Nur so kann Wagner bleiben: Der FC muss die Spieler in die Pflicht nehmen

René Wagner und Thomas Kessler. (Foto: IMAGO / Jan Huebner)
René Wagner und Thomas Kessler. (Foto: IMAGO / Jan Huebner)

Der 1. FC Köln will René Wagner eigentlich zum Cheftrainer befördern, wundert sich aber über den harschen Gegenwind, welcher dem Coach ins Gesicht weht. Doch das Problem ist auch hausgemacht – und hat nichts mit dem Trainertalent zu tun.

Ein Kommentar von Marc L. Merten

Jetzt liegt es an Sportchef Thomas Kessler und dem Gemeinsamen Ausschuss: Wird René Wagner neuer Cheftrainer des 1. FC Köln, weil die Verantwortlichen an ihn glauben? Oder beugen sich die FC-Bosse dem Druck der Fans und dem Gefühl, dass der 37-Jährige schon jetzt kaum noch Kredit zu haben scheint? In jedem Fall sollten sich die Verantwortlichen auch selbst hinterfragen.

Denn die Kritik an Wagner beruht zwar in Teilen auch auf der anfangs unbeholfenen und kühlen Art, wie der 37-Jährige öffentlich auftrat. Inzwischen aber hat Wagner sich an seine Rolle gewöhnt und wirkt deutlich gelassener. Größtenteils bezieht sich die Kritik an Wagner jedoch auf die Leistungen der Geißböcke auf dem Platz. Und für diese sind in erster Linie die Spieler verantwortlich.

Noch immer sind die Folgen zu spüren

Die Spieler jedoch werden inzwischen seit Jahren vom FC konsequent in der Öffentlichkeit geschützt. Nach der desaströsen Saison 2023/24 mit dem Abstieg und der Transfersperre wurden die Profis nach außen hin in Watte gepackt. Damals war der Grund, dass der FC aufgrund der Transfersperre die gesamte Mannschaft halten und bei Laune halten musste. Es wurde eine Wagenburg-Atmosphäre geschaffen, um die historische FIFA-Strafe inklusive Gang in die 2. Liga zu überstehen.

Doch aus dieser Wagenburg ist der FC seitdem nicht wieder vollständig hervorgekommen. Nur ein paar Beispiele: Wer steckte im Winter Informationen aus der Kabine, aus dem Trainingslager und von der Weihnachtsfeier an die Ultras durch, sodass es zum „Kwasni Yok“-Plakat kam? Spieler. Wer hatte in den letzten Jahren immer wieder Probleme mit der Disziplin? Spieler. Wer ließ vor drei Wochen nach dem erreichten Klassenerhalt die Spannung fallen und verlor sang- und klanglos gegen Heidenheim? Spieler.

Als Kwasniok deutlich wurde, verlor er die Spieler

Das Problem: Von Kessler, Kwasniok, Wagner oder auch dem Vorstand hörte man dazu in den letzten Monaten kaum mal ein öffentliches Wort der Kritik. Und wenn doch, wie bei Kwasniok, hängten es am Ende die Spieler dem Trainer als Päckchen um den Hals und trugen so zu dessen Entlassung bei. Der sie schützende Wagner steht stattdessen wieder hoch im Kurs bei den Spielern.

Die Kritik mag intern stets deutlicher angeklungen haben. Doch nun, in der Trainerfrage rund um Wagner, geht es eben auch um die Wahrnehmung der Fans. Und die haben vom FC seit Monaten keine scharfe Kritik mehr gehört, stattdessen meist nur wachsweiche Worte. Dabei muss es ja nicht immer die große Keule sein, aber wer selbst nach Auftritten wie gegen Heidenheim erklärt, es sei kein allzu schlechtes Spiel gewesen und es hätten nur Nuancen gefehlt, der muss sich nicht wundern, wenn das bei den Fans nicht gut ankommt.

FC muss wieder Finger in die Wunde legen

Dabei geht es auch um das Anspruchsdenken in Köln. Der FC will sich wieder in der Bundesliga etablieren. Dafür reicht es nicht, die Bayern nach dem 34. Spieltag dafür zu loben, dass die Münchner eine „andere Sportart“ spielen würden. Der Anspruch müsste lauten, in dieselbe Sportart zu wechseln. Die Mannschaft öffentlich bis aufs Blut zu verteidigen, mag zwar nobel und im Sinne des Team-Gedanken sein. Die FC-Bosse müssen aber endlich wieder anfangen, auch öffentlich den Finger in die Wunde zu legen.

Niemand beim FC muss sich dafür verteidigen, den Klassenerhalt geschafft zu haben. Diese Leistung steht außerhalb jeder Diskussion. Das „Wie“ jedoch gehört zur ehrlichen Aufarbeitung dazu. Und diese ehrliche Bewertung und Analyse darf auch in der Öffentlichkeit Kritik an den Spielern nach sich ziehen – auch von den Verantwortlichen. Wenn das nicht passiert, darf sich niemand wundern, wenn derjenige alleinverantwortlich gemacht wird, der an der Seitenlinie steht: der Trainer.

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