Wie entscheidet Thomas Kessler? Der Sportchef des 1. FC Köln muss die Trainerwahl treffen und sie im Gemeinsamen Ausschuss durchsetzen. Lange war René Wagner der Wunschkandidat. Was aber, sollte das Gremium den 37-Jährigen nicht als die beste Lösung ansehen?
Die Fans des 1. FC Köln träumen gerne. Und das sollen sie auch, denn was gibt es Schöneres als sich auszumalen, wie es mit dem FC im besten aller Sinne weitergehen könnte? Diese Träume betreffen freilich auch die Trainerfrage. Und so mancher hat sich in den letzten Jahren Trainergrößen wie Edin Terzic gewünscht. Das Problem mit solch prominenten Trainern: Sie haben in der Regel ebenfalls Träume – und die sehen nur selten den FC als Karriereschritt vor.
So auch Terzic, der zwei Jahre lang den perfekten Club mit großen Ambitionen suchte und schließlich Athletic Bilbao fand, welches in dieser Saison in der Königsklasse vertreten war. Oder Marco Rose, der nach Bournemouth wechselt – der AFC hat auf Platz sechs noch Restchancen auf die Champions League. Der 1. FC Köln hingegen muss andere Wege gehen. Die Frage ist, welche Optionen es gibt. René Wagner ist bekannt, aber wer sonst? Hier ein Blick in die Kategorien der Trainergilde.
Option A: René Wagner
Der FC hat sich vor Wochen eigentlich auf René Wagner festgelegt. Sportchef Kessler und sein Team sind große Fans des 37-Jährigen, der auch zahlreiche weitere Befürworter am Geißbockheim hat. Die große Frage aber lautet: Verfügt Wagner über die nötigen Führungsqualitäten, um eine Mannschaft inklusive Staff langfristig zu leiten, bei Laune zu halten und stetig zu verbessern? Das wird intern noch diskutiert und ist nach GEISSBLOG-Informationen der Knackpunkt.
Option B: Der typische FC-Trainer
Intern heißt es inzwischen auch: Die Alternativen sind rar gesät. Mit zu vielen Experimenten ist der FC in der Vergangenheit schon auf die Nase gefallen. Mit Top-Zweitliga-Trainern wie Markus Anfang, Achim Beierlorzer oder nun auch Lukas Kwasniok. Mit netten Typen wie Timo Schultz, mit Rettern wie Markus Gisdol, mit System-Trainern wie Gerhard Struber. Auch jetzt sind wieder einige dieser Trainer auf dem Markt. Doch weder Horst Steffen noch Christian Eichner, weder Sandro Wagner noch Thomas Letsch können auf Bundesliga-Niveau schon Erfolge vorweisen. Keiner dieser Kandidaten würde dem FC so etwas wie Sicherheit geben, eine deutlich bessere Wahl zu treffen als bei Wagner. Denn keiner dieser in der Vergangenheit typischen FC-Trainerkandidaten hat wirklich nachgewiesen, dass er eine Top-Lösung für den FC wäre.
Option C: Der große Wurf
Eine Rückholaktion von Steffen Baumgart mal ausgeschlossen: Wird es nicht Wagner und lernt der FC aus den Fehler seiner Vergangenheit, gäbe es die Option eines großen Wurfs. Hat Kessler womöglich in den letzten Wochen abgeklopft, ob Trainer wie Dino Toppmöller oder Adi Hütter, Ralph Hasenhüttl oder Domenico Tedesco verfügbar wären? Ein solcher Name würde zwar auch keinen Erfolg garantieren, aber eine solche Verpflichtung würde Zeichen senden. Erstens, dass der FC für ein solches Trainer-Niveau nicht zu klein ist. Zweitens, dass der FC größere Ambitionen hat als nur um den Klassenerhalt zu spielen. Ein großer Name würde für Aufbruch, für Ambition, für Lust auf mehr stehen. Er würde zwar auch mehr kosten, aber dafür auch mehr Anziehungskraft auf dem Transfermarkt ermöglichen. So schwer es auch womöglich wäre, mit solchen Trainerkandidaten ins Gespräch zu kommen.
Option D: Der Steidten-Joker
Und dann wäre da noch der Joker: Tim Steidten. Der Kaderplaner kam in diesem Jahr aus dem Nichts als Kesslers rechte Hand. Was er mitbringt, ist klar: internationale Beziehungen. Steidtens Netzwerk ist groß, und so ist es denkbar, dass er noch einmal gänzlich andere Trainerkandidaten auf dem Schirm hat. Nicht nur Mike Tullberg oder Mark van Bommel, sondern womöglich auch Trainer wie Jakob Poulsen oder Jens Wissing, Jon Dahl Tomasson oder Martin Demichelis. Trainer, die man – je nach dem – aus ihren Verträgen kaufen müsste, die sich ihre Meriten bislang woanders verdient haben, die ebenfalls nicht ohne Risiko, aber auch mit Phantasie wären. All dies freilich nur, sollte es René Wagner nicht werden.








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