätze auch beim FC Wirkung zeigen können, als er für Markus Gisdol übernahm und die Geißböcke über die Relegation in der Bundesliga hielt. Dieses Glück war Timo Schulz nicht hold – 2024 hieß es wieder: eine Etage tiefer im Fahrstuhl.

Im vergangenen Jahr brachte dort Funkel das Aufstiegsrennen im Saisonfinale erfolgreich zu Ende, nachdem Gerhard Struber weichen musste. Für die Statistik haben wir hier jedoch nur die Abstiegskämpfe herangezogen.

Abstieg würde 1. FC Köln viel Substanz kosten

Denn jetzt ist der 1. FC Köln wieder zurück in der Bundesliga, muss aber unbedingt in der Bundesliga bleiben. Denn jedes Jahr Zweitklassigkeit kostet Substanz, Fernsehgelder und Kaderperspektive.

Die Statistik spricht dabei eher gegen einen „Feuerwehrmann“. Doch die Handlungsoptionen sind so kurz vor Saisonende begrenzt – und die Möglichkeiten, der Mannschaft von außen neue Impulse zu geben, ebenfalls. So wird sich Thomas Kessler nicht von der Vergangenheit leiten lassen, sondern Trainer Lukas Kwasniok für sich bewerten. Das 100. Bundesliga-Derby gegen Borussia Mönchengladbach wird angesichts der prekären Situation dabei eine gewichtige Rolle spielen.

Rettungseinsätze beim 1. FC Köln seit 1992

ZeitraumTrainerBL-SpieleBemerkung zur Saison
April 1993 – Saisonende 92/93Morten Olsen7Klassenerhalt 1993
April 1996 – Saisonende 95/96Peter Neururer7Klassenerhalt 1996
Oktober 1997 – Juni 1998Lorenz-Günther Köstner25Abstieg 1998
Februar 2002 – Mai 2002Friedhelm Funkel13Abstieg 2002
November 2003 – Mai 2004Marcel Koller22Abstieg 2004
Januar 2006 – Mai 2006Hanspeter Latour17Abstieg 2006
Oktober 2010 – April 2011Frank Schaefer (Phase 1)21Finke beendete die Saison 10/11 
April 2011 – Mai 2011Volker Finke3Klassenerhalt 2011
April 2012 – Mai 2012Frank Schaefer (2)4Abstieg 2012
Dezember 2017 – Mai 2018Stefan Ruthenbeck20Abstieg 2018
April 2021 – Mai 2021Friedhelm Funkel6Klassenerhalt 2021
April 2024 – Mai 2024Timo Schultz18Abstieg 2024

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