Der 1. FC Köln kann doch noch gewinnen! Nach acht Spielen ohne Sieg, nach nur zwei Erfolgen aus den vorherigen 19 Bundesliga-Partien haben die Geißböcke den SV Werder Bremen mit 3:1 (1:0) bezwungen. Beim Heim-Debüt von René Wagner hatte der FC das Spielglück endlich mal auf seiner Seite.
Aus dem RheinEnergieStadion berichten Sonja Gauer und Marc L. Merten
Schon der Samstag war ganz nach dem Geschmack des 1. FC Köln verlaufen. Bis auf Schlusslicht Heidenheim, das mit einem 3:1-Sieg gegen Union Berlin für die Entlassung von Steffen Baumgart sorgte, gingen alle Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel leer aus. So bot sich dem FC die große Chance, Wolfsburg auf dem ersten direkten Abstiegsplatz sowie St. Pauli auf dem Relegationsrang zu distanzieren. Die Mannschaft von René Wagner ließ sich diese Chance gegen Werder Bremen nicht nehmen – auch wenn der FC gegen zehn Bremer länger als notwendig zittern musste.
Tore und Highlights
7. Minute: Der Traumstart für den FC! Isak Johannesson spielte Jakub Kaminski im Strafraum an, der Pole war vor Bremens Olivier Deman am Ball und wurde am Fuß getroffen. Ein unnötiges Foulspiel am Rande des Sechzehners, das Schiedsrichter Tobias Reichel auf den Punkt zeigen ließ. Erst zum zweiten Mal in dieser Saison wurde den Geißböcken ein Elfmeter zugesprochen. Der jüngste Kölner schnappte sich den Ball, um in diesem wichtigen Moment Verantwortung zu übernehmen: Said El Mala. Und der Torjäger gab sich beim ersten Strafstoß seiner Karriere keine Blöße, schickte seinen U21-Nationalmannschaftskollegen Backhaus in die falsche Ecke – El Mala verwandelte mit rechts ins rechte untere Eck. Das 1:0 war sein elftes Saisontor.
24. Minute: Der FC zog sich nach der Führung zunächst etwas zurück und profitierte dann vom Patzer eines Ex-Kölners: Leonardo Bittencourt leistete sich einen schlampigen Rückpass, der Marco Friedl dazu zwang, den dazwischen spritzenden Ragnar Ache von den Beinen zu holen. Da Werders Kapitän letzter Mann war, zeigte Reichel ihm Rot wegen Notbremse – Führung und Überzahl für den FC.
45+3. Minute: Vor allem zum Ende der ersten Halbzeit hin drängten die Kölner auf das 2:0. Mit 15 Abschlüssen vor der Pause hatte der FC ein deutliches Übergewicht. Doch da Backhaus in der Nachspielzeit auch einen abgefälschten Distanzschuss von Ache stark parierte, ging Werder mit dem knappen Rückstand in die Kabine.
47. Minute: Wagner wechselte zur Pause, brachte Alessio Castro-Montes für Kristoffer Lund. Und wie in Frankfurt schlug der Belgier sofort zu. Nach einem Steckpass von Ache ging Castro-Montes alleine auf Backhaus zu und tunnelte den Bremer zum vermeintlichen 2:0. Die halbautomatische Abseitserkennung hatte jedoch etwas dagegen – das Tor wurde zurückgenommen. Castro-Montes‘ Knie soll sich minimal in der verbotenen Zone befunden haben, was selbst im Standbild mit bloßem Auge nicht zu erkennen war.
52. Minute: Plötzlich musste Marvin Schwäbe sich strecken. Lynen zog aus dem Rückraum ab, der FC-Torhüter sah ganz wenig. Cenk Özkacar und Ache standen im Weg, fälschten den Ball noch in Richtung Winkel ab – doch Schwäbe war zur Stelle und hielt die Null.
65. Minute: Der FC erzwang das 2:0. Nach einem Eckball von Castro-Montes nutzte Özkacar seinen Größenvorteil, scheiterte per Kopf aber zunächst am Pfosten. Ache wollte per Kopf abstauben, doch Backhaus parierte glänzend. Im zweiten Versuch per Fuß war der FC-Stürmer dann erfolgreich.
