Trotz einer starken Leistung steht der 1. FC Köln nach dem rheinischen Duell gegen Bayer Leverkusen ohne Punkte da. Unser Autor findet jedoch, dass der Auftritt eine Demonstration des Möglichen war.
Ein Kommentar von Alexander Haubrichs
Der 1. FC Köln ist dem Champions-League-Aspiranten und Deutschen Meister von 2024, Bayer 04 Leverkusen, mit 1:2 unterlegen. Doch da auch die Konkurrenz patzte, sind die Folgen im Abstiegskampf zu verschmerzen. So dürfte der Frust über die Niederlage schnell den positiven Erkenntnissen dieses Nachmittags weichen.
Schließlich muss man lange zurückdenken, um sich daran zu erinnern, dass ein Spitzenteam im RheinEnergieStadion beinahe 30 Minuten lang derart an die Wand gespielt wurde. So viele hochkarätige Möglichkeiten gegen eine Mannschaft, die vor wenigen Wochen in der Königsklasse zumindest zu Hause den FC Arsenal beherrscht hatte – das begeisterte nicht nur Coach René Wagner und Sportchef Thomas Kessler, sondern ließ auch Müngersdorf beben.
Der 1. FC Köln muss den Mut mit ins Saisonfinale nehmen
Dass Bayer-Keeper Janus Blaswich einen Sahnetag erwischt hatte, Said El Mala das leere Tor nicht traf oder Jakub Kaminski immer wieder ein fremdes Bein bräuchte, um den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen, sei’s drum. Der FC hatte sich den „Luxus“, gegen Leverkusen das Risiko suchen zu können, auch durch die Punktgewinne in den letzten Wochen erarbeitet.
Ohne die Hilfe des Schiedsrichters beim schmeichelhaften Handelfmeter und mit ein wenig mehr Kaltschnäuzigkeit wäre wesentlich mehr drin gewesen. So bekam man eine Ahnung davon, dass in dieser Mannschaft nicht nur reichlich Wille und Leidenschaft, sondern eben auch Potenzial steckt.
Ein Versäumnis und eine sperrangelweit offenen Tür
Die Abwehr mit dem Bollwerk Jahmai Simpson-Pusey und Cenk Özkacan in der Zentrale, der Ideenreichtum von Jakub Kaminski, die Tempo-Dribblings von Said El Mala und die Joker-Qualitäten von Luca Waldschmidt – das ist schon gehobene Bundesliga-Qualität. Auf vielen anderen Positionen ist man mindestens konkurrenzfähig. Wenn nicht die Verletztenseuche um sich greift, hat man auch in der Tiefe einen Kader, der in der Bundesliga bestehen kann. Das einzige Manko, das sich auch im Spiel gegen Bayer zeigte, war das Versäumnis, im Winter nicht nach einer Alternative zu Ragnar Ache gesucht zu haben.
Insgesamt bleibt jedoch: Dass man als Aufsteiger teilweise Lehrgeld zahlt, ist normal. Wichtig ist, dass man sich den Mut, offensive Lösungen zu suchen, auch für die beiden entscheidenden Duelle bei Union Berlin und gegen den FC Heidenheim bewahrt. Die Tür zum Klassenerhalt steht jedenfalls sperrangelweit offen.







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