„Absoluter Meilenstein“: 1. FC Köln sprengt nach 25 Jahren diese Overath-Ketten

Marketingchef Philipp Liesenfeld neben Ex-Mitgliederratschef Stefan Müller-Römer
Kann frei vermarkten: Marketingchef Philipp Liesenfeld neben Ex-Mitgliederratschef Stefan Müller-Römer. Foto: Bucco

Der 1. FC Köln macht den Schritt in die Unabhängigkeit: 25 Jahre nach Abschluss des ersten Deals mit IMG schreitet die Eigenvermarktung des Clubs voran. Ein Blick zurück – und nach vorne.

Es war eine der ersten Amtshandlungen des neuen Geschäftsführers Claus Horstmann vor knapp 25 Jahren: Mit dem Vermarkter IMG wollte sich der 1. FC Köln in der Bundesliga wieder etablieren. Nachdem durch das Bosman-Urteil ein Teil der Ablösesummen als wesentlicher Einnahmefaktor fürs Erste weggefallen waren, stürzten wenig später (2002) der Zusammenbruch des Medienimperiums von Leo Kirch und die einbrechenden TV-Einnahmen den Fußball in eine Krise.

FC verfrühstückte Zukunftseinnahmen

Nicht nur der FC begegnete dem mit dem Abschluss von auf den ersten Blick lukrativen Vermarkterverträgen. Für eine hohe Abschlusszahlung („Signing fee“) wurden Teile der zukünftigen Einnahmen an IMG abgetreten, immer wieder bediente man sich in den Overath-Jahren dieser Möglichkeit, auch sonst wurden viele Zukunftseinnahmen wie Transferrechte oder Cateringrechte für Investitionen in den Kader „verfrühstückt“.

Nach Jahren der Misswirtschaft stand der FC nach dem Abstieg 2012 mit 30 Millionen Euro Schulden finanziell mit dem Rücken zur Wand – IMG half mit frischem Geld, allerdings zu wenig vorteilhaften Konditionen für den 1. FC Köln.

Jürgen Sieger macht 1. FC Köln frei für Infront

Es war Jürgen Sieger, der den Knebelvertrag löste. Gemeinsam mit Werner Spinner verhandelte der Wirtschaftsanwalt und Aufsichtsratsvorsitzende 2014 in London mit den IMG-Bossen, pokerte und drohte offen mit einer Insolvenz, holte so einige Millionen heraus. Allerdings musste man sich Hilfe von anderer Stelle holen: Ausgerechnet Infront, die Firma des alten Overath-Rivalen Günter Netzer, half als „weißer Ritter“ aus. 

Der Preis: Ein Zehn-Jahres-Deal, der dem Vermarkter einen Teil der Rechte zusprach, dafür aber dem 1. FC Köln mehr Handlungsspielraum ließ. Die Zusammenarbeit verlief meist erfolgreich, wenn auch die ganz großen nationalen und internationalen Deals nicht zustande kamen. Die größten Partner wie REWE, Ford oder DEVK sind teilweise seit langem Partner und aus der Region. 

Dass wir die Vermarktung des 1. FC Köln nun schrittweise komplett in die eigenen Hände nehmen, ist ein absoluter Meilenstein für uns.

Philipp Liesenfeld

Hier traut der 1. FC Köln sich zu, dass mindestens ebenso gut zu können. Seit der letzten Saison geht der Club unter Marketing-Geschäftsführer Philipp Liesenfeld schrittweise den Weg in die Unabhängigkeit und baut am Geißbockheim sein Vermarktungs-Team auf. Das Motto: Endlich frei! Für den Übergang ist Infront noch bis 2027 im Boot, doch grundsätzlich fließen alle Einnahmen dem FC zu, ohne die üblichen Provisionen von 10 bis 20 Prozent.

Der Club muss jetzt nur dafür sorgen, dass die Vermarktungserlöse nicht sinken. Seit Januar ist dafür Florian Dederichs vom FC St. Pauli ans Geißbockheim gestoßen und verantwortet nun die B2B-Vermarktung.

Liesenfeld blickt „optimistisch in die Zukunft“

„Dass wir die Vermarktung des 1. FC Köln nun schrittweise komplett in die eigenen Hände nehmen, ist ein absoluter Meilenstein für uns. Wir haben hart dafür gearbeitet, diese unternehmerische Unabhängigkeit zu erreichen, und blicken optimistisch in die Zukunft. Wir sehen schon jetzt die positiven Effekte dieser Veränderungen und sind auf einem richtig guten Weg“, sagt Liesenfeld gegenüber dem GEISSBLOG.

„Es ist ein starkes Signal, dass wir uns hier ein eigenes, schlagkräftiges Team am Geißbockheim aufbauen“, ergänzt der FC-Geschäftsführer, betont aber auch: „Gleichzeitig war es uns wichtig, diesen Übergang besonnen zu gestalten. Dass uns Infront dabei noch ein Jahr vertrauensvoll begleitet, ist ein absoluter Pluspunkt, um den Prozess professionell und nahtlos für alle Seiten zu gestalten.“

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