76. Minute: Die Vorentscheidung? Nein, weil Ache nun auf der Gegenseite im Mittelpunkt stand. Im eigenen Strafraum traf er Bremens Strafstoß-Verursacher Deman am Sprunggelenk – Reichel zeigte nach VAR-Meldung und Ansicht der Bilder auch für Bremen auf den Punkt. Romano Schmid ließ sich die Chance zum 1:2 nicht nehmen. Dabei hatte Ache großes Glück, noch auf dem Platz zu stehen. Kurz zuvor hätte er nach hartem Einsteigen gegen Schmid die Rote Karte sehen können.
89. Minute: So musste der FC mehr als nötig zittern, wenngleich die großen Bremer Chancen auf den Ausgleich ausblieben. Für die Geißböcke hätte Luca Waldschmidt, der zunächst aus der Distanz an der Latte und kurz vor Ende dann frei vor Backhaus am Bremer Keeper scheiterte, wieder erhöhen können.
90+4. Minute: Auch Marius Bülter hatte das dritte Tor auf dem Fuß, war im Duell mit dem starken Bremer Schlussmann jedoch nur zweiter Sieger. Gleiches galt kurz darauf für Eric Martel.
90+7. Minute: In der letzten Minute der Nachspielzeit fiel das 3:1 doch noch! Diesmal sah Backhaus schlecht aus. Quasi von der Grundlinie aus brachte Isak Johannesson den Ball aufs Tor, der U21-Nationalkeeper lenkte die Kugel ins eigene Netz. Die Erlösung!
Personal
So spielte der FC: Schwäbe – Sebulonsen (86. Krauß), Simpson-Pusey, Özkacar, Lund (46. Castro-Montes) – Thielmann (67. Maina), Martel, Johannesson, Kaminski – Ache (76. Waldschmidt), El Mala (67. Bülter)
Zur Aufstellung: Im Vergleich zu seinem Debüt in Frankfurt entschied sich Wagner für drei Änderungen. Der nach Sperre und Babypause zurückgekehrte Jahmai Simpson-Pusey verdrängte den zuletzt nicht sattelfesten Rav van den Berg. Zudem bildeten Eric Martel und Isak Johannesson mal wieder gemeinsam das Mittelfeldzentrum – wie in der erfolgreichen Phase zu Saisonbeginn. Dafür mussten Tom Krauß, der ohnehin mit Knieproblemen zu kämpfen hat, und Denis Huseinbasic zunächst auf die Bank. Alessio Castro-Montes wurde bereits zum Start der zweiten Halbzeit eingewechselt, um wie angekündigt mehr Spielpraxis zu sammeln.
Fazit
So fühlt sich also ein Sieg an. Die Mannschaft und die Fans des 1. FC Köln hatten es womöglich vergessen, schließlich lag der letzte Bundesliga-Dreier fast zweieinhalb Monate zurück. Auf das 1:0 gegen den VfL Wolfsburg am 30. Januar folgten acht Spiele ohne Erfolg – vier Niederlagen und vier Unentschieden. Das 3:1 gegen Bremen glich angesichts der Tabellenkonstellation nun einem Befreiungsschlag. Zweifellos hätte sich der FC das Leben gegen Werder leichter machen können. Zwingend hätte das eine oder andere Tor mehr fallen müssen, Bremens Elfmeter wiederum kam aus dem Nichts. Doch letztlich zählte einzig und allein das Ergebnis. So fahren die Kölner als Tabellen-13. mit fünf Punkten Vorsprung auf St. Pauli ans Millerntor. Der VfL Wolfsburg auf dem ersten direkten Abstiegsplatz ist bereits neun Zähler entfernt.







Hier kannst du über den 1. FC Köln diskutieren und dich mit anderen Usern austauschen. Bitte beachte dabei die Spielregeln in unserer Netiquette! Du findest sie hier und kannst sie jederzeit nachlesen. Viel Spaß!