Stefan Ruthenbeck spricht nach der Niederlage des 1. FC Köln im Finale um die Deutsche Meisterschaft im GEISSBLOG-Interview über den verpassten Titel, eine verpasste Chance und über den Abschied von einigen Talenten.
Das Interview führten Marc L. Merten und Lars Tetzlaff
GEISSBLOG: Herr Ruthenbeck, Ihre Mannschaft hat das Finale verloren. Wie blicken Sie auf die 90 Minuten?
STEFAN RUTHENBECK: „Man ist schnell dabei, indem man sich fragt, was man selbst falsch gemacht hat. Aber ich glaube einfach, dass Hoffenheim es in der ersten halben Stunde richtig gut gemacht hat. Sie hatten unheimlich guten Ballbesitz und wir nur selten Zugriff. Ihr Übergangsspiel war richtig gut. Da sind sie die beste Mannschaft in Deutschland. Wir dagegen haben in den entscheidenden Situationen, auch in unseren Umschaltern, nicht genug dagegen gehalten. Aufgrund der ersten 30 Minuten hat Hoffenheim deshalb auch verdient gewonnen.“
Wie weh tut die Niederlage?
„Das, was mir heute weh tut, ist gar nicht der Titel. Es ist die Youth League. Das war das Highlight der Saison. Und das tut mir ein bisschen weh, dass wir nächste Jahr nicht dabei sein können. Trotzdem war es eine tolle Saison, ein tolles Jahr und wir können alle stolz sein, was wir geleistet haben.“
Hoffenheim hat in der zweiten Halbzeit den Spielfluss immer wieder unterbrochen, hat sehr früh begonnen auf Zeit zu spielen. Sie wirkten am Spielfeldrand irgendwann genervt.
„Aus Trainerperspektive, gerade wenn du hinten liegst, gab es dann ein paar Sachen, die mir auf den Sack gegangen sind, wenn sieben oder acht Mal der Krampf rausgedrückt werden muss. Andere sagen: Das ist clever. Das sehe ich nicht so. Das hat mir nicht gefallen. Aber ich will kein schlechter Verlierer sein. Aufgrund der ersten 30 Minuten hat Hoffenheim es verdient.“
Was wir dieses Jahr abgerissen haben, auch ohne einen Titel, ist nochmal einer oben drauf. Und das ist krass.
Stefan Ruthenbeck
Obwohl so kurz nach dem Spiel: Wie fällt Ihr Saisonfazit aus?
„Wenn man mal die Gesamtperspektive sieht: Die U17 kommt ist Viertelfinale. Die U16 ist in der Spitzengruppe vertreten. Die U19 stand im Finale um die deutsche Meisterschaft und im Halbfinale des DFB-Pokals. Dazu gab es das Highlight der Youth League. Die U21 hatte mit dem Abstieg gar nichts zu tun. Es gab Spiele der U21, in denen haben fünf U19-Spieler stattgefunden. Dazu hatten wir Spieler aus der U19 mit Profi-Einsätzen. Rundum mit Bezug auf die Akademie kann das Fazit also nur positiv sein. Was wir dieses Jahr abgerissen haben, auch ohne einen Titel, ist nochmal einer oben drauf. Und das ist krass.“
Jetzt endet für einige Talente ihre Zeit beim FC. Wie schwer fallen Ihnen solche Momente?
„Wir haben uns gestern Abend noch mal Fotos angeschaut mit den Jungs, wie viele Spieler aus der U8 hochgekommen und geblieben sind bis in die U19, teilweise jetzt schon bis in die U21. Das ist verrückt und richtig schön. Deshalb haben wir eben nach dem Spiel auch den einen oder anderen mit Tränen gesehen, weil sie wissen, dass die Jugendzeit vorbei ist. Sie waren so viele Jahre beisammen sind. Das gibt es woanders so nicht.“
Wie dringend benötigen Sie jetzt die Sommerpause?
„Eine lange Pause haben wir nicht. Es geht schon am 17. Juni wieder los. Ich habe keine Ahnung, was sich der DFB da hat einfallen lassen. Warum muss die Saison schon am 2. August mit dem DFB-Pokal wieder losgehen? Das ist einfach zu früh. Wir können den Jungs nur zweieinhalb, drei Wochen Urlaub geben. Dann geben wir ihnen nochmal eine Woche im Juli in den Schulferien, das ist aber schon zwei Wochen vor dem ersten Spiel. Das ist einfach zu wenig. Gerade, wenn du so eine lange Saison gehabt hast. Aber trotzdem, ich werde versuchen kurz abschalten. Und dann geht es wieder mit Vollgas in die neue Saison.“







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