Bundestrainer Julian Nagelsmann zeigt Said El Mala die kalte Schulter. Ein Nachteil für Deutschland und den 1. FC Köln. Nicht aber für Shootingstar El Mala.
Ein Kommentar von Alexander Haubrichs
Leroy Sané statt Said El Mala? Vergangenheit statt Zukunft? Diese Entscheidung ist ein Irrweg – und ein kräftiger Tritt auf die Euphoriebremse. Nicht nur bei den Fans des 1. FC Köln. Als Bundestrainer Julian Nagelsmann in einem Interview mit dem Kicker im Frühjahr ungewohnt deutlich seine Kritik an Said El Mala geäußert hatte, schienen die WM-Chancen für den kölschen Stürmer in weite Ferne gerückt. Vorher hatte der Angreifer im Winter phasenweise ein wenig ausgeguckt gewirkt, zudem traute ihm Coach Lukas Kwasniok nur selten einen Platz in der Startelf zu.
Doch dann änderten sich genau jene Dinge, die der Bundestrainer in seiner „To-do-Liste“ für den Shootingstar genannt hatte: El Mala wurde zum unumstrittenen Stammspieler, schoss wichtige Tore und zeigte zuletzt sogar gegen den FC Bayern, dass er auch gegen absolute Topstars ohne Ehrfurcht seine Qualitäten auszuspielen weiß. Kein Wunder, dass ihn die halbe Premier League jagt und sich der 1. FC Köln auf ein Wettbieten im Sommer freuen kann.
Nagelsmann setzt auf Leroy Sané statt auf El Mala
Es hätte bei einer WM-Teilnahmen noch lukrativer werden können. Doch Nagelsmann hatte bei seiner Nominierung dann eher die Bayern-Brille auf und nominierte stattdessen mit Leroy Sané einen ehemaligen Schützling aus Münchner Zeit.
Damit aber hat der Trainer eine Chance verpasst. Die Mischung aus explosiver Schnelligkeit und der Wucht, mit der sich der umworbene 19-Jährige immer wieder gegen eine Übermacht an Gegnern behauptet und durchsetzt, seine Unbekümmertheit gepaart mit Zielstrebigkeit, seine Unberechenbarkeit und natürlich seine steil nach oben zeigende Formkurve: All das hatte so manchen hoffen lassen, der DFB-Coach werde ein Einsehen haben und ihn zum WM-Turnier mitnehmen. Denn genauso ein Spieler fehlt im Aufgebot des Bundestrainers.
Dazu kommt: Was soll ein junger Spieler sonst davon halten, wenn er Wochen vor so einer wichtigen Entscheidung öffentlich gemaßregelt wird, dann liefert – und am Ende doch die kalte Schulter gezeigt bekommt? Das wirkt nicht gerade wie pädagogisches Feingefühl, sondern eher wie ein demonstratives Abkanzeln – ob er nun am Telefon seine Beweggründe erläuterte oder nicht.
Für El Mala mag das enttäuschend sein, ein Nachteil für seine Zukunft ist es nicht unbedingt: Während die Topstars müde nach einem langen WM-Sommer spät in die Vorbereitung einsteigen, kann sich der Verein, der den Stürmer von sich überzeugt, auf einen ausgeruhten, hungrigen Neuzugang freuen.
Aber für Deutschland ist es ein Nachteil: Said El Mala hätte dem seit Monaten vor sich hin schlingernden Flaggschiff Nationalmannschaft noch etwas anderes geben können, was ein 40-jähriger Rückkehrer ins Tor sicher nicht vermag: einen Schuss jugendliche Frische und Euphorie. Nicht nur unter den Kölner Fußballfans dürfte diese Entscheidung der WM-Vorfreude einen herben Dämpfer verpasst haben.








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