Der 1. FC Köln setzt nach monatelangen Misserfolgen auf einen neuen Trainer. Doch René Wagner weiß: Er hat selbst auch dazu beigetragen, dass es lange nicht gut lief. Nun will er es anders machen – ohne seinen Vorgänger zu kritisieren.
Es war sein erster, großer Auftritt als neuer Cheftrainer des 1. FC Köln. Zwar hatte René Wagner am Dienstag nach dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach schon einmal in einer Mixed Zone den Medien Frage und Antwort gestanden, doch so eine Pressekonferenz ist dann noch mal etwas anderes. Am Freitag vor dem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt war es soweit.
In einem schwarzen T-Shirt mit schwarzem FC-Wappen auf der Brust betrat Wagner an Karfreitag um kurz vor 14 Uhr den Saal am Geißbockheim. Der 37-Jährige begrüßte alle Journalisten per Handschlag, ehe er auf dem Podium Platz nahm. Nicht auf dem Platz, auf dem in den Monaten zuvor Lukas Kwasniok gesessen hatte. Diesen nahm Pressesprecherin Lil Zercher ein. Wagner setzte sich auf ihren einstigen Platz.
Wagner tritt Kritikern direkt entgegen
Ein bisschen Abwechslung, ein bisschen Aberglaube, ein bisschen neuer Wind: Mit dem einstigen Assistenten soll beim FC der Erfolg zurückkehren. Wagner weiß um die Schwere der Aufgabe. Nicht zuletzt, weil seine Beförderung nur ein kleiner Wechsel ist, kein Bruch mit dem alten System. Wagner steht weiterhin für das, was war. Für das Gute, wie die Verantwortlichen sich erhoffen. Das Schlechte soll er ausmerzen und besser machen.
Das weiß auch Wagner. Seine Kritiker wie Ex-Profi Nils Petersen („Ich finde es schwierig, wenn du das all die Monate mit begleitet hast und als Co-Trainer dazu beigetragen hast“) wollte er daher gleich mitnehmen: „Ich glaube nicht, dass man sich hier nach zwei Wochen hinsetzen und sagen sollte: Das war das Problem. Denn ich war auf der anderen Seite die neun Monate vorher auch schon da.“ Dieses spezielle Problem räumte Wagner also direkt ab, um trotzdem deutlich zu machen, dass er sehr wohl etwas verändern will.
Die Mannschaft ist immer ein Spiegelbild des Trainerteams. Das versuchen wir vorzuleben.
René Wagner
Auf der Pressekonferenz wählte der gebürtige Dresdner einen ruhigen Ton. Keine Kampfansagen, keine Kalauer, keine ausufernden Ausführungen: Wagner blieb, wie er sich selbst sieht. „Ich versuche immer positiv und ruhig zu bleiben, immer sachlich-analytisch. Das ist meine Stärke“, sagte der neue Chef. Um dann anzudeuten, dass er womöglich auch eine andere Seite hat, diese aber bislang nicht zeigen durfte. „Vor dem Spiel werde ich sicherlich ein paar Worte finden, die ich so als Co-Trainer noch nicht finden durfte.“
In jeder Aussage steckte vor allem eines: die Betonung des Gesamtgefüges, der Mannschaft, des Teams im Zusammenspiel mit dem gesamten Trainer- und Betreuerstab. „Unfassbar wichtig, vielleicht das Wichtigste überhaupt für mich“, sagte Wagner mit Blick auf den Zusammenhalt. „Mir geht es darum, dass alle einen guten Job machen können und alle sich wohl fühlen. Die Mannschaft muss zusammenhalten und der Staff muss zusammenhalten. Max Weuthen (Ahtletiktrainer, Anm d. Red.) hat mir mal gesagt: Die Mannschaft ist immer ein Spiegelbild des Trainerteams. Das versuchen wir vorzuleben.“
Wagner will es wie Funkel machen
War in diesen Worten womöglich eine kleine Kritik an Kwasniok versteckt? Dem Ex-Coach wurde zuletzt nicht mehr das beste Verhältnis zu Mannschaft und Staff nachgesagt. Will Wagner auch da ansetzen und wieder alle Beteiligten zusammenfügen? „Ich will versuchen über die tägliche Arbeit eine Bindung zu erzeugen. Das ist mein Ansatz“, sagte Wagner. „Ich will, dass wir als Gruppe funktionieren.“
Auffällig oft betonte der Neue dieses Ziel. Womöglich auch, weil er weiß, dass genau dies die Stärke jenes Mannes ist, der an Wagners Stelle übernehmen könnte, sollte der 37-Jährige nicht sofort Erfolg haben: Friedhelm Funkel. Die Trainer-Legende ist weniger für seine taktischen Kniffe bekannt als für seine umarmende, Ruhe und Konzentration spendende Art. Genau das will Wagner auch sein – 35 Jahre jünger und dennoch mit dem Wunsch zu vereinen.
Wenn alle um mich herum Erfolg haben, werde ich ihn automatisch auch haben. Das ist mein Ansatz.
René Wagner
Und das, ohne dabei auf sich selbst und seine eigene Zukunft zu schauen. „Mir geht es genau darum nicht. Es geht nicht darum, dass ich eine Chance nutzen kann oder den Fuß in die Tür als Cheftrainer bekomme“, sagte Wagner. „Wenn alle um mich herum Erfolg haben, werde ich ihn automatisch auch haben. Das ist mein Ansatz. Wenn die Mannschaft das Gefühl hat, dass sie am Wochenende performen kann, werde ich wahrscheinlich einen guten Job gemacht haben.“ Und damit will er, will seine Mannschaft am Sonntag in Frankfurt beginnen.








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