Thomas Kessler steht im zweiten Sommer in Folge vor einer Entscheidung: Welcher Trainer kann den 1. FC Köln mittelfristig im Bundesliga-Mittelfeld etablieren? Traut er das René Wagner zu? Es gibt auch Alternativen.
René Wagner ist als Interims- respektive Chefcoach des 1. FC Köln ungeschlagen und darf sich Hoffnungen auf eine Weiterbeschäftigung über den Sommer hinaus machen. „Wir haben René in dieser schwierigen und wichtigen Zeit die Verantwortung gegeben, weil wir von ihm überzeugt sind. Ich war lange mit ihm im Austausch, seit seiner Zeit, als er den FC verlassen hatte”, sagt Thomas Kessler bei Sky.
Der Sportchef lobt: „Alles, was ich mir vorgestellt habe, setzt er um. Die Ergebnisse waren auch gut. Aber wir haben noch wichtige Spiele vor der Brust. Wir müssen uns extrem fokussieren. Dann setzen wir uns zusammen und schauen, wie es weitergeht.“
Die große Wende gelang Wagner noch nicht
Im knallharten Profigeschäft dürfen persönliche Sympathien und Befindlichkeiten nicht den Blick auf die Realität verdrängen. Und die sagt: Richtig ist, dass sich unter Wagner die Stimmung in der Truppe verbessert hat – auch, weil Lukas Kwasniok als Reibungspunkt und Ausrede für einige Profis weggefallen ist. Plötzlich kehrte auch das Glück zurück, das Wagner ein Remis gegen Frankfurt bescherte, während es Kwasniok beispielsweise gegen Dortmund nicht gelang. Oder Werder Bremen öffnete dem FC in der Anfangsphase Tür und Tor beim so wichtigen Heimsieg.
Wirklich neue Ideen, ein stark veränderter fußballerischer Ansatz oder mehr Kreativität sind hingegen (noch) nicht zu erkennen. Ein ideenloser Auftritt, eine Muskelverletzung und ein Gegentor nach einer Ecke am Millerntor – all das hat man in dieser Saison schon gesehen. Trotz der positiven Signale, die Kessler Richtung Wagner sendet, ist längst nicht klar, wie der FC die Zukunft plant.
Schließlich sind die Aussichten im Falle des Klassenerhalts so rosig wie seit dem Verkauf von Anthony Modeste und der Qualifikation für die Europa League 2017 nicht mehr. Ein Transfer-Jackpot bei Said El Mala könnte das nötige Kapital für den weiteren, dringend benötigen Umbau freimachen. Mit dem Abschied der Routiniers Florian Kainz, Luca Kilian und Dominique Heintz werden zudem Gehaltsvolumen und Kaderplätze für Verstärkungen frei.
1. FC Köln am positiven Scheideweg
Da sollte man sicher sein, welchem Trainer man mittelfristig die Entwicklung des Kaders und vielleicht sogar den Sprung in die obere Tabellenhälfte zutraut, nachdem die Entscheidung für Kwasniok sich schnell als Fehlgriff erwies. Kessler: „Das mache ich nicht alleine. Ich habe ein sehr gutes Team am Geißbockheim. Da geht es nicht nur um den Cheftrainer, sondern auch um Kaderplanung und alle Positionen. Da ist man in einem permanenten Prozess und macht sich Gedanken, was im Fall X passieren kann.“
Dazu gehört auch, sich mit anderen Kandidaten auszutauschen. „Naja, es liegt in meiner Verantwortung. Aber das weiß auch jeder Cheftrainer, der bei uns unter Vertrag steht, dass ich mich grundsätzlich immer auch mit anderen Cheftrainern auseinandersetze. Und wenn sich die Möglichkeit ergibt, auch mal das ein oder andere Gespräch führe.“
Toppmöller, Eichner, Blessin als mögliche Kandidaten
Dino Toppmöller gilt als ein Kandidat, der Ex-Frankfurter könnte aber auch bei finanzkräftigeren Klubs wie etwa Bayer Leverkusen oder auch im Ausland eine Option sein. Dann ist da Christian Eichner, der trotz erfolgreicher Arbeit überraschend den Karlsruher SC im Sommer verlassen muss. „Eiche“, der auch von Union Berlin umworben wird, spielte von Januar 2011 bis Juli 2013 beim 1. FC Köln – teilweise gemeinsam mit Kessler.
Allerdings hat Eichner alle Gespräche zurückgestellt, bis sein Job bei den Badenern im Mai erledigt ist. Auch St. Paulis Alexander Blessin könnte im Abstiegsfall eine Option für den FC werden, schließlich leistet er am Millerntor unbestritten gute Arbeit und war schon in der Vergangenheit am Geißbockheim ein Thema.
Kessler lässt sich noch nicht in die Karten schauen: „Am Ende ist es die Fußball-Bundesliga. Ich habe die Verantwortung, die besten Entscheidungen drumherum zu treffen. Wir schauen uns die kommenden Wochen an, dann werden wir in Ruhe überlegen.“ Und hoffentlich die richtige Entscheidung für die Zukunft des 1. FC Köln treffen.








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