Der FC auf der Suche nach einem neuen Geist: Kesslers Mut birgt mehr Chance als Risiko

Thomas Kessler mit den beiden Vizepräsidenten Ulf Sobek und Jörn Alvermann. (Foto: Bucco)
Thomas Kessler mit den beiden Vizepräsidenten Ulf Sobek und Jörn Alvermann. (Foto: Bucco)

Mehr Chance als Risiko: Während Sportchef Thomas Kessler im Trainerstab des 1. FC Köln auf Kontinuität setzt, plant er im Team einen großen Umbruch, ein neuer Geist soll her. Die Gelegenheit ist günstig und das Budget vorhanden – doch der Abgang der Stars wiegt schwer und der Umbruch muss gelingen.

Ein Kommentar von Alexander Haubrichs

Der FC macht „Tabula Wagner” – und wagt damit den Aufbruch ins Ungewisse. Thomas Kessler, Kaderplaner Tim Steidten und Cheftrainer René Wagner setzen im Umfeld des 1. FC Köln auf Kontinuität. Doch im Kader wird kräftig aufgeräumt: Die Mannschaft der Geißböcke dürfte im kommenden Jahr kaum wiederzuerkennen sein. Frischer Wind für den nächsten Schritt beim 1. FC Köln.

Nicht alles davon ist freiwillig: Said El Mala und/oder Jakub Kaminski wird man nur äußerst ungern ziehen lassen. Dahinter will man jetzt aber mutige Entscheidungen treffen, um verkrustete Strukturen innerhalb des Teams aufzubrechen und einen neuen Geist in die Kabine einkehren zu lassen. Der Grund: Für den aktiven Powerfußball der Zukunft, wie Wagner ihn sich vorstellt, braucht es neben fußballerischen Fähigkeiten absolute Fitness, einen unbedingten Willen und Disziplin auf und neben dem Platz.

Ein neuer Geist für die Geißbockheim-Kabine

Durch den Abstieg und die Transfersperre haben sich beim 1. FC Köln fast zwangsläufig Hierarchien gebildet, die den Kader in seiner Entwicklung behindern. Es ist immer problematisch, wenn die Wortführer in der Mannschaft nicht die Leistungsträger sind – und genau das war zuletzt der Fall.

„Faule Äpfel“ in der Kabine machen es jedem Trainer schwer – ungeachtet aller selbst verschuldeten Probleme von Wagner-Vorgänger Lukas Kwasniok oder dem in der Zweiten Liga geschassten Gerhard Struber. Anspruch und Wirklichkeit wieder in Einklang zu bringen, das wird in diesem Sommer Aufgabe der Verantwortlichen sein. So mancher FC-Profi muss sich unbequeme Wahrheiten anhören, der eine oder andere wird den unverblümten Rat erhalten, sich eine andere Aufgabe zu suchen oder sich ganz weit hinten anstellen zu müssen.

1. FC Köln: Zeit ist reif für einen Umbruch

Der Neuaufbruch ist mutig, der bevorstehende Verlust der Ausnahmekönner wiegt mehr als schwer, aber die Zeit ist reif und die Gelegenheit günstig: das Budget ist vorhanden und dank des Aufstiegs der Fußball-Zwerge Paderborn und Elversberg ist die Aufgabe Klassenerhalt im nächsten Jahr zumindest auf dem Papier deutlich leichter als in anderen Spielzeiten.

So alternativlos der harte Schnitt scheint, ist der Einsatz von Kessler und Co. hoch. Wenn sogar Anführer wie Keeper Marvin Schwäbe oder Identifikationsfiguren wie Jan Thielmann auf dem Prüfstand stehen, weiß man, dass sie es ernst meinen und auch vor unpopulären Entscheidungen nicht zurückschrecken. Geht das Experiment „Tabula Wagner“ schief, wird sich der Sportchef erklären müssen. Doch der Weg birgt mehr Chancen als Risiken.

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